Pharmakonzerne erhöht den Druck auf Berlin

von | Juni 5, 2026

Vor zwei Jahren zum symbolischen Spatenstich, damals noch mit Olaf Scholz und Karl Lauterbach, war die Welt noch in Ordnung. Quelle: Landesregierung Rheinland-Pfalz

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Mit Eli Lilly und Boehringer Ingelheim ziehen zwei große Pharmakonzerne geplante Investitionen in den deutschen Markt zurück. Offiziell wegen der Sparpolitik der Regierung. Inoffiziell auch, nur anders gelagert.

 

Zumindest medial haben die Ankündigungen des US-Pharmariesens Eli Lilly sowie des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim ihre Wirkung schon erzielt. Von „Berlin unter Druck“ bis „Kanzler Merz muss jetzt zum Hörer greifen“ ist dieser Tage viel zu lesen. Doch worum geht es? Zum einen will Eli Lilly die geplanten Investitionen am neuen Produktionsstandort im rheinland-pfälzischen Alzey halbieren. Gerechnet hatte man dort mit 2,5 Milliarden Euro und etwa 1.000 neuen Stellen. Der Rohbau steht auch bereits und am Innenausbau wird gearbeitet. Allerdings habe man diese Investitionen vor dem Hintergrund der geplanten Einschnitte im deutschen Gesundheitswesen nun noch einmal überdacht, heißt es vom Konzern Ein deutlicher Seitenhieb und definitiv eine Botschaft in Richtung des politischen Berlins.

Unterstützung kommt zudem vom deutschen Mitbewerber Boehringer Ingelheim, der nun ebenfalls einen dreistelligen Millionenbetrag nicht mehr in deutsche Standorte fließen lassen will. Dort ist man mit der Begründung nicht ganz so deutlich, verweist jedoch ebenfalls auf die Sparmaßnahmen als einen der Gründe.

Die deutsche Pharma-Lobby nutzt die Gelegenheit, um den eigenen Forderungen in puncto Gesundheitsreform noch einmal Nachdruck zu verleihen. „Der Rückzug von Lilly und Boehringer Ingelheim ist ein starkes Warnsignal und ein Richtungsweiser für die Wirtschaftspolitik dieser Bundesregierung“, ist beispielsweise Jörg Wieczorek, Vorstandsvorsitzender von Verband Pharma Deutschland überzeugt. Unternehmen, die ohne Subventionen Milliarden in Deutschland investieren wollten, ziehen diese Entscheidung zurück. Damit sei seine Befürchtung wahr geworden: Ein Pharmadialog, für den sich offensichtlich außer des Gesundheitsressorts niemand in der Bundesregierung interessiere und ein GKV-Spargesetz, welches das Standortvertrauen zerstöre, könnten nicht folgenlos bleiben. „Wenn die Bundesregierung jetzt feststellen sollte, dass sie von den Entscheidungen überrascht worden ist, sollte der letzten Branche klar werden, dass dieser Bundesregierung das Bewusstsein für den wirtschaftlichen Aufschwung fehlt.”

Interessen auf den zweiten Blick klar

Aber ist die Gemengelage wirklich so eindeutig und offensichtlich, wie Wieczorek es hier darstellt? Ein journalistischer Leitspruch, der sich aus der Watergate-Affäre herauskristallisiert hat – er soll von der geheimen Quelle Deep Throat stammen und den Journalisten damals den Weg gezeigt haben – lautet: „follow the money“ und er ist auch im Fall Eli Lilly und Boehringer Ingelheim hilfreich.

Denn ein Blick auf den Jahresumsatz von Eli Lilly offenbart, dass die deutsche Tochter Lilly Deutschland GmbH 2025 rund 1,32 Milliarden Euro erwirtschaftet hat (umgerechnet etwa 1,54 Milliarden US-Dollar). Demgegenüber steht ein weltweiter Konzernumsatz von 65,2 Milliarden US-Dollar. Das Deutschlandgeschäft hatte also einen Anteil von etwa 2,4 Prozent am gesamten Umsatz im vergangenen Jahr.

Ähnliches zeigt ein Blick auf die Zahlen von Boehringer Ingelheim. Obwohl der Hauptsitz des Unternehmens in Deutschland ist, erwirtschaftete der Konzern 2025 42,5 Prozent des Gesamtumsatzes in Höhe von 27,8 Milliarden Euro in den USA. Die gesamte Region Europa – inklusive Deutschland – hat hingegen nur einen Anteil von 38,4 Prozent am Gesamtumsatz.

Deutsche Gesundheitspolitik dennoch entscheidend

Die eigentliche Frage muss daher lauten: Wenn Deutschland also für das Geschäft beider Pharmaunternehmen keine übergeordnete Rolle spielt, warum hat die deutsche Gesundheitspolitik dann so große Auswirkungen auf strategische Entscheidungen? Die Antwort lieferte Donald Trump vor rund einem Jahr im Mai 2025 mit seiner Executive Order „Delivering Most-Favored-Nation Prescription Drug Pricing to American Patients“. Vereinfacht ausgedrückt besagt die, dass Pharmakonzerne ihre Medikamente in den USA zu denselben günstigen Preisen anbieten müssen wie im günstigsten Auslandsmarkt.

Und schon wird ein Schuh aus dem massiven Widerstand gegen die aktuellen Sparpläne der Regierung. Denn wenn Kassen wie aktuell geplant deutlich günstigere Preise selbst bei noch patentgebundenen Arzneimitteln aushandeln könnten, müssten die Konzerne diese Rabatte auch auf dem US-Markt weitergeben. Und mit ein Blick auf den oben aufgeführten Anteil des US-Marktes am Gesamtumsatz wird schnell klar: Das tut wirklich weh. Und so lässt sich auch der Kommentar von Lilly-CEO Dave Ricks gegenüber dem Handelsblatt noch einmal besser einordnen, wo er warnt: „Deutschland wird bei der Unterstützung unserer Industrie auf den letzten Platz der europäischen Märkte fallen. Klar, denn bei Geld hören bekanntlich auch die besten Freundschaften auf.

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