Steigende Krankenkassenbeiträge: Schweizer wollen Systemwechsel

by | Apr 3, 2024

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Nach der zweiten Prämienerhöhung in Folge wünscht sich die Mehrheit der Schweizer einkommensabhängige Prämien in der Krankenversicherung.

 

Die zweite Beitragserhöhung der Krankenkassen in Folge hat in der Schweiz für Unmut gesorgt. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag der Schweizer Boulevard-Zeitung Blick wünscht sich eine deutliche Mehrheit der Befragten die Abschaffung der sogenannten Kopfprämie. Die ist bei den Nachbarn einheitlich und wird pro Person beglichen. 57 Prozent würden laut Umfrage allerdings eine einkommensabhängige Prämie bevorzugen. Heißt: Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Bei Blick betont man, dass auch Mitte-Wähler (55 Prozent), Wähler der Grünliberalen Partei (54 Prozent) und sogar Wähler der konservativen Schweizer Volkspartei (50 Prozent) für die einkommensabhängige Prämie sind.

Aktuell gibt es in der Schweiz eine Grundversicherung mit einem Selbstbeteiligungsmodell, dem sogenannten Franchise. Ist der Selbstbeteiligung aufgebraucht, übernimmt die Kasse die Kosten. Für die Versicherten bleibt dann lediglich ein Selbstbehalt von zehn Prozent, der wiederum auf 700 Franken pro Jahr begrenzt ist.

Mitte des Jahres gibt es zudem Abstimmungen über zwei Initiativen, mit denen die Schweizer per Votum die Gesundheitskosten senken können. Die Prämienentlastungs-Initiative der Sozialdemokratischen Partei fordert, dass kein Haushalt mehr als zehn Prozent seines Einkommens an die Krankenkassen zahlen muss. Die Mitte-Partei setzt mit ihrer Initiative bei den steigenden Gesundheitskosten an und fordert eine Kostenbremse, sollten die übermäßig steigen. Und danach sieht es aus. Laut Krankenkassenverband Santésuisse sind die Kosten in den ersten Monaten dieses Jahres bereits um 6,7 Prozent gestiegen.

Was die Blick-Umfrage aber vor allem zeigt: Nicht nur in Deutschland wachsen Unmut und Diskussionen über die Finanzierung des Gesundheitssystems. Allerdings sind diese kurzfristigen Entlastungen, die sich die Schweizer nun wünschen, nur vermeintlicher Natur. Denn auch in der Schweiz zahlen die Kantone heute bereits gut die Hälfte aller Krankenhausbehandlungen und auch ein Drittel der Kosten in der Grundversicherung wird über Steuern finanziert. Rechnet man dann noch die Subventionen hinzu, die etwa ein Viertel der Bevölkerung erhalten, ist der Systemwechsel in der Schweiz längst da. Denn Steuern werden auch bei unseren Nachbarn nach Einkommen bezahlt.

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