NIS2-Umfrage: Gesundheitswesen steht vergleichsweise gut da

by | Jun 18, 2024

Anhoren

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Eine Blitzumfrage unter den IT-Leitern großer Kliniken (500 Betten und mehr) in Deutschland zeigt: 81 Prozent kennen die Deadline für die NIS2-Umsetzung, 56 Prozent haben sogar schon mit der Umsetzung angefangen. Was indes fehlt sind die dafür nötigen Ressourcen.

 

Und sie kennen sie doch, die NIS2-Richtlinie der EU – 81 Prozent der Befragten IT-Verantwortlichen in Kliniken ist bewusst, dass die NIS2-Maßnahmen der Europäischen Union bis Anfang 2025 umgesetzt werden müssen. Lediglich 19 Prozent der Befragten waren von dieser Tatsache überrascht. Das ergab nun eine Blitzumfrage der Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser, der Gesundheitsstadt Berlin, des Cyberspezialisten SOC Mania sowie der HealthCareTimes, an der insgesamt 82 IT-Leiter großer Kliniken (500 Betten und mehr) in Deutschland teilgenommen haben.

Mehr noch: Auch die Arbeit an der Richtlinie ist in vollem Gange. 56 Prozent der Befragten gaben an, mit der Umsetzung erster Maßnahmen bereits begonnen zu haben. Bei 37 Prozent der Befragten sind die teilweise sogar schon abgeschlossen. Sieben Prozent gaben an, dass Maßnahmen zumindest schon theoretisch geplant seien.

Damit steht das Gesundheitswesen vergleichsweise gut da. Eine Umfrage von YouGov von Anfang Juni im Auftrag des IT-Sicherheitsdienstleisters Eset ergab nämlich, dass 38 Prozent der deutschen Unternehmen noch überhaupt nicht mit der Umsetzung begonnen haben.

Nationales Recht noch nicht in Kraft

Was die Gemengelage für viele Unternehmen derzeit erschwert: Noch sind die EU-Anforderungen nicht in nationales Recht übertragen. Zwar liegt ein Gesetzentwurf vor, das NIS-2-Umsetzungs- und Cybersicherheitsstärkungsgesetz, ob es allerdings wirklich wie geplant bis zum 17. Oktober auch in Kraft tritt, darüber wird derzeit spekuliert. Im Zweifel müssen Unternehmen Vorfälle dennoch melden. Der Europäische Gerichtshof hat bereits entschieden, dass die Meldepflicht gilt, selbst wenn Mitgliedsstaaten Verzögerungen bei der Umsetzung in Kauf nehmen, was aktuell in Dänemark und den Niederlanden der Fall ist.

Noch nicht überall vorgedrungen ist zudem offensichtlich die Tatsache, dass mit NIS2 Cybersicherheit zur Chefsache wird. Denn rein rechtlich muss die Geschäftsleitung die ergriffenen Risikomanagementmaßnahmen nicht nur billigen, sondern auch ihre Umsetzung überwachen. Im Entwurf heißt es klar: „Die Beauftragung eines Dritten zu Erfüllung der Verpflichtungen nach Satz 1 ist nicht zulässig.“ Sind die Geschäftsleiter nicht wie gefordert involviert, haften sie persönlich dem Unternehmen gegenüber – unter anderem auf Schadensersatz.

Chefetagen bisher noch außen vor

Die Haftungsfrage scheint die Chefetagen der Kliniken bisher allerdings noch nicht erreicht zu haben. Auf die Frage, ob denn auch die Geschäftsführung in die Umsetzung der NIS2-Anforderungen eingebunden sei, antworteten 41 Prozent mit Nein. 45 gaben immerhin an, dass es regelmäßige Statusupdates an die Geschäftsleitung gäbe. Nur bei zehn Prozent der Befragten gibt es gemeinsame Projektmeetings mit den IT-Verantwortlichen und der Geschäftsführung zur NIS2-Umsetzung.

Dass es hier durchaus noch Nachholdbedarf gibt, zeigt auch die Tatsache, dass laut Angaben der IT-Verantwortlichen 31 Prozent der Kliniklenkern die erforderlichen NIS2-Maßnahmen nicht bekannt seien. 52 Prozent gaben an, dass die Geschäftsführung die Maßnahmen zwar oberflächlich, aber eben nicht im Detail kennt. Lediglich 17 Prozent der IT-Verantwortlichen bescheinigen ihrer Klinikleitung dieses Detailwissen.

Budget und personelle Ressourcen sind knapp

Dadurch, dass der NIS2 und der IT-Sicherheit dieser strategische Stellenwert fehlt, sind derzeit auch die Ressourcen knapp. 72 Prozent der Befragten gaben an, dass es für die Umsetzung von NIS2 kein separates Budget in ihrem Haus gibt. Bei den anderen 28 Prozent liegt dies bisher nur als grobe Schätzung vor – davon bei elf Prozent der Befragten unter 500.000, bei vier Prozent bis eine Million, bei weiteren vier Prozent über einer Million Euro.

Zudem sehen die Budgets bisher keine neuen personellen Ressourcen für die Umsetzung der gestiegenen Cybersicherheitsanforderungen vor. Auf die Frage, ob die NIS2-Anforderungen mit der aktuellen Belegschaft aus eigener Kraft umgesetzt werden können, sagen 44 Prozent, dass dies nur mit erheblichem Mehraufwand möglich sei. 30 Prozent glauben, dass es nicht zufriedenstellend gelingen kann. 19 Prozent sagen klar Nein und nur sieben Prozent antworten auf die Frage mit Ja. Und auch die Kompetenzen der Belegschaft in Sachen Cybersecurity könnten besser sein, sagen 55 Prozent.

Ausgewählte Ergebnisse der NIS2-Blitzumfrage

Unterstützung aber woher?

Wenn denn die Umsetzung der NIS2-Richtlinie bis Anfang nächsten Jahres gelingen soll und weder die nötigen finanziellen noch personellen Ressourcen zur Verfügung stehen, können es eigentlich nur externe Dienstleister richten. Doch auch hier zeigt die Umfrage ein heterogenes Bild. 31 Prozent der Befragten kann weder Qualität noch Kompetenz externer Dienstleister einschätzen. Weitere 31 Prozent halten beides für Ok, aber ausbaufähig. Nur 27 Prozent sind mit der Qualität ihrer Dienstleister im Zusammenhang mit NIS2 zufrieden. Elf Prozent sind es nicht. 

Viele IT-Verantwortliche sehen hingegen Möglichkeiten der Zusammenarbeit und Unterstützung zwischen den Krankenhäusern bei der Umsetzung der NIS2-Anforderungen – und zwar mit 96 Prozent die überwältigende Mehrheit der Befragten. Über das Wie herrscht allerdings Uneinigkeit. Für die meisten in der Umfrage unterbreiteten Vorschläge (z.B. bei der Risikoanalyse, der Durchführung von Pentests, der Ausarbeitung von Response-Plänen, bei Schulungen und Awareness oder der allgemeinen Umsetzung von Maßnahmen) gab es immer mehr Nein- als Ja-Stimmen. Vermutlich soll diese Orchestrierung der Bund übernehmen. Denn 96 Prozent der Befragten wünschen sich von dort oder von den Ländern Unterstützung bei der Umsetzung.

Klarheit über Meldestrukturen

Die Frage ist aktuell auch noch, ob auf Seite der Behörden ohne den nationalen Rechtsrahmen die entsprechende Infrastruktur schon vorbereitet wird. So müsste beispielsweise beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine Meldeinfrastruktur etabliert werden. Womit Unternehmen vermutlich nicht rechnen dürfen, ist eine Art offizieller NIS2-Compliance, an der sich dann alle orientieren können. Das liegt daran, dass zum einen der „Stand der Technik“ als Maßstab gilt und die Maßnahmen zum anderen auch verhältnismäßig sein müssen.

Entsprechend dürfte es gerade für Kliniken wichtig werden, frühzeitig ein Team mit den benötigten Kompetenzen, also Knowhow in der IT, der Cybersicherheit, aber auch juristische und Compliance-Erfahrung aufzubauen, die im Ernstfall die entsprechenden Maßnahmen auch umsetzen können. Denn auch wenn das Gesundheitswesen laut Umfrage tatsächlich schon besser aufgestellt und vorbereitet ist als andere Branchen, gibt es dennoch bis zum Jahresende viel zu tun.

 

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