IW-Studie: Der Pharmastandort Deutschland tut sich schwer

von | März 13, 2025

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Der internationale Innovationswettbewerb ist am Pharmastandort Deutschland vorbeigezogen, zeigt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft.

 

1.400 zu 849 Patentanmeldungen – Deutschland ist als Pharmastandort im internationalen Wettbewerb zwischen 2000 und 2021 stark zurückgefallen. Lag der deutsche Patenanteil weltweit 2000 bei 17 Prozent, ist er 2021 auf nur noch neun Prozent gesunken. Das zeigt nun eine aktuelle Auswertung der Patentdatenbank des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW). Insgesamt würden derzeit viele europäische Länder eine Innovationsschwäche zeigen, während asiatische Länder wie China oder Südkorea auf die internationalen Spitzenplätze hinter den nach wie vor global dominierenden USA aufschließen würden, sagen die IW-Analysten.

Um dies einmal mit Zahlen zu verdeutlichen: 2021 wurden in Deutschland 161 biopharmazeutische Patente angemeldet. In den USA waren es im selben Jahr 1.418 Anmeldungen. China zog in diesem Segment bereits 2017 an Deutschland vorbei, Südkorea 2019.

Deutschland entwickelt „sonstige Technologien“

Was den IW-Wissenschaftler bei ihrer Auswertung außerdem aufgefallen ist: Die Patentstruktur am Pharmastandort Deutschland unterscheidet sich deutlich von der internationalen Konkurrenz. Die Patenttätigkeit der Pharmaindustrie in Deutschland ist insbesondere auf sonstige Technologien ausgerichtet. Im Jahr 2021 war nahezu jedes zweite angemeldete Patent diesem Feld zuzuordnen. Dagegen war zuletzt nicht einmal jedes fünfte der weltweit von Pharmaunternehmen angemeldeten Patente sonstigen Technologien zuzurechnen.

Auch der europäische Vergleich zeige, dass die Branche in Deutschland hier einen Sonderstatus besitzt, heißt es vom IW. Vor dem Hintergrund des zunehmenden globalen Wettbewerbs der Pharmastandorte sei es daher bedenklich, dass zum einen nicht einmal 40 Prozent der von Pharmaunternehmen in Deutschland angemeldeten Patente chemisch-synthetische oder biotechnologische Pharmaprodukte betreffen. Zum anderen betreffen lediglich ein Drittel ihrer Patente biotechnologische Neuerungen – trotz der weltweit seit langem zunehmenden Bedeutung biotechnologischer Entwicklungen, auch auf dem deutschen Arzneimittelmarkt.

Forschungsförderung nicht zielführend?

Verwunderlich ist der im internationalen Vergleich abweichende Patentfokus auch deshalb, weil es hierzulande bereits seit 2010 die „Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030“ zur Förderung von Forschungs- und Innovationsprojekten in diesem Segment gibt. Allerdings wurden dort Produktionsverfahren anstatt der biotechnologischen Therapieentwicklung in den Mittelpunkt gestellt.

Während andere Länder früh das ökonomische und versorgungsrelevante Potenzial einer starken Pharmabranche vor Ort erkannt und Strategien spezifisch auf ihre Förderung ausgerichtet haben, bleibt die deutsche Förderlandschaft trotz diverser Strategieprojekte stark fragmentiert, attestiert der IW-Report. Eine klare Gesamtstrategie für die Stärkung des Pharmastandorts fehlte bis vor Kurzem. Das hat die Bundesregierung 2023 mit ihrer „Nationalen Pharmastrategie“ zwar nachgeholt, wie schnell die Förderung zur Standortstärkung aber tatsächlich greift und wie viel Boden Deutschland damit im internationalen Vergleich noch gutmachen kann, bleibt fraglich.

Entsprechend verdeutliche die vorliegende Analyse die Dringlichkeit einer effektiven, zielgerichteten politischen Strategie zur Stärkung des deutschen (bio)pharmazeutischen Innovationsstandorts, heißt es in der Analyse.

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