Schlaflos in Deutschland

by | Jun 19, 2024

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Immer mehr Menschen liegen in der Nacht wach, zeigt eine aktuelle Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg. Fehltage im Job aufgrund körperlich oder psychisch bedingten Schlafstörungen nehmen rasant zu.

Schlafen wird für immer mehr Menschen in Deutschland zu einem Problem. Laut einer Auswertung der AOK Rheinland/Hamburg haben sich die Fälle körperlich bedingter Schlafstörungen seit 2004 verdreifacht. Bei den psychisch begründeten Schlafstörungen sind die Fallzahlen sogar sieben Mal so hoch wie vor 20 Jahren. In beiden Diagnosegruppen gab es im Jahr 2023 so viele Fälle wie nie zuvor. Der Fokus der Auswertung lag auf der Belastung von Arbeitnehmern.

Prozentual sind die psychisch bedingten Schlafstörungen deutlich gestiegen. Absolut betrachtet sind es allerdings die körperlich bedingten Schlafprobleme, die vorne liegen: 2023 wurden 1,93 Krankenscheine je 100 berufstätige Versicherte mit der Diagnose organische Schlafstörungen eingereicht. Aus nichtorganischen und damit psychisch bedingten Schlafstörungen resultierten 0,34 Krankenscheine je 100 berufstätige Versicherte. Insgesamt sind damit innerhalb eines Jahres 2,27 Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen aufgrund von Schlafstörungen je 100 Beschäftigte ausgestellt worden.

Bei Männern eher körperlich, bei Frauen psychisch

Körperlich bedingte Schlafstörungen gehen beispielsweise auf Schmerzen, Atemprobleme oder hormonelle Veränderungen zurück. Männliche Beschäftigte sind häufiger betroffen als weibliche. Im Jahr 2023 hat die AOK Rheinland/Hamburg etwa 26 Prozent mehr Fälle bei Männern gezählt. Anders sieht es bei den psychisch bedingten Schlafstörungen aus, für die meistens Stress oder seelische Leiden wie Depressionen oder Angststörungen verantwortlich sind. Betroffene berichten häufig von einem belastenden Gedankenkarussell, das sie vom Schlafen abhält oder dazu führt, dass sie häufig oder zu früh aufwachen. Hier lag die Fallhäufigkeit im Jahr 2023 bei den Frauen um rund 13 Prozent über dem Niveau der Männer.

„Eine gestörte Nachtruhe beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen, sie wirkt sich häufig auch nachteilig auf ihre Gesundheit aus. Menschen, die schlecht schlafen, sind tagsüber müde, unkonzentriert und häufig gereizt. Reaktionsvermögen und Problemlösungsfähigkeit können eingeschränkt sein“, sagt Sabine Deutscher, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. Langfristig steigt bei chronischem Schlafmangel das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Demenz, Übergewicht oder Depressionen. Deutscher rät Betroffenen daher, sich frühzeitig Unterstützung zu suchen.

Im Alter steigt die Wahrscheinlichkeit

Die AOK-Auswertungen zeigen außerdem, dass vor allem ältere Beschäftigte betroffen sind: Mit zunehmendem Alter steigt die Zahl der Fehltage in beiden Diagnosegruppen. Schlafstörungen mit körperlicher Ursache haben im Jahr 2023 bei den Über-60-Jährigen mehr als zehn Mal so viele Fehltage wie bei den Unter-20-Jährigen verursacht. Hier stehen 65,9 AU-Tage 5,5 AU-Tagen je 100 Beschäftigte gegenüber. Bei den psychisch bedingten Schlafstörungen ist die Differenz zwischen den Über-60-Jährigen (21,5 AU-Tage je 100 Beschäftigte) und den Unter-20-Jährigen (1,9 AU-Tage je 100 Beschäftigte) ähnlich groß.

Und noch etwas fällt auf: Bei den psychisch bedingten Schlafstörungen ist die Pflegebranche besonders stark betroffen. Ihre Beschäftigten führen das AU-Tage-Ranking mit über 21 Tagen je 100 Beschäftigte an. An zweiter Stelle liegen die Beschäftigten in der Metallerzeugung und Metallbearbeitung (20,58 AU-Tage je 100 Beschäftigte). Bei Schlafstörungen, die von körperlichen Problemen ausgelöst werden, sind erneut besonders die Beschäftigten in der Metallerzeugung betroffen: Hier kommen auf 100 Berufstätige 62,99 AU-Tage im Jahr.

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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