Pflegeroboter bald im Einsatz?

von | Apr. 9, 2025

Roboter Charlie im Einsatz im Lübecker Pflegezentrum Travetal. Quelle: Diakonie Nord Nord Ost

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Drei Jahre lang wurden im Projekt ROBUST der Einsatz von humanoiden Robotern in Pflegeeinrichtungen untersucht. Die Auswirkungen auf die Bewohner waren positiv.

 

Der Einsatz von humanoiden Robotern in Pflegeheimen kann die mentale und physische Gesundheit der Bewohner verbessern – das ist die zentrale Erkenntnis des mehrjährigen Pilotprojekts „ROBUST – Robotik-basierte Unterstützung von Prävention und Gesundheitsförderung in stationären Pflegeeinrichtungen“. Hinter dem Projekt stehen der Verband der Ersatzkassen e.V. (vdek), die Fachhochschule Kiel, die Gesellschaft für digitalisierte und nachhaltige Zusammenarbeit Siegen (DNZ), zwei vollstationären Pflegeeinrichtungen der Diakonie in Schleswig-Holstein sowie zwei Einrichtungen der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe in Nordrhein-Westfalen.

„Die Roboter kamen bei den pflegebedürftigen Menschen erstaunlich gut an und haben bei ihnen zu positiven Veränderungen geführt. Wir sind froh, dass sich die technische Innovation in der Praxis beweisen konnte“, sagt Claudia Straub, Leiterin der vdek-Landesvertretung Schleswig-Holstein. Der vdek hat das Projekt maßgeblich finanziert.

Roboter bereichern den Heimalltag

Bei ROBUST ging es vor allem um die Frage, ob die mentale und körperliche Gesundheit von Pflegebedürftigen durch die Unterstützung humanoider Roboter gestärkt werden kann. Zunächst entwickelte das Projektteam von FH Kiel und DNZ um Projektleiter Prof. Dr. Jens Lüssem gemeinsam mit den Mitarbeitern der beteiligten Pflegeeinrichtungen Einsatzszenarios für die Roboter. Danach begann die Arbeit vor Ort. Den Roboter dreimal pro Woche in das Angebot der jeweiligen Pflegeeinrichtung zu integrieren, bedeutete für die Betreuungskräfte zunächst eine große Umstellung.

„Anfangs gab es Berührungsängste bei einigen in unserem Team. Doch nach und nach wurde allen klar, dass unser Roboter ‚Charlie‘ keine Konkurrenz, sondern eine sinnvolle und entlastende Ergänzung ist“, erklärt Jutta Tandler. Die Projektverantwortliche im Pflegezentrum Travetal der Diakonie Nord Nord Ost in Lübeck hat den Praxistest in allen Phasen eng begleitet. Vor allem die Begeisterung der Senioren von Charlie hat in Lübeck überzeugt. Die Bewohner haben ihn als Bereicherung empfunden und mit ihm Bewegungsübungen gemacht oder Quizfragen beantwortet.

Bewegungsübungen besonders gefragt

In der Langzeituntersuchung über drei Jahre erfasste das Projektteam mehrmals Praxiserfahrungen in Interviews und Gruppendiskussionen sowie mit Beobachtungsprotokollen. Dabei stellten die Forscher fest: Die meistgenutzte App war diejenige mit Bewegungsübungen, gefolgt von der Jukebox mit über 100 Schlagern sowie klassischer Musik und der Quiz-App.

„Mit den Erfahrungswerten aus der Pflegeeinrichtung konnten wir die Robotik-Apps kontinuierlich weiterentwickeln und das Angebotsspektrum des Roboters verbessern“, erklärt Prof. Lüssem. „Besonders herausfordernd war die Integration der unterschiedlichen Sicht- und Arbeitsweisen sowie die konkrete Formulierung der Anforderungen und deren Umsetzung an die Roboter unter Beachtung ethischer Richtlinien und datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen.“

Roboter aktivieren kognitiv und körperlich

Eine Besonderheit von ROBUST war die achtwöchige quantitative Untersuchung, um die gesundheits-förderlichen Aspekte bei den Bewohnenden zu messen. „Charlie und die anderen Roboter konnten die Senioren sowohl körperlich als auch kognitiv aktivieren. Der Einsatz steigerte nachweislich das Wohlbefinden. Die Teilnehmer hatten Spaß an dem Roboter, bewegten sich mehr und fühlten sich weniger einsam“, zieht Prof. Dr. Gaby Lenz, Professorin für Soziale Arbeit an der FH Kiel, das wichtigste Fazit aus wissenschaftlicher Sicht.

Auch Doreen Boniakowsky, Geschäftsbereichsleitung Pflege der Diakonie Nord Nord Ost, bewertet das Projekt als Erfolg: „In unserem Pflegezentrum Travetal ist Roboter Charlie mittlerweile fester Bestandteil der Wochenplanung und bereichert unser Angebot für die Seniorinnen und Senioren. Vorgesehen ist, Charlie auch in unseren anderen vier Lübecker Pflegeeinrichtungen einzusetzen und somit das Betreuungsangebot in diesen Häusern zu erweitern.“

Charlie bleibt

Während der Pilotphase ist es der Diakonie Nord Nord Ost gelungen, Spendengelder in Höhe von 20.000 Euro zu sammeln, um statt des zunächst geliehenen Roboters einen eigenen anzuschaffen.

Zum Abschluss des Projekts haben die Beteiligten eine Handreichung erstellt, in der sie die Erkenntnisse aus ROBUST veröffentlichen. Dadurch können auch Einrichtungen, die nicht am Pilotprojekt beteiligt waren, sich aber nun für den Einsatz eines humanoiden Roboters interessieren, von dem Projekt profitieren. Der vollständige Abschlussbericht wird zeitnah online veröffentlicht.

Dass der Einsatz von humanoiden Robotern in Pflegeeinrichtungen vielversprechend ist, zeigen weiteren Forschungsprojekte, die den bestmöglichen Einsatz derzeit erproben. Entsprechend realistisch dürfte ein breiter Einsatz in den kommenden Jahren werden.

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