Nicht jeder Notruf wird nach acht Minuten erreicht

by | Jun 12, 2024

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Aktuelle Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters zeigen: Sowohl bei der Reanimation durch Ersthelfer als auch beim zeitlichen Eintreffen des Rettungsdienstes nach dem Notruf ist noch Luft nach oben.

 

Rund 55.000 Patienten sind im vergangenen Jahr in Deutschland nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand durch den Rettungsdienst reanimiert worden. Bei rund 51 Prozent davon haben zuvor Ersthelfer mit der Wiederbelebung begonnen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Deutschen Reanimationsregisters, das von der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. getragen wird. Vorgestellt wurden die Zahlen nun im Rahmen des Jahresberichts zur außerklinischen Reanimation im Notarzt- und Rettungsdienst.

Insgesamt ist die Zahl der Reanimationen durch Ersthelfer stabil geblieben. Wo es Zuwachs gab, waren der Einsatz sogenannte Smartphone-basierter Ersthelfer-Alarmierungen (SbEA) sowie bei der telefonischen Anleitung zur Reanimation. Über die SbEA-App wurden 2023 sieben Prozent (2022: 6,1 Prozent) der Ersthelfer gerufen. Telefonische Anleitung gab es in 33 Prozent (2022: 30,9 Prozent) der Fälle.

„Auch wenn hier noch deutlich Luft nach oben ist, zeigt dies eine sehr erfreuliche Entwicklung“, konstatiert Prof. Dr. Matthias Fischer, Mitglied des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. „Diese Anleitungen erhöhen die Erfolgsrate der Ersthelfenden-Reanimation signifikant und tragen wesentlich dazu bei, die Überlebenschancen der Betroffenen zu verbessern.“

Rettungsdienst könnte schneller sein

Was sich zudem verbessert hat, sei die Frist, in der Hilfe vor Ort ist: Nach Alarmierung wurden über 74 Prozent der Patienten innerhalb von acht Minuten vom ersten Rettungsfahrzeug erreicht. 2022 gelang das nur in 72,6 Prozent der Fälle. „Damit sind wir vom Ziel, 80 Prozent aller Patientinnen und Patienten nach Notrufeingang innerhalb von acht Minuten zu erreichen, leider noch etwas entfernt“, muss Prof. Fischer zugegen.

Die Zahlen zeigen weiter, das zwei Drittel der Reanimationsfälle Männer betraf. Im Durchschnitt waren die Patienten 70,1 Jahre, 30 Prozent von ihnen hatten keine oder nur leichte Vorerkrankungen. Zudem fanden die meisten Reanimationen (70 Prozent) im häuslichen Umfeld statt. 32,5 Prozent der Patienten konnten mit einer Rückkehr des spontanen Kreislaufs in ein Krankenhaus aufgenommen werden.

Mehr Schulungen wünschenswert

Die aktuellen Ergebnisse sollten laut Fischer Anstoß geben, das Qualitätsmanagement im Rettungsdienst weiter zu optimieren. Idealerweise werden die Schulungs- und Aufklärungsmaßnahmen dafür ausgeweitet, fordert auch Prof. Dr. Jan-Thorsten Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Reanimationsregisters und Sprecher der Sektion Notfallmedizin in der DGAI: „Die Ziele sind klar: Wir müssen bei der Reanimationsquote durch Ersthelfende deutlich besser werden und es endlich schaffen, an die Quoten anderer europäischer Länder anzuknüpfen, die weit über 70 Prozent liegen.”

Besonders viel Potenzial liege dabei im weiteren Ausbau der telefonisch angeleiteten Reanimation durch die Leitstellen. „Unsere Erfahrung zeigt, dass selbst Menschen ohne medizinische Vorkenntnisse in der Lage sind, durch telefonische Anleitung effektive Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten, die Profis in den Leitstellen müssen nur daran denken“, erklärt Gäsner. Eine weitere relevante Stellschraube sei außerdem die regelmäßige Schulung in Wiederbelebungsmaßnahmen, die allen Bevölkerungsgruppen zugänglich gemacht werden müsse. Die DGAI setzt sich seit Jahren dafür ein, die Reanimationsausbildung zum festen Bestandteil der Schulcurricula zu machen. „In einigen Bundesländern wie Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wird das bereits umgesetzt, andere Bundesländer sollten diesem Vorbild dringend folgen“, fordert Gräsner.

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Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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