Sektorenübergreifende Versorgung: Regierungskommission bleibt wage

by | May 6, 2024

Quelle: Xander Heinl / BMG

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Die Bundesärztekammer übt deutliche Kritik an der 10. Stellungnahme der Regierungskommission. Konkrete Maßnahmen, wie die sektorenübergreifende Versorgung gestärkt und verbessert werden könne, suche man in dem Papier vergebens.

 

Das Ziel ist erst einmal lobenswert: In ihrer 10. Stellungnahme legt die Regierungskommission am Freitag Maßnahmen vor, um die Sektorengrenzen des deutschen Gesundheitswesens zu überwinden. Dazu sollen beispielsweise kleinere Krankenhäuser insbesondere in der Fläche verstärkt ambulante Leistungen anbieten, das sogenannte Level Ii. Abgerechnet werden soll nach Tagespauschalen, die Planung bei den Bundesländern liegen und die ambulanten Leistungen bei Unterversorgung unterstützen.

Interessant seien kleinere Häuser für die ambulante Versorgung, weil sie Platz für vielfältige Angebote böten. Aufgezählt werden Apotheken, Arztpraxen, MVZ, Sanitätshäuser, aber auch Gesundheitskioske, die eigentlich schon „totgesagt“ waren.

Mittelfristig steuern regionale Gremien die Versorgung 

Zudem soll die Weiterentwicklung der Hybrid-DRG sowie der Aufbau von Institutsambulanzen oder des Belegarztsystems kurzfristig die Grenzen zwischen den Sektoren aufweichen. Mittelfristig soll dann der Aufbau regionaler Gremien unter Landesvorsitz folgen, die dann die ambulante und stationäre Versorgung gemeinsam planen. Auch der Aufbau eines Primärarztsystem soll helfen, die Gesundheitsversorgung besser zu steuern und die „doppelte Facharztschiene“ abbauen helfen.

„Um das System fit zu machen für die Behandlung der Babyboomer-Generation, müssen wir ambulante und stationäre Versorgung besser aufeinander abstimmen“, betont Bundesgesundheitsminister Lauterbach. Und Prof. Tom Bschor, Leiter der Regierungskommission für eine moderne und bedarfsgerechte Krankenhausversorgung, ergänzt: „Kluge Konzepte zum Umgang mit dem sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel sind entscheidend für eine hochqualitative Gesundheitsversorgung der gesamten Bevölkerung in der Zukunft.“

Maßnahmen nur aufgewärmt

Kritik kommt indes von Bundesärztekammer-Präsident Dr. Klaus Reinhardt, der sich kurz vor dem 128. Deutschen Ärztetag schon einmal aufwärmt. Aus seiner Sicht ist das eigentliche Problem, dass Politikempfehlungen von Wissenschaftlern kommen, die nicht über das notwendige Versorgungswissen aus den Kliniken und Praxen verfügen. Dies werde in der aktuellen Stellungnahme zur sektorübergreifenden Versorgung eklatant deutlich: „Die Kommission wärmt mit ihren Äußerungen über die angebliche ‚doppelte Facharztschiene’ eine Debatte der Vergangenheit auf und stellt leichtfertig die ambulante fachärztliche Versorgung in Deutschland in Frage. Worin die behauptete Ineffizienz dieser Versorgung liegen soll, lässt die Empfehlung völlig im Dunkeln.“

Zudem verkenne die Kommission, dass es schon heute zahlreiche Formen der Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern gebe. Wirklich neue Vorschläge, wie diese Zusammenarbeit erleichtert und gestärkt werden kann, suche man in dem Papier vergeblich. Reinhardts deutliches Fazit: „Insgesamt ergeben die bisherigen Stellungnahmen der Regierungskommission leider kein stimmiges Gesamtbild.“

 

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