Neuer Wirkstoff verhindert entgleiste Immunreaktion

von | Apr. 24, 2025

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Hoffnung für Allergiker? Ein Team unter Federführung der Universität Bonn hat einen vielversprechenden Wirkstoff gefunden, der verhindern soll, dass das Immunsystem entgleist.

 

Reizdarm, chronischer Juckreiz, Asthma, Migräne – es gibt zahlreiche Erkrankungen, die auf eine Überreaktion des Immunsystems zurückzuführen sind. Bisher waren Behandlungsmöglichkeiten allerdings sehr begrenzt. Nun hat ein Team unter Federführung der Universität Bonn einen neuen Wirkstoff entdeckt, der Hoffnung gibt. Er blockiert einen Rezeptor auf bestimmte Abwehrzellen und soll so ein Überschießen des Immunsystems verhindern. Die Studienergebnisse wurden nun in der Zeitschrift Singal Transduction and Targeted Therapy veröffentlicht.

Für ihre Arbeit haben sich die Wissenschaftler auf Mastzellen konzentriert. Sie sind vereinfacht ausgedrückt die Immunzellen der Haut und Schleimhäute und reagieren entweder auf Antikörper wie den Insektenspeichel bei einem Stich, manchmal aber eben auch ganz ohne Kontakt zu einer Substanz. Und gerade diese allergischen Reaktionen sind nur schwer zu behandeln, weiß Prof. Dr. Christa Müller von der Universität Bonn: „Bis vor etwa 15 Jahren wusste man nicht einmal, auf welchem Weg die Aktivierung überhaupt erfolgt.“ Damals stieß die Leiterin der Pharmazeutischen und Medizinischen Chemie mit ihrer Arbeitsgruppe auf einen bis dahin unbekannten Rezeptor in der Membran, die die Mastzellen wie eine Haut umgibt. An ihn können unterschiedliche molekulare Signale andocken und dadurch die Ausschüttung der Entzündungs-Botenstoffe einleiten.

Rezeptor leitet heftige Entzündungsreaktion ein

Mit der Erkenntnis, dass der Rezeptor mit der kryptischen Bezeichnung MRGPRX2 wie eine Art Schalter wirkt, war die Neugier des Teams geweckt. Wird der Rezeptor betätigt, ist eine sehr heftige lokale Entzündungsreaktion die Folge. „Um das zu verhindern, müsste man den Schalter irgendwie blockieren“, sagt Prof. Müller. Die Frage war nur: wie? Ihre Abteilung verfügt über eine Sammlung von rund 40.000 Verbindungen, darunter etliche, bei denen es sich bereits in Tests herausgestellt hatte, dass sie an verwandte Rezeptoren binden können. „Wir haben Zellen verwendet, die aufleuchten, wenn MRGPRX2 aktiviert ist“, erklärt Müllers Doktorandin Ghazl Al Hamwi, die Erstautorin der Studie. „So konnten wir testen, ob diese Substanzen die Aktivierung des Rezeptors wirksam blockieren und dadurch das Lichtsignal ausschalten.“

Dabei stießen die Forscher auf einen Wirkstoff, der an den Rezeptor andocken kann und ihn blockiert. Durch chemische Modifizierung dieses Treffers erhielten sie ein Derivat, das schon in extrem geringen Konzentrationen wirksam war. „In Kooperation mit Kolleginnen und Kollegen aus Polen konnten wir zeigen, dass bei Mäusen dadurch lebensbedrohliche allergische Reaktionen komplett unterbunden werden“, führt Al Hamwi weiter aus. Angesichts dieser Ergebnisse isolierten Forscher der Charité in Berlin zusätzlich menschliche Mastzellen und reinigten sie auf – ein äußerst aufwändiger Prozess. Jedoch ein lohnenswerter, denn dadurch konnten die beteiligten Arbeitsgruppen zeigen, dass das gefundene Molekül auch dort an MRGPRX2 bindet und die Ausschüttung von Entzündungs-Botenstoffen verhindert.

Substanz weiter optimiert

Inzwischen haben die Forscher die Substanz noch weiter optimiert. Sie ist so einerseits noch wirksamer geworden; zudem wird sie im Körper nicht direkt abgebaut, sondern besitzt eine ausreichend lange Wirkungsdauer, wie sie für einen Arzneistoff erforderlich ist. Die Beteiligten konnten ferner zeigen, dass das Molekül ausschließlich den MRGPRX2-Rezeptor blockiert. Dadurch sinkt die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen. „Wir halten die Substanz daher für ausgesprochen vielversprechend“, betont Prof. Müller. Ob sich der Wirkstoff als Medikament eignet, muss sich allerdings noch in weiteren Studien an Tieren und am Menschen zeigen.

Falls ja, wäre das aber eine gute Nachricht. Profitieren könnten etwa Patienten mit entzündlichen Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, der Lunge, des Nervensystems oder auch mit schwerem chronischem Juckreiz und weiteren entzündlichen Hauterkrankungen. Viele dieser Erkrankungen sind nicht nur äußerst quälend, sondern gehen auch mit einer verkürzten Lebenserwartung einher. Auch lebensgefährliche allergische Reaktionen nach der Gabe bestimmter Medikamente (ein sogenannter anaphylaktischer Schock) ließen sich möglicherweise durch Blockierung des RGPRX2-Rezeptors verhindern.

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