Mit einem attraktiven Angebot will Private Equity Investor CVC Capital Partners CGM-Aktionäre vom Verkauf ihrer Anteile überzeugen und den Software-Hersteller anschließend von der Börse nehmen. Das Ziel: ein neuer Wachstumskurs.
Die CompuGroup Medical bekommt einen neuen Investor. Die Luxemburger CVC Capital Partners, einer der zehn größten Private Equity Investoren weltweit, will mit einem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot und anschließendem Delisting bestehende Aktionäre überzeugen, sich von ihren Anteilen zu trennen. Dabei locken sie mit einem Preis von 22 Euro je Aktie, was nach einer zuletzt kontinuierlichen Talfahrt des Papiers einer Prämie von 51,1 Prozent auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate entspricht – also kein ganz schlechter Deal.
CGM selbst spricht von einer „strategischen Partnerschaftsvereinbarung” mit CVC Capital Partners. An den bisherigen Strukturen soll sich auch mit Einstieg des Investors nichts ändern. Gründerfamilie Gotthardt und der mit ihr verbundene Anteilseigner Dr. Reinhard Koop halten an ihren gemeinsam 50,1 Prozent am Unternehmen fest. Frank Gotthardt soll weiterhin Vorsitzender des Verwaltungsrats bleiben, sein Sohn Daniel weiterhin CEO.
CVC soll vielmehr die langfristige Innovations- und Wachstumsstrategie unterstützen. Das erklärte gemeinsame Ziel sei, medizinischen Fachkräften mit modernsten Produkten und einem starken Kundensupport zuverlässige Unterstützung zu bieten, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Dazu sagt CEO Daniel Gotthardt: „Mit CVCs umfangreicher Expertise in Investitionen im Gesundheits- und Softwarebereich sind wir bestens gerüstet, unsere Strategie wie geplant umzusetzen. Unsere beabsichtigte Partnerschaft wird die nächste Phase der Innovation und Expansion vorantreiben – zum Wohle unserer Kunden und der Patienten.”
Nächste Kapitel der Gesundheitsversorgung
Bei CVC schwärmt man, dass CGM in den vergangen 30 Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte geschrieben habe. Von diesen Gründergeschichten gibt es in Deutschland nur eine Handvoll, sagt Dr. Daniel Pindur, Managing Partner bei CVC: „Wir freuen uns darauf, eng mit der Familie Gotthardt und dem Team zusammenzuarbeiten und dabei unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit gründergeführten Familienunternehmen einzubringen. Zusammen wollen wir das nächste Kapitel der Gesundheitsversorgung schreiben.”
Auch die geschäftsführenden Direktoren begrüßen die Partnerschaft, betont CGM-CFO Daniela Hommel. Und Frank Gotthardt selbst ist überzeugt, mit CVC den idealen Partner gefunden zu haben, „um das nächste erfolgreiche Kapitel unserer Unternehmensgeschichte zu schreiben.”
Auf wackeligen Beinen
Ein Blick auf den Eröffnungskurs heute morgen zeigt: Die Aktionäre freuen sich. Für die CGM-Papiere ging es direkt um knapp 40 Prozent aufwärts auf 21,62 Euro. Diese Tatsache sowie die fast schon überschwänglich positive Pressemitteilung können aber nicht darüber hinwegtäuschen, das die Koblenzer in den vergangenen drei Jahren deutlich zu kämpfen hatten. Seit dem Hoch der Aktie im September 2021 mit über 82 Euro ging es kontinuierlich bergab. Hinter vorgehaltener Hand wurde immer wieder über Probleme mit den monolithischen Systemen berichtet, die Schwierigkeiten haben, sich an moderne, agile Softwarestrukturen anzupassen. Ob ein Private Equity Investor wie CVC hier das Ruder rumreißen kann, wird sich zeigen. In Italien bei Dedalus ist genau dieses Konzept schon einmal aufgegangen. Allerdings musste dort der Gründer und Eigentümer externen Managern weichen, bevor sich der Erfolg einstellte.
Für das CVC-Angebot gibt es nun eine Mindestannahmeschwelle von 17 Prozent. Und auch die üblichen regulatorischen und kartellrechtlichen Freigaben stünden noch aus. Nach Vollzug des Übernahmeangebots plant das neue gemeinsame Management, das Unternehmen über ein Delisting-Angebot von der Börse zu nehmen. Das wiederum soll zu gegebener Zeit nach Abschluss des Übernahmeangebots vorgelegt werden.
Die Annahmefrist wird voraussichtlich Ende Dezember 2024 beginnen. Der Abschluss der Transaktion wird in der ersten Jahreshälfte 2025 erwartet.



