Schizophrenie an Netzhaut ablesbar?

by | Jun 5, 2024

Quelle: Max-Planck-Institut / Alexandra Hisch

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Die Netzhaut von Schizophrenie-Patienten unterscheidet sich von der von gesunden Probanden. Das zeigt eine neue Studie des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie.

 

Schau mir in die Augen und ich sag dir, wie schizophren du bist – was nach einem schlechten Witz klingt, konnten Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie nun in einer Studie zeigen. Die Netzhaut von Schizophrenie-Patienten unterscheidet sich tatsächlich von gesunden Probanden. Und das aus einem einfachen Grund: Aus evolutionärer Sicht ist sie eine Ausstülpung des Gehirns und hat deshalb dieselbe Genetik. Darum ist sie für die Forscher mit Blick auf die Schizophrenie auch so interessant, weil die Erkrankung von genetischen Veränderungen geprägt ist – und die Netzhaut damit eine leicht zugängliche Alternative ist, um das zentrale Nervensystem zu untersuchen.

Genau das haben Erstautor Emanuel Boudriot vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie und seine Kollegen nun getan: Sie haben die Netzhaut von etwa 230 Schizophrenie-Patienten und gesunden Probanden untersucht. Konkret wurden für die Studie die Schichten der Netzhaut mithilfe der licht-basierten Optical Coherence Tomography (OCT) erfasst, um anschließend die elektrischen Signale der einzelnen Nervenzellen messen zu können.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei Schizophrenie-Patienten einige Netzhautschichten deutlich dünner und die elektrophysiologischen Signale deutlich verändert waren“, erklärt Studienleiter Florian Raabe. Außerdem konnten die Wissenschaftler zum ersten Mal nachweisen, dass die Netzhautveränderungen bei schwer erkrankten Patienten sowie bei Patienten mit einer höheren Belastung an genetischen Risikofaktoren besonders ausgeprägt waren. Diese Korrelation ist ein Hinweis darauf, dass die Netzhautveränderungen durch die Erkrankung selbst hervorgerufen werden und nicht nur von anderen Faktoren wie Rauchen, Übergewicht oder einer Diabetes-Erkrankung – wie sie bei Schizophrenie-Patienten generell häufiger als in der restlichen Bevölkerung auftreten.

Die nun in Biological Psychiatry veröffentlichte Querschnittsstudie liefert Momentaufnahmen. Um zu bestätigen, dass Patienten mit ausgeprägten Netzhautveränderungen generell schwerere Krankheitsverläufe haben, sind Longitudinalstudien notwendig, betont man am Max-Planck-Institut. Werden in diesen Studien die jetzigen Erkenntnisse bestätigt, könnten Messungen der Netzhaut Psychiatern zukünftig helfen, schon zum Zeitpunkt der Diagnosestellung vorauszusagen, welche Patienten besonders gefährdet sind und eine engmaschige Behandlung benötigen.

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