Pandemie-Folgen: Junge Menschen in der Krise – Pubertät als Wendepunkt

von | Jan. 2, 2025

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Die Pandemie ist längst vorbei, doch die Auswirkungen der Corona-Politik lasten schwer auf der jungen Generation. Besonders Kinder und Jugendliche, die während der Einschränkungen in der Pubertät waren, kämpfen bis heute mit den Folgen. Lehrer, Ärzte und Forscher ziehen eine kritische Bilanz der letzten Jahre.

Mentale und körperliche Gesundheit stark beeinträchtigt

Laut einer aktuellen Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) haben sich durch die Pandemie die mentale Gesundheit, körperliche Aktivität und das allgemeine Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen spürbar verschlechtert. Die repräsentative COMPASS-Panelbefragung zeigt: Während der Pandemie stiegen Angstsymptome und Depressionen deutlich an. Besonders betroffen waren Jugendliche im Alter von 10 bis 14 Jahren, die sich mitten in der sensiblen Phase der Pubertät befanden.

Die tägliche Bewegungszeit sank während der Pandemie im Durchschnitt um 48 Minuten – eine Normalisierung ist bis heute nicht eingetreten. „Die mentale und körperliche Gesundheit junger Menschen hat während der Pandemie stark gelitten und sich nur teilweise erholt“, fasst Helena Ludwig-Walz die Ergebnisse zusammen. Sie fordert gezielte Maßnahmen, um langfristige Schäden zu verhindern: „Es ist von besonderer Bedeutung, die mentale Gesundheit und das Bewegungsverhalten junger Menschen wieder zu fördern.“

Verlorene Jahre: Lehrer und Ärzte schlagen Alarm

Für Kinderarzt Dr. Ralf Moebus aus Hessen sind die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen im Alltag spürbar. „Viele Kinder sind in ihrer körperlichen Entwicklung zurück. Sie können schlechter hüpfen, basteln oder zeigen mehr Übergewicht als vor der Pandemie“, berichtet er. Besonders die Jahrgänge, die während der Pandemie in der Schule waren, litten stark unter den Einschränkungen.

Thilo Hartmann, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Hessen, hebt die dramatischen Lernrückstände hervor: „Die Klassen sieben, acht und neun waren am längsten vom Präsenzunterricht ausgeschlossen. Dadurch haben sich hier die größten Defizite aufgebaut – sowohl fachlich als auch sozial.“

Die Auswirkungen sind nachhaltig. Lehrkräfte berichten von einer geringeren Konzentrationsfähigkeit und Stressresistenz bei Schülern. Zusätzlich sei sozial unangepasstes Verhalten häufiger geworden.

Kritik an der Corona-Politik: Fehlentscheidungen mit Folgen

Rückblickend wird deutlich, dass viele Entscheidungen während der Pandemie anders hätten getroffen werden können. Dr. Moebus kritisiert: „Kinder wurden weggesperrt, während geimpfte Rentner längst wieder unterwegs waren.“ Die Schulschließungen werden inzwischen selbst von Lehrern kritisch bewertet. „Kinder und Jugendliche mussten sehr viele Entbehrungen tragen, während anderen weniger weitreichende Einschränkungen zugemutet wurden“, ergänzt Hartmann.

Lösungen: Mehr Bewegung, Psychotherapie und Gesundheitserziehung

Die Aufarbeitung der Folgen ist eine zentrale Herausforderung. Für die körperlichen Defizite schlägt Dr. Moebus kreative Ansätze vor: „Ein Rezept für Bewegung, Theaterbesuche oder Musik könnte helfen.“ Auch eine verstärkte Gesundheitserziehung in den Schulen wäre aus seiner Sicht notwendig.

Doch die Realität sieht anders aus: „Viele Kinderarztpraxen können die psychischen Probleme nicht auffangen“, erklärt Moebus. Die Wartezeiten bei Psychologen und Psychiatern seien zu lang. Hartmann fordert zusätzlich Investitionen in das Bildungssystem, um die Lernrückstände gezielt aufzuholen.

Ein gesamtgesellschaftliches Problem

Die langfristigen Auswirkungen der Pandemie auf die junge Generation sind komplex und multifaktoriell. Neben den direkten Folgen der Einschränkungen spielen auch geänderte Mediengewohnheiten und weniger reale Kontakte eine Rolle. „Die Zeit am Bildschirm hat sich erhöht, Familien haben technisch aufgerüstet, und viele Kinder haben sich an lange Bildschirmzeiten gewöhnt“, erklärt Hartmann.

Um diese Folgen zu bewältigen, braucht es eine Kombination aus individueller Unterstützung, gesellschaftlichem Engagement und politischen Maßnahmen. Die jungen Menschen von heute sind die Zukunft – es ist Zeit, in sie zu investieren.

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