Heute um 14 Uhr verkünden CDU und CSU ihre Kabinettsaufstellung – und nicht nur im Gesundheitsministerium gibt es eine Überraschung.
Möglichst lange möglichst viel unter Verschluss halten – das war die Prämisse von Friedrich Merz in puncto Kabinettsmitglieder. Denn erstens wollte er den versprochenen „frischen Wind“ in die Ministerien bringen, also nicht unbedingt Politiker erneut besetzen, die schon unter Angela Merkel einen Posten innehatten, und auch „Branchenfremde“ aus der Wirtschaft rekrutieren. Zum anderen sollten in erster Linie Kompetenzen für die Personalauswahl die entscheidende Rolle spielen. Dass er damit gerade parteipolitisch dem einen oder anderen auf die Füße treten – beispielsweise geht die niedersächsische CDU bei den Posten leer aus – und sogar für Enttäuschungen sorgen würde, war klar und ist vermutlich immer Teil des Prozesses. Angesichts der knappen Stimmlage für Friedrich Merz für die Wahl des neuen Bundeskanzlers allerdings strategisch nicht ungefährlich. Daher der Versuch der Geheimhaltung.
Und so ist es Merz bis gestern auch weitestgehend gelungen, viele der neuen Gesichter in den Ministerien unter Verschluss zu halten. Heute um 14 Uhr wird es offiziell Klarheit geben. Mit Katherina Reiche an der Spitze des Wirtschaftsministeriums, Johann Wadephul als neuer Außenminister oder Publizist Wolfram Weimer als neuer Kulturstaatsminister ist Merz sicherlich einiges von dem gelungen, was er sich vorgenommen hat. Wie diese Personalien dann in der neuen Legislaturperiode „performen“ müssen sie unter Beweis stellen. Denn zum ersten Mal ein Ministerium leiten, kann Vorteile haben, ist definitiv aber mit Herausforderungen verbunden.
Gesundheitspersonalie kam überraschend
Deutlich mehr Erfahrung hat da die nun wohl neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken – wenn auch nicht in Sachen Gesundheitspolitik. Auch deshalb ist dies eine der größeren Überraschungen, die selbst eingefleischte Hauptstadtjournalisten nicht auf dem Radar hatten. Bisher wurde der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge als heißer Kandidat gehandelt. Zu den Gründen warum es wohl Warken und nicht Sorge wird, ist bisher wenig bekannt.
Was wir wissen, ist, dass die Juristin Warken eine versierte und in ihrem Wahlkreis auch sehr beliebte (über 40 Prozent der Stimmen) Politikerin ist. Bisher ist sie Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU Bundestagsfraktion und Generalsekretärin der CDU Baden-Württemberg. Und hier könnte durchaus das politische Kalkül für ihre Berufung liegen. CDU-Landeschef Manuel Hagel, der im März 2026 eine für ihn wichtige Wahl gewinnen will, will Baden-Württemberg als Gesundheits- und Forschungsstandort ausbauen.
Für Warken spricht, dass sie sehr gut vernetzt und durch ihre aktuellen Rollen durchaus eine politische Allrounderin ist. Dass sie mit Übernahme des Bundesgesundheitsministeriums vor großen Herausforderungen steht, ist klar. Wie sie die meistert, ist derzeit noch nicht abzusehen. Die große Frage wird sein, welche „Unterstützung“ sie sich in Form von Expertise beispielsweise als Staatssekretär zu Seite holt. Ob dass Gesundheitsministerium für Warken dann nur ein nächster Karriereschritt sein wird, oder ob sie sich traut, die großen Themen anzugehen, können nur die nächsten Wochen und Monate zeigen.



