Österreich verabschiedet eHealth-Strategie

by | Jul 10, 2024

Anhoren

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Digital vor ambulant vor stationär – mit der eHealth-Strategie Österreich sollen jährlich 51 Millionen Euro zusätzlich in die Digitalisierung des Gesundheitswesens investiert werden.

 

Im kommenden Jahr soll es mit ersten digitalen Gesundheitsapps losgehen, ab 2026 sollen Patienten dann über die Gesundheitshotline 1450 in Österreich auch Termine und Videokonsultationen buchen können. Das alles sind Eckpunkte der eHealth-Strategie Österreich, auf die sich Bund, Länder und Sozialversicherungen in der Alpenrepublik nun verständigt haben. Bis 2030 sollen dafür zusätzliche 51 Millionen Euro pro Jahr in den digitalen Ausbau des Gesundheitswesens fließen.

Als wichtige Ziele sind zudem ein insgesamt digitaler Zugang zum Gesundheitssystem sowie zu den eigenen Gesundheitsdaten definiert. Auch telegesundheitliche Präventions- und Versorgungsangebote sollen geschaffen werden

ELGA, die österreichische ePA

Zentrale Infrastruktur für Gesundheitsdaten soll demnach in den kommenden Jahren die elektronische Gesundheitsakte ELGA werden, die dafür massiv ausgebaut wird. Damit haben sowohl Ärzte und Angehörige anderer Gesundheitsberufe als auch die Patienten Zugriff auf alle wichtigen Gesundheitsdaten, heißt es in einer entsprechenden Meldung. Ziel sei es, beispielsweise kürzlich eingenommene Medikamente, Vorerkrankungen und Laborbefunde sehen zu können. Das verbessere die Diagnose und könne in Akutsituationen auch Leben retten. Auch Mitarbeiter von Rettungsorganisationen und der Gesundheitshotline 1450 sollen Zugriff auf ELGA und den elektronischen Impfpass bekommen, um schon am Telefon besser beraten zu können.

Für einen vollständigen Überblick werden Kassenärzte ab 2025 zur Diagnosecodierung verpflichtet, ab 2026 dann die Wahlärzte. Auch alle Bild- und Laborbefunde werden künftig in der ELGA gespeichert. Für eine höhere Akzeptanz setzt man in Österreich auf das sogenannte Opting-Out: Wer ELGA nicht will, muss sich proaktiv abmelden.

Koordination über Gesundheitshotline

Ein weiterer Aspekt der eHealth-Stragegie ist der Ausbau der Gesundheitshotline 1450, die zur ersten Anlaufstelle für Menschen mit Gesundheitsbeschwerden werden und damit eine Art Verteilerrolle übernehmen soll. Mit Blick auf die Gesundheitsapps will Österreich gerade Patienten mit chronischen Erkrankungen künftig digitale Lösungen zu Verfügung stellen. Den Anfang macht eine App für Diabetiker, folgen sollen Migräne-Apps sowie Hilfen bei der Ernährungsumstellung oder Nikotin-Entwöhnung. Ab Ende Juli werden die Voraussetzungen für den flächendeckenden Einsatz solcher Gesundheitsanwendungen erarbeitet. Patienten werden erste Apps dann im Rahmen eines Pilotprojekts ab kommendem Jahr nutzen können. Geplant ist, dass die Krankenkassen bestehende Apps auf medizinische Qualitätsstandards und Einhaltung der Datenschutz-Vorgaben prüfen. Danach können im Rahmen der Pilotierung zertifizierte Apps von Ärzten „verschrieben“ werden.

„Im Zuge der Pandemie haben wir teils sehr schnell reagiert. eRezept und elektronischer Impfpass sind heute selbstverständlich. Mit der bundesweiten eHealth-Strategie verbessern wir die Gesundheitsversorgung für die Patientinnen und Patienten in den nächsten Jahren systematisch. Entscheidend ist das Vertrauen der Menschen, deshalb hat die Sicherheit der eigenen Daten höchste Priorität“, kommentiert Gesundheitsminister Johannes Rauch.

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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