Pharmastandort Deutschland: stark, aber auch wettbewerbsfähig?

by | Mar 27, 2024

Anhoren

Teilen

 

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Pharma ist eine Schlüsselindustrie für die deutsche Wirtschaft. Die internationale Konkurrenz schläft allerdings nicht.

 

Die deutsche Pharmaindustrie: Sie ist ziemlich erfolgreich und dennoch hat sie es international schwer. Das legt zumindest eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag von Pfizer nahe. Demnach gehört die Pharmaindustrie in Deutschland zwar zu den produktivsten und investitionsstärksten Branchen des verarbeitenden Gewerbes und leistet als Schlüsselindustrie einen bedeutenden Beitrag zur deutschen Wirtschaft. Wenn jetzt jedoch nicht die richtigen Impulse seitens der Politik und Wirtschaft gesetzt werden, könnte sie dennoch im internationalen Vergleich abfallen.

Denn der globale Wettbewerb nimmt zu. Im internationalen Vergleich zeigt die deutsche Pharmaforschung lediglich eine mittelmäßige Entwicklung, während Länder wie China oder Belgien ihre Forschungsausgaben seit Jahren überdurchschnittlich steigern. Im Ranking der Standorte für klinische Studien belegte Deutschland 2021 nur noch den sechsten Platz. Immer komplexer werdende Regularien und steigende Bürokratieanforderungen erschweren Forschungsprojekte, klinische Studien und Markteinführungen.

Beeindruckende Zahlen

Dennoch unterstreichen die Zahlen, wie wichtig Pharma für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist: 2022 beschäftigte die Pharmaindustrie mehr als 142.000 Menschen in 366 Betrieben und jeder Arbeitsplatz stößt 1,4 zusätzliche Beschäftigte in weitern Branchen an. Mit 30 Milliarden Euro trug die Branche 2022 zudem wesentlich zur Bruttowertschöpfung bei. Damit liegen wir an Platz zwei in Europa – hinter der Schweiz. Der Anteil der indirekten Wertschöpfung in anderen deutschen Branchen lag ebenfalls noch einmal bei 12,4 Milliarden Euro in 2022.

Innovationskraft weiter ausbauen

Deutschland müsse es nun gelingen, die Produktion innovativer Arzneimittel auszubauen. Nach den USA verfügen wir hierzulande über die meisten Produktionsstätten für biopharmazeutische Wirkstoffe. Das Exportvolumen der deutschen Pharmaindustrie von 122 Milliarden Euro zeige, dass hier entwickelte und produzierte Produkte weltweit gefragt sind – nicht zuletzt, weil die Branche zwölf Prozent den Branchenumsatzes wieder in die Forschung und Entwicklung steckt.

„Deutschland ist für pharmazeutische Unternehmen ein attraktiver Forschungs- und Produktionsstandort“, attestiert auch Dr. Jasmina Kirchhoff, Projektleiterin am IW. „Ein bislang verlässlicher Schutz geistigen Eigentums, hervorragend ausgebildete Fachkräfte und ein dichtes Netz an renommierten Forschungsinstituten sowie die Nähe zu wichtigen Zulieferindustrien sind nur einige entscheidende Parameter.”

Pharmastandort stärken

Um den Pharmastandort Deutschland langfristig zu stärken und Wettbewerbsvorteile, die bei den innovativen Arzneimitteln gegenüber anderen Ländern bestehen, weiter auszubauen, hat die Studie unterschiedliche Potenziale entlang der Wertschöpfungskette identifiziert. Demnach müssen vor allem die Rahmenbedingungen innovations- und investitionsfreundlicher, bürokratische Hürden abgeschafft und einheitliche Standards dafür geschaffen werden, heißt es. Auch der Zugang zu Gesundheitsdaten sei entscheidend.

Zusätzlich wird empfohlen, den Übertrag von Ergebnissen der heimischen Grundlagenforschung in die angewandte Forschung zu stärken und das Tempo der Digitalisierung zu beschleunigen. Darüber hinaus gilt es, durch einen offenen Austausch aller Akteure des Gesundheitssystems sowie eine ressortübergreifende Zusammenarbeit aller relevanten Ministerien bestehende Silos aufzubrechen.

„Die Pharmastrategie der Bundesregierung beinhaltet viele richtige Maßnahmen. Das stimmt mich positiv. Wichtig ist aber auch, dass die Basis stimmt. Wir brauchen ein Umfeld, das Innovationen wertschätzt und verlässliche Rahmenbedingungen für den Markteintritt neuer Therapien bietet“, sagt Dr. Sabine Gilliam, Country President von Pfizer in Deutschland. „Eine Reform des AMNOG, insbesondere eine Rücknahme der Regelungen des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes, ist essenziell, damit die Menschen in Deutschland weiter im gleichen Maße von innovativen Medikamenten profitieren und diese auch weiterhin in Deutschland produziert werden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Abwassermonitoring für die Gesundheit

Eines neues Monitoring-Verbundprojekt der Universität Hamburg konzentriert sich auf das aquatische Mikrobiom und will daraus Rückschlüsse auf die Gesundheit der Bevölkerung ziehen.

Eines neues Monitoring-Verbundprojekt der Universität Hamburg konzentriert sich auf das aquatische Mikrobiom und will daraus Rückschlüsse auf die Gesundheit der Bevölkerung ziehen.

„Mit C5 schafft der Gesetzgeber Klarheit“

Das Anfang des Jahres verabschiedete Digitalgesetz, kurz DigiG, gibt klar vor: Ohne C5-Testat dürfen keine Patientendaten mehr in die Cloud. Am 1. Juli ist es nun so weit, die Regelung greift. Droht deshalb vielen Diensten nun der Shutdown? Florian Wanner, Geschäftsführer der Kite Consult GmbH, gibt kurzfristig Entwarnung, glaubt aber, dass die neue Regelung den Qualitätsstandard langfristig deutlich anheben wird. Und das sei dringend nötig.

Das Anfang des Jahres verabschiedete Digitalgesetz, kurz DigiG, gibt klar vor: Ohne C5-Testat dürfen keine Patientendaten mehr in die Cloud. Am 1. Juli ist es nun so weit, die Regelung greift. Droht deshalb vielen Diensten nun der Shutdown? Florian Wanner, Geschäftsführer der Kite Consult GmbH, gibt kurzfristig Entwarnung, glaubt aber, dass die neue Regelung den Qualitätsstandard langfristig deutlich anheben wird. Und das sei dringend nötig.