Prävention nach britischem Vorbild

von | Dez. 13, 2024

Anhoren

Teilen

 

Großbritannien will ab Oktober 2025 Fernseh- und Internetwerbung für bestimmte Lebensmittel verbieten und so die Kinder im Land vor Fettleibigkeit schützen. Eine gute Idee, findet die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin.

 

Auch Deutschland braucht mehr Anstrengungen für Verhältnisprävention, sagt die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) und begrüßt damit das Werbeverbot für bestimmte Lebensmittel in Großbritannien. Dort sollen ab Oktober 2025 keine Spots ausgespielt werden, die Lebensmittel mit einem hohen Fett-, Salz- oder Zuckergehalt propagieren. Im Fernsehen gilt diese Regelung tagsüber, im Netz sogar rund um die Uhr. Das erklärte Ziel: Gerade Kinder und Jugendliche vor ungesunder Nahrung schützen und 20.000 Adipositas-Fälle jährlich verhindern.

„Während in Deutschland seit Jahren ergebnislos über die Einführung einer Zuckersteuer oder Werbeverbote für Süßigkeiten oder andere ungesunde Lebensmittel diskutiert wird, machen die Briten Nägel mit Köpfen“, kommentiert Prof. Dr. Martin Scherer, Präsident der DEGAM. „Als wissenschaftliche Fachgesellschaft weist die DEGAM seit Jahren darauf hin, dass es für breit ansetzende Elemente der Verhältnisprävention wie Werbeverbote oder erhöhte Steuern eine gute Evidenz gibt, um einen gesunden Lebensstil zu erleichtern. Es ist höchste Zeit, dass Deutschland in der Verhältnisprävention endlich aufholt.“

Wissenschaftlich belegt

Bei der DEGAM betont man die international guten wissenschaftlichen Belege, die aufzeigen, dass derartige verhältnispräventive Maßnahmen Kinder und Jugendliche auch über soziale Schranken hinweg schützen können. „Die Evidenz ist in jedem Fall stark genug, um politische Reaktionen zu rechtfertigen“, glaubt auch Prof. Scherer. „Es ist doch absurd, wirtschaftliche Interessen höher einzustufen als den Schutz vor gesundheitlichen Risiken bei Generationen von Kindern. Wir sollten Kindern und Jugendlichen Chancen eröffnen und nicht durch frühe Fehlernährung verschließen.“

Die DEGAM hält fest: Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Gleichzeitig ist bekannt, dass wichtige Weichen zum gesunden Verhalten in den frühen Jahren gestellt werden. „Werbung, die die Kinder zu übermäßigem Konsum ungesunder Nahrungsmittel verleitet, schadet ihnen langfristig,“ ergänzt Dr. Wolfgang Schneider-Rathert, Sprecher der DEGAM-Sektion Prävention und niedergelassener Hausarzt in Niedersachsen. „Zielgenaue Werbung, die Kinder früh im Leben mehrfach jeden Tag in ihren Zeitschriften, auf ihren Handys und Bildschirmen erreicht, prägt so stark, dass das daraus resultierende Übergewicht später nur noch teilweise erfolgreich behandelt werden kann.“ Deshalb plädieren die DEGAM-Experte aus wissenschaftlicher Sicht dafür, mit dem Werbeverbot für Junk-Food die Verhältnisse zu ändern, da das Verhalten bereits übergewichtiger Kinder und Jugendlicher später kaum noch zu ändern ist.

Das könnte Sie auch interessieren