Angriffe aus dem Netz, physische Übergriffe auf die Belegschaft. Sicherheit bekommt im Gesundheitswesen einen ganz neuen Stellenwert und braucht deshalb einen ganzheitlichen Ansatz.
Die Meldungen häufen sich. Immer öfter steht das Gesundheitswesen im Visier von Angreifern und die Vektoren sind dabei vielschichtig. Einerseits haben es Cyberkriminelle auf Daten und die kritische Infrastruktur des Gesundheitswesens abgesehen. Andererseits nehmen physische Gewalt und die Zahl von Übergriffen auf das Klinikpersonal zu.
„Eine gute und nachhaltige Sicherheitsstrategie für den Healthcare-Sektor muss daher mehrschichtig sein und sowohl digitale als auch physische Perimeter umfassen“, erklärt Helmut Dansachmüller, VP Product Marketing bei Anbieter für Identitätslösungen HID.
Und sie beginnt bei der Frage: Wer befindet sich überhaupt im Haus? Das schließt zum einen das Besuchermanagement ein. Zum andere müssen die Häuser jedoch auch über neue Zugriffslösungen nachgedacht werden, weiß Dansachmüller: „In vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens sind noch klassische physische ID-Karten, -Badges oder -Lanyards in Gebrauch. Sie werden auch weiterhin eine große Rolle spielen, um die Sicherheit vor Ort zu gewährleisten. Dennoch ist es sinnvoll, sie durch neue Ansätze wie Mobile-Access-Lösungen – also den Zugriff über Smartphones sowie andere mobile Endgeräte – und biometrische Authentifizierungsverfahren zu erweitern.“
Herausforderung für die Verwaltung
Erweitern würden sich damit natürlich auch die Aufgaben für Verwaltung und IT. Denn gerade wenn traditionelle und moderne Sicherheitsverfahren gemeinsam zum Einsatz kommen, ist eine zentrale Steuerung ein Muss. Idealerweise wird ein digitales Besuchermanagement hier gleich integriert und ebenfalls über mobile Zugangslösungen verwaltet. Hier könnte sich sogar ein Win-Win ergeben, da neben der Einhaltung von Sicherheitsvorschriften solche Lösungen auch Krankenhausbesuche positiv verbessern können.
Die Kehrseite solcher digitalen Lösungen: Sie bieten der organisierten Cyberkriminalität weitere Einfallsvektoren und müssen daher zwingend unter diesem Aspekt betrachtet werden. Gleichzeitig betont allerdings auch HID-Experte Dansachmüller, dass nur mit Hilfe von Digitalisierung und neuer Technologien ein entsprechend hohes Sicherheitsniveau in den Kliniken erreicht werden kann.
Real-Time-Location
Als Beispiel nennt Dansachmüller Notrufausweise für die Belegschaft, über die – integriert in ein Real-Time-Location-System – in kritischen Situationen jederzeit der Sicherheitsdienst alarmiert werden kann.
Und auch künstliche Intelligenz und Automatisierung seien wichtige Instrumente. Gerade in Verbindung mit Computer-Vision-Kapazitäten seien moderne Security-Systeme in der Lage, Zugriffskontrollen via Badge oder Mobile-Access-Geräte mit einer weiteren Kontrollschicht zu schützen. Zusätzlich trage die automatische Erkennung von unerlaubten Zugriffen – sei es physisch oder digital – innerhalb eines Sicherheitssystems maßgeblich dazu bei, Bedrohungen zu minimieren, respektive entsprechend schnell handeln zu können.
Eine Frage des Budgets
Wie immer sind die genannten Maßnahmen letztendlich aber immer auch eine Frage des Geldes. Denn die Sicherheit in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu gewährleisten, ist leider nicht immer einfach, weiß auch Dansachmüller: „Einerseits wächst der digitale Bestand durch immer mehr vernetzte Geräte, die in Krankenhäusern zum Einsatz kommen – von medizinischen Geräten über Smartphones, Datenservern und Computern bis hin zu externen Endgeräten von Patienten oder Besuchern, die sich mit dem Krankenhausnetz verbinden. Gleichzeitig steigt auch die Anzahl an Personen, die sich in Krankenhäusern aufhalten.“
Neben Patienten und der Belegschaft gibt es Besucher, externe Arbeitskräfte und Geschäftspartner der Einrichtung. Um sowohl den physischen Perimeter als auch den digitalen zu schützen, bedarf es daher entsprechender Services, Anwendungen und Systeme, die ein gewisses Budget voraussetzen. Doch gerade im Healthcare-Sektor wäre es fatal, an der Sicherheit der Patienten und ihrer Daten zu sparen.


