Psychische Gesundheit: Junge Generation hat Probleme

von | Dez. 9, 2024

Anhoren

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Eine aktuelle Studie des DIW zeigt, dass die psychische Gesundheit der jüngeren Generationen noch nie so schlecht war. Schuld könnten die Multikrisen unserer Zeit sein.

 

Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen kontinuierlich zu. Deshalb hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in einer aktuellen Studie nun untersucht, wie es um die psychische Gesundheit der Deutschen seit der Corona-Pandemie steht. Und die zeigt: Die Multikrisen unserer Zeit gehen vor allem an den jüngeren Generationen nicht spurlos vorbei. Während die psychische Gesundheit der erwachsenen Bevölkerung unter 50 Jahren in den vergangenen Jahren besonders gelitten hat, hat sich die psychische Gesundheit der mindestens 50-Jährigen nach der Pandemie vergleichsweise schnell erholt.

Die Analyse deutet demnach darauf hin, dass sich die psychische Gesundheit jüngerer Menschen im Erwerbsalter in der Tat dramatisch verschlechtert – anders beispielsweise als in der globalen Finanzkrise. Gerade der jüngeren Arbeitnehmerschaft kommt aber angesichts der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels eine große Bedeutung zu, so dass insbesondere Unternehmen Prävention und Therapie von psychischen Erkrankungen mehr Priorität einräumen sollten.

SOEP-Fragebogen als Basis

Für die Studie haben die DIW-Forscher psychische Gesundheit unabhängig von erfassten Diagnosen und den damit verknüpften Problemen gemessen – und zwar auf Basis des SOEP Short Form-12(SOEP-SF12)-Fragebogen, der seit 2002 jedes zweite Jahr im sozio-ökonomischen Panel (SOEP) enthalten ist.

Dieser Fragebogen beinhaltet zwölf gesundheitsbezogene Fragen zur psychischen und physischen Gesundheit. Mit Hilfe statistischer Methoden wird auf Basis der Antworten bezüglich der psychischen Gesundheit ein Index berechnet. Der Vorteil des SOEP-SF12-Fragebogens ist, dass keine der Fragen auf Diagnosen abstellt. Somit werden Probleme, wie die fehlerhafte Erfassung von Diagnosen oder Falschantworten aus Furcht vor Stigmatisierung reduziert.

Psychische Gesundheit schon vor Corona schlechter

Von 2002 bis 2016 ist die Entwicklung der psychischen Gesundheit für beide Altersgruppen insgesamt positiv. Mit Ausnahme des Jahres 2010, dem Befragungsjahr nach der weltweiten Finanzkrise, steigt die psychische Gesundheit für beide Altersgruppen bis 2016 um rund 0,15 Standardabweichungen. Das Jahr 2016 stellt für beide Altersgruppen den Höhepunkt im Beobachtungszeitraum dar. In den Folgejahren – noch vor Beginn der Corona-Pandemie – verschlechterte sich die psychische Gesundheit beider Gruppen. Während sie in beiden Altersgruppen bis 2016 beinahe parallel verlief – mit einem deutlich höheren Niveau in der jüngeren Gruppe –, divergieren die Trends seit 2016 zum Teil erheblich. Während sich die mindestens 50-Jährigen nach der Pandemie wieder zu erholen scheinen, fällt die psychische Gesundheit der unter 50-Jährigen seit 2016 kontinuierlich und ist im Jahr 2022 niedriger als im Ausgangsjahr 2002.

Das Ausmaß dieser Entwicklung zeige sich noch stärker, wenn man die durchschnittlichen Differenzen zwischen den beiden Gruppen über die Jahre analysiert. Bis 2014 liegt die psychische Gesundheit der jüngeren Altersgruppe rund 0,18 Standardabweichungen über derjenigen der älteren Altersgruppe. Ab 2016 sinkt diese Differenz, was hauptsächlich der Verschlechterung der psychischen Gesundheit der jüngeren Menschen geschuldet ist. Dieser Trend setzt sich bis 2022 fort. Als Konsequenz haben jüngere Menschen im Jahr 2022 erstmalig eine niedrigere psychische Gesundheit als ältere Menschen.

Je jünger, desto schlechter

Die Schlussfolgerung des DIW fällt entsprechend drastisch aus: Zwei Jahrzehnte des gesundheitlichen Fortschritts seien verloren.

Neben den negativen Folgen für die betroffenen Menschen, hat dies auch Konsequenzen für die Wirtschaft in Deutschland. Die Ursachen für diese Entwicklung können vielfältig sein. Die Krisen, wie zum Beispiel die Corona-Pandemie oder der Krieg in der Ukraine und die damit einhergehenden wirtschaftlichen Konsequenzen und Unsicherheiten können dazu führen, dass Menschen im Erwerbsalter vermehrt vielfältigen Sorgen ausgesetzt sind.

Hier müssen unbedingt Angebote geschaffen werden, denn auf der Arbeitskraft jüngeren Generation basiert der künftige Wohlstand. Daher sei es wichtig, das Thema psychische Gesundheit ernst zu nehmen, attestiert das DIW. Der Prävention und Therapie psychischer Erkrankungen sollte gesamtgesellschaftlich und im Arbeitskontext höhere Priorität eingeräumt werden. Eine wichtige Rolle kommt dabei beispielsweise Workshops oder Coachings im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements zu. Weiterhin sollte es für Personen in Krisensituationen niedrigschwellige Angebote geben, die ihnen Unterstützung bieten – ohne den teilweise langwierigen Prozess hin zu einem Therapieplatz zu absolvieren. Zentral wird es vor allem sein, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren und den Betroffenen nicht zu unterstellen, sie würden nicht arbeiten wollen. Nur dann kann sichergestellt werden, dass in der Breite psychische Erkrankungen rechtzeitig erkannt und therapiert werden.

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