Pilotprojekt ErwiN gestartet

by | Apr 12, 2024

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Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern schließen sich zusammen, um neue Wege für die medizinische und pflegerische Versorgung älterer und chronisch kranker Menschen zu finden.

 

Das vom Bund geförderte Innovationsfondsprojekt trägt den bodenständigen Namen ErwiN – Erweiterte Übertragung von arztentlastenden Tätigkeiten in Arztnetzen. Konkret verbirgt sich hier ein Zusammenschluss der drei Bundesländer Brandeburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Bei dem für 3,5 Jahre mit rund 6,7 Millionen Euro geförderte Projekt sollen erfahrene Pflegekräfte nach erfolgreicher Ausbildung bestimmte Aufgaben von Hausärzten übernehmen. Es soll in ausgewählten, ländlichen Regionen erprobt werden.

Idealerweise wirkt sich das Projekt auf zweifache Weise aus: Ärzte werden durch den Einsatz des speziell qualifizierten Pflegepersonals entlastet und mit der Übernahme ärztlicher Aufgaben die Rolle der Pflege gestärkt. Die Notwendigkeit für die Erprobung solcher Modelle sieht die brandenburgische Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher in der immer älter werdenden Bevölkerung, die die Gesundheitsversorgung in den nächsten Jahren vor enorme Herausforderungen stellt: „Es gilt neue, innovative Lösungen und Herangehensweisen zu entwickeln. Genau dies tut das Projekt ErwiN. Im Angesicht des demografischen Wandels verzahnt es auf fachlicher Ebene die Bereiche Medizin und Pflege und trägt so vor allem in ländlichen Regionen zur Sicherung der flächendeckenden Versorgung bei.“

Vollzeitausbildung durch Uniklinik Greifswald

In der Startphase des Projekts werden zunächst neun examinierte Pflegefachkräfte mit langjähriger Berufserfahrung sechs Monate lang durch die Universitätsmedizin Greifswald in Vollzeit ausgebildet. Der Schwerpunkt liegt dabei unter anderem auf den Themen Geriatrie, Schmerzbehandlung, Bluthochdruck sowie Ernährung und Ausscheidung. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit einer dreitägigen staatlich anerkannten Prüfung.

Diese speziell ausgebildeten Fachkräfte übernehmen dann in den Modellregionen in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern Hausbesuche und Behandlung von 100 Patienten mit bereits diagnostizierten Erkrankungen in enger Abstimmung mit den versorgenden Ärzten. Diese können über Videosprechstunden bei Bedarf hinzugezogen werden. Die Versorgung der ersten 100 Patientinnen und Patienten startet am 1. Juli 2024. Geplant sind vier Phasen mit insgesamt mehr als 1.200 Patientinnen und Patienten. Gesetzliche Grundlage ist § 63 Absatz 3c SGB V, der eine Übertragung bestimmter ärztlicher Tätigkeiten innerhalb von Modellprojekten erlaubt.

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