Opting-out erhöht Organspenden nicht

von | Nov. 13, 2024

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Eine aktuelle Studie zeigt: Eine reine Widerspruchslösungen erhöht die Organspenden nicht. Dafür braucht es begleitende Maßnahmen wie öffentliche Aufklärungskampagnen.

 

Auch in Deutschland wird immer wieder über ein Opting-out für Organspenden diskutiert. Wer also zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht, gilt beim Ableben als Spender. So könne die Zahl der dringend benötigten Spenderorgane erhöht werden, so die Theorie. Nun zeigt eine aktuelle Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Zusammenarbeit mit der MSB Medical School Berlin und dem Max Planck Centre for Computational Psychiatry and Ageing Research: Opting-out alleine sorgt nicht für eine Zunahme der Spenden.

„Der bloße Wechsel zu einem Opt-out-System führt nicht automatisch zu mehr Organspenden“, erklärt Studienautorin Mattea Dallacker, die das Projekt am Forschungsbereich Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung leitete. „Ohne begleitende Maßnahmen, wie Investitionen in das Gesundheitssystem und öffentliche Aufklärungskampagnen, ist es unwahrscheinlich, dass ein Wechsel zu einem Opt-out-System die Zahl der Organspenden erhöht. Es gibt keine einfache Lösung für die komplexe Herausforderung, die Organspendenraten zu erhöhen.”

Neues Studiendesign

Um die Einschränkungen früherer Forschungsarbeiten zu beheben, wurde in der aktuellen Studie ein Längsschnittansatz verwendet, bei dem Veränderungen der Spendenraten im Laufe der Zeit in den fünf Ländern Argentinien, Chile, Schweden, Uruguay und Wales analysiert wurden. Dort wurde nämlich jeweils im betrachteten Zeitraum von einer Opt-in- zu einer Opt-out-Standardregelung gewechselt. Mit diesem Forschungsansatz konnten die Auswirkungen des Opting-out zuverlässiger bewertet werden, indem langfristige Trends und länderspezifische Faktoren berücksichtigt wurden.

Die Daten haben die Wissenschaftler aus internationalen Datenbanken, darunter das International Registry in Organ Donation and Transplantation (IRODaT) und das Global Observatory on Donation and Transplantation (GODT). Von den 39 Ländern, die bis Dezember 2019 von Opting-in zu Opting-out gewechselt waren, konnten nur fünf in die Analyse einbezogen werden, da es an historischen Daten fehlte und die Praxis des Opting-out oft vor der formellen Gesetzgebung informell existierte.

Nicht einmal leichter Anstieg

In Übereinstimmung mit früheren Querschnittsanalysen ergab die Studie, dass die Umstellung der Standardeinstellung von Opt-in auf Opt-out in den fünf untersuchten Ländern nicht zu einem Anstieg der Organspendenraten führte. Darüber hinaus zeigten die Ergebnisse, dass die Opt-out-Standardeinstellung nicht einmal zu einem leichten Anstieg der Organspenden führte: Der langfristige Trend blieb gleich und zeigte keine Veränderung der Rate nach der Umstellung. Wie erwartet zeigten die Ergebnisse mit Beginn der COVID-19-Pandemie einen Rückgang der Organspenden von Verstorbenen, wobei bis 2022 nur eine langsame Erholung zu beobachten war.

Die Studie unterstreicht auch die entscheidende Rolle der Angehörigen bei Entscheidungen über Organspenden. Selbst in Systemen mit vermuteter Zustimmung, in denen Personen als Spender gelten, sofern sie sich nicht dagegen aussprechen, werden Familien oft konsultiert und können die mutmaßliche Zustimmung außer Kraft setzen. Da viele Menschen mit ihren Angehörigen nicht über ihre Spendenwünsche sprechen, kann die Widerspruchslösung zu Unsicherheit und Zögern in den Familien führen und somit möglicherweise auch zu Ablehnung.

Verpflichtende Entscheidung

„Eine mögliche Alternative zur Widerspruchsregelung ist ein System der verpflichtenden Entscheidung“, sagt Ralph Hertwig, Direktor am Forschungsbereich Adaptive Rationalität am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Denkbar wäre es beispielsweise bei Behördengängen wie der Beantragung von Führerschein oder Personalausweis sich verpflichtend für oder gegen die Organspende zu entscheiden. „Dieses aktive Wahlsystem könnte die Menschen dazu veranlassen, eine fundierte Entscheidung zu treffen, wodurch die wahrgenommene Unklarheit über ihre Präferenz beseitigt würde, die anscheinend zu höheren Ablehnungsraten in der Familie führt“, sagt Hertwig. Gute und zugängliche Informationen über Organspenden seien aber auch für eine fundierte Entscheidung unerlässlich.

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