Patientenversorgung betriebswirtschaftlich betrachtet

by | Jun 27, 2024

Anhoren

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Welche Reichweite haben wir mit unserer Präzisionsonkologie in der Patientenversorgung ? Das wollten Forscher der bayrischen WERA Allianz wissen und haben sich dafür betriebswirtschaftlicher Methoden bedient. Das Ergebnisse könnte in anderen Regionen Schule machen.

Wie gut ist der Zugang zu innovativen, personalisierten Therapien für Menschen mit Krebs in ländlich geprägten Regionen? Dieser Frage gehen Forscher der onkologischen Zentren Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg nun mit der von ihnen entwickelten WERA Matrix nach. Denn für Patienten mit fortgeschrittenen oder seltenen Krebserkrankungen ist die Präzisionsonkologie ein wichtiger Bestandteil ihrer Behandlung. Insbesondere an Universitätskliniken wurden hierzu molekulare Tumorboards eingerichtet, wo auf Basis einer umfassenden molekulargenetischen Diagnostik maßgeschneiderte Therapien gesucht und ermöglicht werden. Unklar war bisher allerdings, ob alle Patienten gleichermaßen Zugang zu dieser Form der Behandlung haben.

Die WERA Allianz deckt in Bayern ein gemeinsames Versorgungsgebiet mit rund acht Millionen Einwohnern ab, das überwiegend ländlich geprägt ist. Um die Reichweite ihrer Allianz in der Präzisionsonkologie zu messen, haben die Forscher ein Modell aus der strategischen Managementlehre, die sogenannte Growth-Share-Matrix, übernommen, um für mehr als 800 Postleitzahlengebiete ihren Anteil an der gesamten Krebsversorgung mit der regionalen Nutzung von molekularen Tumorboards in der WERA Allianz zu vergleichen.

Zusammenarbeit mit regionalen Partner funktioniert

Die Studie identifizierte Regionen wie Bad Mergentheim, Bamberg und Bayreuth, die trotz ihrer Entfernung zu den WERA-Zentren einen hohen Anteil an Vorstellungen in den molekularen Tumorboards aufwiesen. Diese Ergebnisse deuten auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den regionalen Partnern hin. „Das ist der Idealfall, wenn die allgemeine Krebsversorgung vor Ort genutzt wird und WERA den Zugang zur Präzisionsonkologie sicherstellt“, bemerkt Dr. Markus Krebs, der korrespondierende Autor der Studie. Der Arzt im molekularen Tumorboard am Standort Würzburg hat vor dem Medizinstudium ein Betriebswirtschaftsstudium abgeschlossen, ist also prädestiniert für die Patientenzugangsforschung, die ihm zufolge in Deutschland noch in den Kinderschuhen stecke.

Gemeinsam mit zahlreichen WERA- Kollegen, allen voran Dr. Florian Lüke, dem klinischen Leiter des Regensburger molekularen Tumorboards sowie Dr. Alexander Kerscher, dem Geschäftsführer des Zentrums für Personalisierte Medizin (ZPM) in Würzburg, hat er die WERA Cancer Center Matrix im European Journal of Cancer veröffentlicht.

Weiße Flecken erreichen

Die WERA-Matrix zeigte jedoch auch weiße Flecken mit einem potenziellen Nachholbedarf in der Präzisionsonkologie. Sie machte Postleitzahlengebiete transparent, aus denen zahlreiche Patientinnen und Patienten zwar eine Krebsbehandlung durch WERA erhielten, jedoch wenige oder keine Vorstellungen in den molekularen Tumorboards erfolgten. Für diese geographisch oftmals zusammenhängenden Gebiete stellt sich die Frage: Liegt es an der infrastrukturellen Erreichbarkeit der WERA-Standorte? Übernehmen andere Versorger die Krebsversorgung? Oder sind die molekularen Tumorboards dort schlicht unbekannt?

„Diese Regionen müssen wir uns gezielt anschauen, uns bei den onkologischen Praxen und Krankenhäusern vorstellen und unsere Unterstützung anbieten“, kommentiert Dr. Florian Lüke. Gleichzeitig erhoffen sich die Forscher durch dieses Vorgehen ein besseres Verständnis davon, welche Faktoren tatsächlich einen kritischen Einfluss auf den Patientenzugang zur Präzisionsonkologie haben.

Ausweitung der Methodik auf andere Regionen

„Das Schöne an unserer Methodik ist, dass wir auch andere Fragestellungen ergänzen können – beispielsweise, welche Patientinnen und Patienten aus welchen Regionen in innovative klinische Studien eingeschlossen werden“, sagt Dr. Alexander Kerscher. Zusammen mit Forschern aus ganz Deutschland hat er von der Deutschen Krebshilfe jetzt eine Förderung erhalten, um das Konzept der WERA Matrix auf weitere onkologische Spitzenzentren zu übertragen.

Zum Hintergrund der Growth-Share-Matrix: Grundlage ist das Vier-Quadranten-Matrix-Modell, auch als BCG-Matrix bekannt, das Produkte nach den Kriterien Marktanteil und Marktwachstum in ein Portfolio einordnet. In der WERA-Matrix wurden die Produkte durch Postleitzahlen ersetzt, wobei die präzisionsonkologische Versorgung dem Marktwachstum auf der y-Achse und die allgemeine Krebsversorgung dem Marktanteil auf der x-Achse entsprach. Die Größe der Punkte in den vier Quadranten spiegelt die Bevölkerungszahl der Postleitzahlgebiete wider.

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