Patientenverband kritisiert Brandschutz in Kliniken

by | Jan 8, 2024

Einsatzkräfte arbeiten beim Brand im Krankenhaus in Uelzen © Philipp Schulze/​dpa

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Nach einem Brand mit mehreren Toten in einer Helios-Klinik kritisiert die Deutsche Stiftung Patientenschutz generell den Brandschutz in deutschen Krankenhäusern.

In den späten Abendstunden des 4. Januar bricht im Helios-Klinikum Uelzen ein Großbrand aus. Fünf Patienten sterben, mehrere Menschen sind zum Teil schwer verletzt, ein kompletter Krankenhausflügel mit mehreren Stationen wird stark in Mitleidenschaft gezogen. Von Helios heißt es, dass das Ausmaß des Schadens noch nicht abzuschätzen sei, aber wohl bei über einer Million Euro liegen dürfte, da es derzeit danach aussieht, dass der komplette Flügel saniert werden muss. Auch die Brandursache sei noch nicht klar, nur, dass das Feuer wohl im Bad eines Patientenzimmers ausgebrochen sei. Ermittler hätten Spuren gesichert, die nun ausgewertet werden, und die Staatsanwaltschaft Lüneburg hat zusätzlich einen Gutachter beauftragt.

Das Klinikum werde voraussichtlich bis zum 12. Januar keine Patienten mehr aufnehmen. Die Notaufnahme bleibt weiterhin geschlossen, was die verbleibenden Kliniken in der Region als neue Anlaufstelle bereits an ihre Belastungsgrenzen bringt. Auch Patienten dürften den Wegfall des akademischen Lehrkrankenhauses der Medizinischen Hochschule Hannover und die nun deutlich verlängerte Anfahrt zur stationären medizinischen Versorgung zu spüren bekommen. Eventuell ein Vorgeschmack dessen, was vielen ländlichen Regionen bevorstehen könnte.

Eine Kliniksprecherin hat nun für den 10. Januar eine Schweigeandacht für die verstorbenen Patienten und die Verletzten angekündigt. Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, fordert hingegen, den Vorfall als Anlass für einen deutlich besseren Brandschutz in Kliniken zu nehmen: „Brände in Krankenhäusern haben in den vergangen fünf Jahren um 130 Prozent zugenommen. Das zeigt überdeutlich, dass die Regelungen des vorbeugenden Brandschutzes in den 1.900 Kliniken an Grenzen stoßen.“

Aus Sicht der Stiftung müssen selbständige Löschanlagen endlich in jedem Patienten- und Personalzimmer gesetzlich vorgeschrieben werden. „Die meisten Patienten können sich nicht selbst retten. Auch riechen schlafenden Menschen den Brandrauch nicht“, betont Brysch. Damit werde klar, dass Sprinkleranlagen sowohl Hilfsbedürftige und Mitarbeiter schützen als auch Sachschäden deutlich begrenzen können. „Sogar Möbelhäuser und Lagerhallen verfügen hierzulande über einen besseren Brandschutz-Standard als Krankenhäuser. Die Bau- und Gesundheitsminister von Bund und Ländern sind aufgefordert, jetzt endlich eine gesetzliche Regelung verbindlich vorzulegen“, fordert er.

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