Selbstverwaltung zählt Lauterbach an

by | Apr 11, 2024

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KBV, KZBV, DKG und ABDA kritisieren nun erstmals gemeinsam die Gesundheitspolitik von Minister Lauterbach. Ihr Appell: Dialog, jetzt oder wir ziehen die nächsten Register. 

 

Die Kritik an Bundesgesundheitsminister Lauterbach von Seiten der Selbstverwaltung wird deutlicher. Nun haben sich Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV), Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände zusammengetan. Die Kritik ist scharf und deutlich: Die Bürokratielast ist zu hoch und hat unter der Ampel noch einmal zugenommen. Es werden neue, unnötige Strukturen geschaffen, anstatt bestehende zu stärken und vor allem wird noch zu wenig mit den Akteuren im Gesundheitswesen kommuniziert. Wenn überhaupt mache Lauterbach vage, öffentliche Ankündigungen, „konkrete politische Umsetzungen folgen dann entweder gar nicht, halbherzig oder extrem verspätet.“

Reformwille ist da

Den vier Verbänden sei der Reformdruck durchaus bewusst, es brauche aber nachhaltige Reformen, um die bestehenden Versorgungsstrukturen zu stärken. Der Minister müsse daher endlich in den Dialog gehen. Bleibt der erforderliche Kurswechsel aus, werden die vier Organisationen in den kommenden Wochen die Mitarbeiter im Gesundheitswesen und vor allem die breite Öffentlichkeit auf unterschiedlichen Kanälen verstärkt über die verheerenden Folgen dieser Politik für die Versorgung von rund 84 Millionen Patienten in Deutschland aufklären, heißt es.

DKG-Vorstandsvorsitzender Dr. Gerald Gaß spricht von einem Scheitern der Krankenhausstrukturreform und von einen „Nichtentwurf“, der auf 15 Seiten lediglich den Auswuchs an Bürokratie beschreibe. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen befindet fast alle Gesetzesentwürfe für „viel zu kompliziert, nicht zu Ende gedacht und mit kaum absehbaren gewaltigen Folgen.” Auch der Vorstandsvorsitzende der KZBV, Martin Hendges, hält die aktuelle Gesundheitspolitik für „versorgungsfeindlich“. Und Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der ABDA, glaubt, dass die massiven Belastungen auf „politisch verursachte Probleme“ zurückzuführen sind.

Ob der Schulterschluss der Selbstversorgung bei Lauterbach Wirkung zeigt, bleibt abzuwarten.

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