Niedergelassene Ärzte mit Praxissoftware unzufrieden

by | May 2, 2024

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Umfrage des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung zeigt: Vor allem die weit verbreiteten Praxisverwaltungssysteme sind nicht empfehlenswert.

 

Die Zahlen sprechen für sich: Drei von vier Arztpraxen in Deutschland würde ihre Praxissoftware nicht weiterempfehlen und rund die Hälfte der niedergelassenen Praxen ist explizit unzufrieden. Diese zentralen Erkenntnisse einer bundesweiten Praxisumfrage von Anfang März bis Mitte April veröffentlicht heute das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi).

Die hohe Unzufriedenheit hat einen einfachen und vor allem nachvollziehbaren Grund: Die aktuell am Markt befindliche Praxissoftware ist weder zuverlässig noch nutzerfreundlich. Fast die Hälfte der Softwarenutzer berichtet, dass der Praxisablauf mehrmals pro Woche oder sogar täglich durch Softwarefehler gestört wird. Noch höher ist dieser Anteil bei den Praxen, die mit ihrer Software unzufrieden sind.

Ausfälle eher die Regel als die Ausnahme

Der Anteil der Praxen, die keine oder kaum Probleme mit ihrem Verwaltungssystem haben, ist mit 19,1 Prozent vergleichsweise niedrig. Wobei zu berücksichtigen sei, dass die Ursache von Fehlern nicht zwingend beim Softwareanbieter, sondern auch bei den Konnektoren oder der gematik liegen könne, betont man beim Zi. Dies könne unter anderem ein Grund dafür sein, dass selbst unter den zufriedenen Softwarenutzern immer noch ein Viertel berichten, dass der Praxisablauf mehrmals pro Woche oder täglich durch Softwarefehler gestört wird. Unter den unzufriedenen Softwarenutzern liegt der Anteil derjenigen, die von mehrmals wöchentlichen bis hin zu täglichen softwarebedingten Störungen des Praxisablaufs berichten, bei 60,2 Prozent – und ist bei einzelnen Softwarenanbieter sogar noch höher.

Wobei es gar nicht so viele Anbieter am Markt gibt. Nach einer Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) waren zum 30. Juni 2023 130 unterschiedliche Softwaresysteme in der Anwendung. Darunter sind viele kleinere Anbieter und Auslaufmodelle (76) unterhalb von 100 Installationen. Knapp 40 Prozent der Softwareinstallationen entfallen auf zwei Systemhäuser.

Wechselbereitschaft kann sich lohnen

Wer sich zu einem Wechsel der Praxissoftware entschließt und aus dem breiten Angebot die richtige Auswahl getroffen hat, kann die Zufriedenheit deutlich steigern, zeigt die Umfrage – auch wenn dadurch offenbar nicht alle Probleme bei der Umsetzung der gesetzlich vorgegebenen Telematik-Infrastruktur beseitigt werden können. Unter den Umfrageteilnehmern, die mit ihrer Praxissoftware zufrieden sind und diese weiterempfehlen würden (27,7 Prozent), sind rund ein Sechstel, die bereits einen Softwarewechsel vorgenommen haben. Insgesamt hätten aber nur 8,5 Prozent aller Teilnehmer einen Softwarewechsel angegeben, heißt es. Davon sind allerdings wiederum 55,7 Prozent nach dem Wechsel zufrieden mit der Software. Aber Vorsicht: Erfolgt der Wechsel zu einem Anbieter mit einem hohen Anteil unzufriedener Nutzer, ist auch der Wechsler im Anschluss in der Regel unzufrieden, zeigen die Ergebnisse. Dies verdeutliche die Bedeutung einer regelmäßig aktualisierten Referenzdatenbank, an der sich wechselwillige Praxisinhaber orientieren können, glaubt man beim Zi, weshalb der Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried unterstreicht: „Wir haben aus den Umfragedaten ermittelt, welche Systeme auch im Hinblick auf die Umsetzung der Telematik-Infrastruktur einen systematisch höheren Anteil zufriedenerer Nutzer haben, die ihr System auch weiterempfehlen würden. Das ist der sogenannte Net-Promoter-Score.“  15 Softwaresysteme, die mehr als 20 Bewertungen erhalten haben, würden hier im positiven Bereich mit einem Score-Wert über 0 bis plus 76 Punkten liegen. Die Liste dieser Anbieter ist auf der Webseite des ZI einsehbar.

„Uns ist bewusst, dass der Wechsel der Praxissoftware Zeit und Geld kostet. Auf diesem Aufwand bleiben die Praxen derzeit sitzen. Zudem muss in der Wechselphase oft auch die Versorgung der Patientinnen und Patienten eingeschränkt werden. Am Ende benötigen aber alle Praxen funktionsfähige Softwaresysteme. Der Wechsel zu einer leistungsfähigen Lösung sollte daher belohnt werden“, führt von Stillfried weiter aus.

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