Rassismus im Gesundheitssystem entgegenwirken

by | Mar 15, 2024

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Deutsche Hochschulen untersuchen Rassismen im Gesundheitssystem und gehen in den Dialog mit Betroffenen. 

 

Ein Forschungsteam der Alice Salomon Hochschule Berlin, der Universität Witten/Herdecke und der Hochschule Fulda untersucht Rassismus in deutschen Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen. Ziel des Projekts ist es, aus den gewonnen Erkenntnissen Handlungsempfehlungen abzuleiten, mit denen dann wiederum Rassismus im Gesundheitswesen eingedämmt werden kann. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Betroffene sind eingeladen, Erfahrungen zu teilen

Um rassistische Strukturen im Gesundheitssystem zukünftig effektiv entgegen wirken zu können, beschäftigen sich die Forscherinnen Prof. Dr. Regina Brunnett, Ksenia Meshkova und ihr Team an der Hochschule Falte mit der Frage, inwiefern Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder Kultur im deutschen Gesundheitssystem benachteiligt werden. „Wir möchten mehr darüber erfahren, wie Patienten und ihre Angehörigen Diskriminierung in Krankenhäusern oder Reha-Einrichtungen erleben, wie sie mit der Ungleichbehandlung umgehen und welche Auswirkungen diese Erfahrungen auf ihr Leben, ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden haben“, unterstreichen die Forschungsleiterinnen ihr Anliegen.

Betroffene können einen Online-Fragebogen ausfüllen, der auf Deutsch, Türkisch, Russisch und Arabisch zur Verfügung steht. Die Antworten werden im Anschluss anonymisiert ausgewertet. Alternativ erhalten Patienten und ihre Angehörigen die Möglichkeit, persönlich mit den Forschern in Fulda zu sprechen. „Wir laden insbesondere Menschen mit Fluchtgeschichte, mit chronischen Krankheiten oder Beeinträchtigungen sowie ältere Menschen, die verstärkt auf Gesundheitsversorgung angewiesen sind, herzlich ein, bei der Studie mitzumachen“, betont Meshkova.

Rassismen in der Gesundheitsversorgung haben Folgen

Welche Folgen Rassismen in der Gesundheitsversorgung haben können, zeigt sich am Beispiel der USA: Aus dem Public Health Report 2020 des Sage Journals geht hervor, dass nicht-weiße Amerikaner aufgrund ungleicher Behandlungschancen doppelt so oft an einer Infektion mit Covid-19 starben wie weiße Amerikaner. Mangelnder Zugang sowie eine niedrigere Versorgungsqualität verschärfen laut US-Gesundheitsministerium Problematiken wie diese. Auch in Deutschland weisen Studien auf rassistische Strukturen im Gesundheitssystem hin. Laut Untersuchungen des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) aus dem Jahr 2018 gaben rund 29 Prozent der befragten Migranten an, bereits Diskriminierung im deutschen Gesundheitssystem erfahren zu haben.

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