Organspende-Register gestartet

by | Mar 18, 2024

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Seit heute morgen um sechs Uhr können sich Menschen in Deutschland für die Organspende registrieren. Deutsche Stiftung Organtransplantation erhofft sich mehr Aufklärung und Sichtbarkeit. 

 

Seit heute morgen ist es online, das neue Organspende-Register, über das sich Menschen in Deutschland freiwillig und kostenlos für oder gegen die Organspende entscheiden können. Die Initiative des Bundesgesundheitsministeriums soll nicht nur mehr Transparenz darüber schaffen, wie die Menschen in Deutschland grundsätzlich zur Organspende stehen, sondern auch die Zahl der Organspender erhöhen.

Das Register ist Teil eines Gesetzes, das bereits 2020 vom Bundestag beschlossen wurde, und eine Reaktion darauf, dass trotz einer positiven Grundhaltung zur Organspende in der Bevölkerung viele Menschen ihre konkrete Entscheidung aufschieben. Durch die Möglichkeit, sich online zu registrieren und die Entscheidung jederzeit zu ändern, will man mehr Menschen dazu ermutigen, Position zu beziehen. Ab dem ersten Juli soll das Register dann auch für Kliniken zur Verfügung stehen. Die erste Resonanz sei positiv. Über 5.000 Menschen hätten sich binnen weniger Stunden registriert und das, obwohl jetzt zum Start noch ein Ausweis mit Online-Identifikation benötigt wird. In Zukunft soll es weitere Möglichkeiten wie beispielsweise eine Eintragung über die Apps der Krankenkassen geben, die ab dem 30. September geplant ist.

Deutschen Stiftung Organtransplantation begrüßt Aufklärung

Der Medizinische Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Dr. med. Axel Rahmel, begrüßt die Maßnahme, gibt jedoch auch zu bedenken: „Der Erfolg des Registers hängt maßgeblich davon ab, wie intensiv es durch die Bürgerinnen und Bürger genutzt wird.“ Vor allem sei es wichtig, auch diejenigen zu erreichen, die sich noch keine Meinung zur Organspende gebildet haben. Die derzeitigen Datenschutzverordnungen geben allerdings noch keine dafür notwendige niedrigschwellige Zugangsmöglichkeit zum Register her. Daher sei „allein durch die Einführung des Organspende-Registers keine sprunghafte Steigerung der Organspende” zu erwarten.

Dennoch sieht Rahmel große Chancen in der Initiative: „Durch die begleitende Aufklärungskampagne und die mediale Berichterstattung rückt derzeit das Thema Organspende in den Fokus der Gesellschaft. Wir hoffen, dass sich hierdurch viele Bürgerinnen und Bürger mit dem Thema Organspende persönlich, in der Familie oder im Freundeskreis auseinandersetzen, eine Entscheidung treffen und diese dann auch dokumentieren.“ Sollten Dokumente wie Patientenverfügung oder Organspendeausweis verloren gehen oder nicht aufzufinden sein, haben Ärzte nun die Möglichkeit, eine mögliche Spendebereitschaft schnell und verlässlich über das Register zu klären. Zudem entbindet es Angehörige von einer schweren Entscheidung, falls keine Erklärung der Verstorbenen vorliegt.

Begleitende Maßnahmen geplant 

Dem Wunsch nach Aufklärung kommt das neue Gesetz zudem mit weiteren Maßnahmen nach: So soll regelmäßige über Organspenden informiert werden, etwa beim Beantragen eines Personalausweises oder eines Reisepasses und auch die Hausärzte sollen ihre Patienten regelmäßig ergebnisoffen beraten, um so die Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende zu stärken.

Aktuelle Zahlen machen zudem deutlich, das eine bessere Aufklärung rund um das Thema Leben retten kann: Im vergangenen Jahr haben 965 Menschen in Deutschland nach ihrem Tod Organe gespendet – 96 Menschen mehr als 2022. Auch die Zahl der entnommenen Organe stieg um 8,1 Prozent auf insgesamt 2.877 an. Das ist zwar ein Aufwärtstrend im Vergleich zum Vorjahr, gleichzeitig standen aber immer noch immer knapp 8.400 Menschen auf den Wartelisten für eine Transplantation. Um als potenzieller Organspender in Betracht gezogen zu werden, verlangt das Gesetz die unabhängige Bestätigung des Hirntods durch zwei Fachärzte. Dabei handelt es sich um den vollständigen und unwiderruflichen Ausfall wichtiger Hirnregionen wie des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms.

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