Gravierender Personalmangel im Gesundheitswesen

by | Jun 11, 2024

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Hey-Index zeigt: In allen großen Berufsfeldern in Deutschland gibt es einen starken Wettbewerb um Arbeitsplätze – außer im Gesundheitssektor. Hier überwiegen die offenen Stellen die Anzahl der Bewerber. 

 

Der deutsche Gesundheitssektor steht vor einer ernsten Herausforderung: einem gravierenden Arbeitskräftemangel. Das attestiert nun auch das Jobportal Hey Jobs nach Auswertung seines aktuellen Hey-Index von April 2024. Denn während andere Branchen seit Jahresbeginn einen intensiven Wettbewerb um Stellen verzeichnen, bleibt der Gesundheitsbereich die Ausnahme – hier herrscht akuter Personalmangel. 116.160 aktiven Arbeitssuchenden stehen 129.240 offene Stellen gegenüber, was den gravierenden Personalmangel verdeutlicht, sagen die Experten von Hey Jobs.

Es ist nicht die erste Studie, Umfrage oder Erhebung, die auf dieses Problem aufmerksam macht. Ebenfalls im April hatte ein Gutachten des Sachverständigenrats auf den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen betont. Dort heißt es: „Wenn die Versorgungsstrukturen nicht reformiert werden, wird der Bedarf an Fachkräften im Gesundheitswesen in den nächsten zehn bis 15 Jahren kontinuierlich stärker zunehmen als das Angebot.“

Vor wenigen Tagen hat dann auch die Agentur für Arbeit noch einmal bestätigt, dass insbesondere Pflege- und Gesundheitsberufen im vergangenen Jahr zu den „Engpassberufen“ zählten. Dabei sei die Zahl dieser Engpassberufe sogar insgesamt gesunken. Allerdings entfällt jede zweite gemeldete Stelle der Bundesagentur zufolge inzwischen auf einen Engpassberuf. Von den arbeitslos gemeldeten Fachkräften suchten indes nur ein Viertel eine Beschäftigung in einem Engpassberuf.

Attraktivität von Gesundheitsberufen muss steigen

Der Sachverständigenrat hat mit dem Gutachten auch noch einmal darauf hingewiesen, dass die Politik gefragt sei, Gesundheitsberufe wieder attraktiver zu machen. Denn das Gesundheitswesen stünde sehr wohl im Wettbewerb mit anderen Wirtschaftszweigen – und hat hier kaum etwas entgegenzusetzen.

Dabei zeigt vor allem die Gehaltsstruktur in vielen Gesundheitsberufen, dass es durchaus eine Stellschraube gäbe, an der man drehen könnte – ein Aspekt, den auch die diversen Proteste und Streikaufrufe rund um die Tarifverhandlungen der verschiedenen Gewerkschaften immer wieder betonen.

Und auch ein höherer Digitalisierungsgrad, der vor allem Administration und Verwaltung rund um die Gesundheitsberufe reduziert, könnte helfen, das Berufsfeld wieder attraktiver zu gestalten. Denn aktuell kommt die Kerntätigkeit – der physische Kontakt zu Patienten – meist zu kurz.

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