Neuer Therapieansatz gegen Alzheimer

von | Aug. 14, 2024

Anhoren

Teilen

 

Forschende der Technischen Universität München (TUM) haben einen vielversprechenden Ansatz zur Vorbeugung und möglichen Umkehrung von Alzheimer im Frühstadium entwickelt. Dieser Ansatz zielt auf das Amyloid-Beta-Biomolekül ab, das für die frühe Hyperaktivität von Nervenzellen bei der Krankheit verantwortlich ist.

Ein Team von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) hat einen neuartigen Proteinwirkstoff entwickelt, der das Fortschreiten von Alzheimer im Frühstadium möglicherweise aufhalten kann. Der Wirkstoff, ein Amyloid-Beta-bindendes Anticalin (H1GA), wurde von den Forschern erfolgreich in Laborexperimenten an Mäusen getestet. Das Ergebnis: Die durch das Amyloid-Beta-Molekül ausgelöste neuronale Hyperaktivität konnte vollständig unterdrückt werden. Diese bemerkenswerten Ergebnisse wurden kürzlich im renommierten Fachjournal Nature Communications veröffentlicht.

Neue Hoffnung für die Alzheimerforschung

Die meisten Demenzerkrankungen, darunter Alzheimer, beginnen mit einer schleichenden neuronalen Fehlfunktion, die oft durch Amyloid-Beta-Peptide verursacht wird. Diese Peptide führen zur Bildung von Plaques im Gehirn, die die Kommunikation zwischen Nervenzellen stören und letztlich zum Absterben der Zellen führen. „Unser neuer Proteinwirkstoff zielt darauf ab, diese Peptide zu binden, bevor sie sich zu schädlichen Oligomeren und Plaques aggregieren können“, erklärt Dr. Benedikt Zott von der TUM School of Medicine and Health.

In ihren Experimenten spritzten die Forschenden den Wirkstoff direkt in den Hippocampus der Mäuse – eine Hirnregion, die entscheidend für Gedächtnis und Lernen ist. Die vormals hyperaktiven Nervenzellen zeigten nach der Behandlung wieder ein normales Verhalten, das nicht mehr von gesunden Zellen zu unterscheiden war. „Besonders bemerkenswert ist, dass die neuronale Hyperaktivität in den frühen Krankheitsstadien vollständig unterdrückt werden konnte“, betont Dr. Zott.

Vom Labor zur potenziellen Therapie

Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, steht die Übertragung auf menschliche Patientinnen und Patienten noch aus. „Wir sind noch ein großes Stück von einer bei Menschen anwendbaren Therapie entfernt, aber die bisherigen Ergebnisse sind sehr ermutigend“, so Dr. Zott weiter. Eine effektivere Darreichungsform des Wirkstoffs ist bereits in der Entwicklung.

Dieser neue Ansatz könnte in Zukunft eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung von Alzheimer spielen, einer Krankheit, die weltweit Millionen Menschen betrifft und für die es bislang keine heilenden Therapien gibt. Während frühere Versuche mit ähnlichen Wirkstoffen wie Solanezumab nicht die gewünschten Ergebnisse brachten, zeigt H1GA in den aktuellen Versuchen deutlichere positive Effekte.

Forschung im Rahmen des Exzellenzclusters SyNergy

Die Studie wurde im Rahmen des Albrecht Struppler Clinician Scientist Programms der TUM durchgeführt und ermöglichte eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Department of Neuroradiology, dem Institut für Neurowissenschaften und dem Lehrstuhl für Biologische Chemie. Das Projekt ist Teil des Exzellenzclusters SyNergy, das sich der Erforschung komplexer neurologischer Erkrankungen widmet. „Mit unserer interdisziplinären Herangehensweise sind wir in der Lage, die vielen beteiligten Prozesse bei neurodegenerativen Krankheiten wie Alzheimer umfassend zu untersuchen“, erklärt Prof. Arthur Konnerth, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Die TUM und ihre Partner hoffen, dass diese Forschungsergebnisse eines Tages zu einer wirksamen Therapie gegen Alzheimer führen könnten. Die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze bleibt eine der größten Herausforderungen in der modernen Medizin, und die Forschung an der TUM trägt maßgeblich dazu bei, diese Hürde zu überwinden.

Das könnte Sie auch interessieren