Österreich veröffentlicht ersten Menstruationsgesundheitsbericht

von | Aug. 30, 2024

Anhoren

Teilen

 

Das österreichische Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz veröffentlicht ersten Menstruationsgesundheitsbericht. Das Ziel: Eine Enttabuisierung.

Menstruationsgesundheit soll nicht länger ein blinder Fleck in Forschung und Medizin bleiben, dafür setzt sich der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch ein. Sein Ministerium hat nun den ersten Menstruationsgesundheitsbericht veröffentlicht. Das Ziel: Eine Enttabuisierung sowie mehr Aufklärung. Denn alleine im Nachbarland leidet jede fünfzehnte Frau an der chronischen Schmerzerkrankung Endometriose. Bis Betroffene eine Diagnose erhalten, dauert es durchschnittlich sieben Jahre. „Menstruation ist nach wie vor ein Tabuthema, obwohl sie im Leben jeder Frau über Jahrzehnte massive Auswirkungen hat“, sagt Rauch bei der Vorstellung. Das müsse sich in Zukunft ändern. Vor allem Daten zur Menstruationsgesundheit gebe es in Österreich bisher nur vereinzelt.

Der erste Menstruationsgesundheitsbericht des Gesundheitsministeriums soll nun und in Zukunft diese Lücken. Er wurde von der Gesundheit Österreich GmbH erstellt und nun veröffentlicht. Über 1.300 Mädchen und Frauen im Alter von 14 bis 60 Jahren wurden für den Bericht befragt. In drei Fokusgruppen zu den Bereichen Lebensphasen, Chancengerechtigkeit und Endometriose kamen Experten zu Wort.

Studienautorin Sylvia Gaiswinkler von der Gesundheit Österreich GmbH fasst zusammen: „Erstmals stehen uns repräsentative Daten im Zusammenhang mit Menstruation, Wechseljahren und Endometriose zur Verfügung. Themen mit denen Frauen regelmäßig konfrontiert sind und die ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden beeinflussen.“ Es sei an der Zeit, die Lebensumstände von Frauen gesellschaftlich anzuerkennen und sie ernst zu nehmen. So zeigt der Bericht deutlichen Handlungsbedarf in Hinblick flächendeckender und niederschwelliger Information und Aufklärung. „Es braucht mehr Bewusstseins- und Sensibilisierungsmaßnahmen, innerhalb und außerhalb unseres Gesundheitssystems“, ist Gaiswinkler überzeugt.

Starke Beschwerden sind „normal“

Das zeigen auch die Zahlen aus dem Report: Über 70 Prozent der Befragten schätzen die Stärke ihrer Blutung als stark bis sehr stark ein. 67 Prozent haben regelmäßig mittelstarke bis sehr starke Schmerzen. Die körperlichen Beschwerden reichen von Unterleibs- und Rückenschmerzen über Krämpfen bis zu Kopfschmerzen und Migräne. 55 Prozent greifen auf Schmerzmittel zurück, um während ihrer Menstruation den Alltag in gewohnter Weise zu bewältigen.

Neben den körperlichen Schmerzen haben Frauen auch mit psychischen Beschwerden zu kämpfen: Niedergeschlagenheit, Gereiztheit und Deprimiertheit sind während der Menstruation häufig. Rund 20 Prozent der Befragten fühlen sich beim Gedanken an die Menstruation immer oder häufig gestresst. Rund 19 Prozent aller Befragten geben an, sich während ihrer Menstruation zurückzuziehen.

Informationen mangelhaft

Die Experten der Fokusgruppe Chancengerechtigkeit berichteten zudem, dass unter Mädchen und Frauen noch viel zu oft die Annahme verbreitet ist, dass die Schmerzen natürlich seien und deshalb einfach ausgehalten werden müssten.

„Rund um das Thema Menstruation kursieren noch immer viele Mythen. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, die Informationslücken zu schließen“, erklärt Gesundheitsminister Rauch. „Alle Mädchen und Frauen in Österreich müssen Zugang zu guten Gesundheitsinformationen haben.“ Das Ministerium veröffentlicht deshalb noch in diesem Jahr Videos in elf Sprachen zu Themen wie die erste Menstruation, Abhilfe bei Menstruationsbeschwerden, Endometriose, Wechseljahre oder auch weibliche Genitalverstümmelung.

Aber nicht nur Schmerzen schränken Frauen während ihrer Menstruation ein, auch die Kosten von Hygieneprodukten sind für manche eine Belastung: 4,7 Prozent gaben an, dass sie jeden Monat Schwierigkeiten haben, sich Menstruationsartikel zu leisten. Bei 16 Prozent ist das gelegentlich der Fall. Bis zu 500.000 Frauen zwischen 14 und 60 Jahren sind demnach von Periodenarmut betroffen.

Das könnte Sie auch interessieren

Aus für Hybrid-DRGs

Ab 2028 soll es keine Hybrid-DRGs mehr geben. Bereits ab 2027 werden erste Änderungen greifen. Kritik kommt vom Spitzenverband der Fachärzte.

Ab 2028 soll es keine Hybrid-DRGs mehr geben. Bereits ab 2027 werden erste Änderungen greifen. Kritik kommt vom Spitzenverband der Fachärzte.