Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse sind 40 Prozent der Deutschen davon überzeugt, dass die GKV über ein gutes finanzielles Polster verfügt.
Die Deutschen verkennen die Lage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK). Das Marktforschungsinstitut hat im September über 2.000 Menschen zur finanziellen Lage der GKV befragt. 40 Prozent gehen davon aus, dass die Versichertengemeinschaft über ein gutes finanzielles Polster verfügt. Lediglich neun Prozent der Befragten vertraten die Auffassung, um die Finanzlage in der GKV wäre es sehr schlecht bestellt. Damit ist sich nur ein Bruchteil der Menschen hierzulande der realen Situation bewusst: Das Defizit lag bei den 95 gesetzlichen Krankenkassen in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres bei über zwei Milliarden Euro. Das macht es schwer, notwendige Reformen zu vermitteln, glaubt man nun bei der SBK.
Kostenverursacher werden identifiziert
Realistischer waren die Deutschen bei der Einschätzung, welche Bereiche die meisten Kosten verursachen. 69 Prozent gehen davon aus, dass die stationäre Versorgung in Krankenhäusern hohe Ausgaben verursacht, 64 Prozent sehen die Versorgung mit Arzneimitteln als großen Kostenblock. Und tatsächlich: Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen zwischen 2019 und 2023 in der Gesamt-GKV von 80,34 auf 93,95 Milliarden Euro, ein Plus von rund 17 Prozent. Damit handelt es sich um den größten Ausgabenposten. Für Arzneimittel gibt die GKV im Jahr rund 53 Milliarden Euro aus. Das ist der zweitgrößte Ausgabenposten. Im ersten Halbjahr 2024 sind die Ausgaben in diesem Bereich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zehn Prozent gestiegen.
Zwei Welten
„In unserem Gesundheitswesen treffen begrenzte Ressourcen auf steigende Ausgaben“, erklärt Florian Getfert, Bereichsleiter Finanzen bei der SBK. „Aktuell führt das bei den Versicherten immer wieder zu Frust. Sie erleben in ihrem Versorgungsalltag lange Wartezeiten sowie volle Wartezimmer – und müssen dafür immer mehr zahlen. Das ist für sie verständlicherweise nicht nachvollziehbar.“
Vor allem der medizinische Fortschritt und eine steigende Anzahl älterer Menschen führen dazu, dass die Ausgaben steigen. Gleichzeitig seien vorhandene Gelder nicht gut verteilt, ist Getfert überzeugt: „Eigentlich ist genug Geld im System. Nur sind die Strukturen historisch so gewachsen, dass das Geld nicht immer an der richtigen Stelle ausgegeben wird. Wir brauchen daher dringend Reformen.“ Reformen müssen dann allerdings so ausgestaltet sein, dass die vorhandenen Ressourcen sinnvoll eingesetzt werden.
Auch deshalb ist der SBK-Finanzchef überzeugt, dass es vor allem diese zwei Dinge sind, die in der Bevölkerung Akzeptanz für Veränderungen schaffen: Transparenz über die aktuelle Situation im Gesundheitswesen und die geplanten Maßnahmen sowie Rechenschaft darüber, dass die Politik im Rahmen ihrer Entscheidungen nicht leichtfertig mit den Geldern der Solidargemeinschaft umgeht, sondern sie verantwortungsbewusst einsetzt.



