Schweizer Studie bestätigt: Antikörper lässt Nervenfasern neu wachsen

von | Mai 12, 2026

Ein mit dem Antikörper NG101 behandelter Patient bei der Ergotherapie. Quelle: Universitätsklinik Balgrist

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Hoffnung für Patienten mit Rückenmarksverletzungen: Eine Schweizer Studiengruppe konnte erstmals nachweisen, wie ein Antikörper Nervenfasern neu wachsen lässt.

 

Der Antikörper selbst wurde bereits vor 30 Jahren an der Universität Zürich (UZH) entdeckt. Nun macht ein Team der UZH gemeinsam mit Forschenden der Universitätsklinik Balgrist erstmals sichtbar, wie der Antikörper NG101 die Regeneration von verletztem Rückenmarksgewebe unterstützt. Und zwar bilden neue Nervenfaser wieder funktionale Verbindungen und verbessern damit die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten.

Schon Ende 2024 hat das internationale Team unter der Schweizer Leitung eine multinationale klinische Studie abgeschlossen, in deren Rahmen Patientinnen und Patienten mit akuten Rückenmarksverletzungen erfolgreich mit NG101 behandelt wurden. Damals zeigten die Ergebnisse, dass diese Behandlung die Rückbildung von Rückenmarksläsionen beschleunigt und bestehendes Nervengewebe erhält. In ihrer aktuellen Studie liefert die internationale Forschungsgruppe nun einen weiteren entscheidenden Beleg: „Mithilfe moderner bildgebender Verfahren konnten wir in der neuen Studie direkt im Rückenmark nachweisen, wie die Antikörpertherapie wirkt“, sagt Patrick Freund, UZH-Professor und Leiter des Zentrums für Paraplegie Universitätsklinik Balgrist.

Nervenverbindungen wiederherstellen

Konkret zeigen die Daten der Magnetresonanztomographie zwei wichtige Effekte: Erstens bildet sich die Verletzung im Rückenmark unter NG101 schneller zurück, was auf regeneratives Wachstum von Nervenfasern in der Umgebung der Verletzung hindeutet. Zweitens ist der Abbau von Nervengewebe deutlich verlangsamt und wird kompensiert durch nachwachsende Nervenfasern. Wie die Forschenden in Experimenten mit Tieren bereits nachweisen konnten, ist dieser Schritt entscheidend. Denn neue Nervenfasern müssen Wege finden, die Verletzungsstelle zu überbrücken oder zu umgehen, um die Nervenverbindungen zwischen Gehirn und Rückenmark wiederherzustellen.

Die neuen Ergebnisse deuten darauf hin, dass NG101 genau diesen Prozess unterstützt. „Verbliebene und nachwachsende Nervenfasern können so wieder neue Verbindungen zu den Rückenmarkszentren der Hand-, Arm- und Beinnerven finden. Und diese sind entscheidend dafür, dass Signale vom Gehirn wieder die Muskeln erreichen können“, sagt Studienleiter Freund. Für gewisse Patientinnen und Patienten bedeutet dies, dass sie ihre Arm- und Handfunktionen eher wiedererlangen.

Der Antikörper NG101 verbessert nicht nur die Funktion, sondern verändert nachweislich auch die Struktur des verletzten Rückenmarks und unterstützt damit die Regeneration des Nervengewebes – ein wichtiger Schritt hin zu neuen, wirksamen Behandlungen bei Rückenmarksverletzungen. „Wir können den Therapieeffekt nun objektiv und frühzeitig sichtbar machen. Dadurch lassen sich zukünftige Therapien gezielter einsetzen und ihre Wirkung zuverlässiger beurteilen“, fasst Patrick Freund zusammen.

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