Österreich fordert europäische Lösung für Medizinstudium

by | Mar 4, 2024

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Es gebe ein Ungleichgewicht bei der Ausbildung von Medizinern. In Österreich sieht man sich hier benachteiligt und fordert entweder eine EU-weite Mindestquote an Studienplätzen oder finanziellen Ausgleich.

 

Die Debatte kam am Freitag am Rande eines informellen Treffens der EU-Bildungsminister in Brüssel auf. Der österreichische Amtsinhaber Martin Polaschek sieht sein Land durch das Ungleichgewicht bei der Ausbildung von Mediziner benachteiligt, wie er gegenüber der Austria Presse Agentur bestätigte. Während Österreich überproportional viele Studienplätze anbiete, würden andere Länder zu wenig in die Ausbildung von Mediziner investieren. Hier müsse die EU gegensteuern – entweder mit einer Mindestanzahl an Studienplätzen oder mit einem finanziellen Ausgleich für die Länder, die den Großteil der Ausbildung übernehmen.

Dieser Seitenhieb geht vor allem in Richtung Deutschland. Denn auch der Präsident der österreichischen Ärztekammer Johannes Steinhart betont: „Wir bilden in Österreich mehr als genug Ärztinnen und Ärzte für unseren eigenen Bedarf aus. Doch vor allem von Deutschland, wo viel zu wenig Ärzte ausgebildet werden, werden die Absolventen abgesaugt.“

Eigenmächtig Quoten einzuführen, ist für die einzelnen Mitgliedstaaten jedoch nicht möglich. Hier greift das EU-Recht, wonach alle Unionsbürger mindestens mit Inländern gleichbehandelt werden müssen. Österreichische Staatsbürger bei der Studienplatzvergabe zu bevorzugen, ist damit keine Option. Genauso wenig wie die Forderung nach einer „Berufspflicht für ausgebildete Ärzte in Österreich“ von ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker, was der Freizügigkeit der Arbeitnehmer widerspricht – einem der Grundprinzipien der EU.

Auch deshalb müssen für einige wenige Ausnahmen Sonderregelungen gefunden werden, glaubt Polaschek: „Wir haben einige wenige Bereiche, wo wir einen großen Bedarf an qualifizierten Personen haben – in vielen Länder.“ Mit Blick auf Staaten, die hier weniger Studienplätze anbieten, sei es demnach „nur fair, dass diese Ausbildungskosten, die natürlich entstehen, auch von solchen Ländern dann zum Teil mitgetragen werden.“

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