Neuer Therapieansatz, um wiederkehrende Schlaganfälle zu verhindern

von | Aug. 9, 2024

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Bei gut zehn Prozent der Patienten kommt es trotz bester Behandlung zu erneuten Schlaganfällen. Das Rätsel des Warums haben Wissenschaftler der LMU gelöst und einen vielversprechenden Therapieansatz entdeckt.

Warum kommt es zu den häufig wiederkehrenden Schlaganfällen? Dieser Frage ist ein internationales Team von Wissenschaftler unter Federführung des LMU Klinikums nachgangen und hat eine erste Erkenntnis gewinnen können: Aus Zellen freigesetzte Erbsubstanz (DNA) führt zu einer Entzündungsreaktion im gesamten Körper, die wiederum zu mehr arteriosklerotischen Gefäßablagerungen und damit zu erneuten Gefäßverschlüssen führt. Ein klassischer Teufelskreis. Die Forscher um Prof. Arthur Liesz vom Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung haben auf Grundlage dieser ersten Ergebnisse allerings auch einen neuen Therapieansatz parat: Die zellfreie DNA einfach durch entsprechende Medikamente, sogenannte Desoxyribonukleasen oder DNasen, abbauen.

Auf dieser Weise könnten den rund 200.000 Bundesbürgern geholfen werden, die jedes Jahr einen Schlaganfall erleiden – der im Übrigen auch die zweithäufigsten Todesursache und ein Hauptgrund für Behinderung im Erwachsenenalter ist. Bei gut zehn Prozent der Patienten kommt es selbst bei bester Versorgung im Krankenhaus binnen Tagen und Wochen zu weiteren Schlaganfällen. Das Rätsel um das Warum habe man nun weitgehend geklärt, betont Prof. Liesz.

Entzündung ohne Infekt

Ihre Theorie haben die Wissenschaftler am Tiermodell mit Mäusen validiert und dafür deren Organismus durch gezielte genetische Eingriffe verändert. So ließen sich in diesem Fall wiederkehrende Schlaganfälle aus arteriosklerotischen Plaques wie im Menschen nachstellen, um die daran beteiligten Prozesse zu untersuchen.

Es zeigte sich: In der frühen Phase nach einem Schlaganfall kommt es zu einer Entzündungsreaktion im gesamten Körper – obwohl keine Infektion vorliegt. Als Ursache konnten die Forscher zellfreie DNA im Blut feststellen, die aus Zelltrümmern freigesetzt wird. Sie bewirkt eine Entzündung, die auch die Arteriosklerose rasant fortschreiten lässt, denn „diese zellfreie DNA aktiviert in bestimmten Immunzellen das AIM2-Inflammasom“, erklärt Prof. Liesz. Als Inflammasom wird ein ganzer Komplex aus Proteinen in Entzündungszellen bezeichnet, der zur massiven Bildung des Botenstoffs Interleukin-1 führt. Dieser Botenstoff breitet sich durch das Blut im ganzen Körper aus und wirkt insbesondere auf bereits entzündete Gewebe – wie die arteriosklerotisch veränderten Gefäße. Das wiederum destabilisiert Hochrisiko-Plaques, die einreißen und Gerinnsel freisetzen, was zu weiteren Schlaganfällen führt.

Erste Therapie an Mäusen

Mit ihrem Wissen starteten die Forscher bei den Mäusen nach dem ersten Schlaganfall eine Therapie: Durch die Gabe von sogenannten DNasen – Enzyme, die DNA zerstören – sofort nach dem ersten Schlaganfall ließ sich der gesamte fatale Prozess stoppen. „Durch diese Behandlung haben wir die Rate wiederkehrender Schlaganfälle in unserem Tiermodell um bis zu 80 Prozent gesenkt“, sagt Prof. Liesz. Die DNA in Zellen bleibt von dieser Behandlung unberührt, weil DNasen nicht in Zellen eindringen können. Die Studienergebnisse wurde nun im renommierten Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlicht und könnten, so sie sich im Menschen bestätigen, zu einer verbesserten Schlaganfall-Therapie führen.

Der beeindruckende Erfolg im Tierversuch hat die Forschenden motiviert, eine klinische Studie zu planen, die bereits genehmigt wurde. Sie soll laut Prof. Liesz, voraussichtlich schon im kommenden Jahr an mehreren Kliniken in Deutschland beginnen.

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