Helmholtz Munich ist in puncto Insulin-inhibitorischer Rezeptor „Inceptor“ einen Schritt weiter: Er bindet Insulin und steuert dessen Abbau.
Das Forschungsteam um Prof. Heiko Lickert von Helmholtz Munich hat eine weitere Funktion des Insulin-inhibitorischen Rezeptor „Inceptor“ entschlüsselt. 2021 haben die Wissenschaftler bereits seine Rolle als Hemmer des Insulinsignalwegs entdeckt. Nun ist außerdem klar: Er bindet Insulin und steuert dessen Abbau in Betazellen. Diese Erkenntnis könnte zu neuen Therapieansätzen führen, die nicht nur die Funktion der Betazellen stärken, sondern auch eine ursächliche Behandlung von Diabetes ermöglichen.
Das Team um Prof. Heiko Lickert, Direktor des Instituts für Diabetes- und Regenerationsforschung bei Helmholtz Munich, Professor an der Technischen Universität München (TUM) und Wissenschaftler am Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), hat Inceptor im Jahr 2021 entdeckt und seine Rolle als Hemmer des Insulinsignalwegs beschrieben. Inceptor und der Insulinrezeptor befinden sich beide auf der Oberfläche der Betazellen, wobei Inceptor den Insulinrezeptor blockieren kann und so die Insulinempfindlichkeit der Zellen verringert. Dies schwächt den Signalweg ab. Die aktuelle Studie geht nun einen Schritt weiter weiter: Sie zeigt, dass Inceptor überschüssiges Insulin in der Betazelle bindet und es zum Abbau leitet. „Das Wissen über diese Funktion von Inceptor gibt uns ein tieferes Verständnis dafür, wie Betazellen ihren Insulinhaushalt regulieren“, erklärt Prof. Lickert.
Regeneration geschädigter Betazellen
Das vermehrte Auftreten von Inceptor in Betazellen legt zudem nahe, dass der Rezeptor eine Rolle bei der Insulinausschüttung spielt, die von Betazellen gesteuert wird. Dieser Prozess ist bei Diabetes häufig beeinträchtigt, was zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führt. Durch das Blockieren von Inceptor gelang es den Forschern, die Insulinspeicher von Betazellen aufzufüllen, die Freisetzung von Insulin zu verbessern und den Zelltod von Betazellen zu verhindern. „Insbesondere bei bereits geschädigten Zellen könnte eine Blockade von Inceptor helfen, die Insulinproduktion anzukurbeln und die Betazellen zu schützen“, ist Lickert überzeugt.
Die Ergebnisse legen nahe, dass ein gezieltes Einwirken auf Inceptor eine vielversprechende Strategie sein könnte, um die Funktion der insulinproduzierenden Zellen bei Menschen mit Diabetes zu verbessern. „Unser Ziel ist es, mit Hilfe unserer Entdeckung neue Medikamente zu entwickeln, die den Insulinhaushalt der Zellen unterstützen und ihre Lebensfähigkeit verlängern“, sagt Lickert. Eine solche Therapie könnte insbesondere Menschen im frühen Stadium von Typ-2-Diabetes helfen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und das Risiko von Komplikationen zu reduzieren.
Vom Labor in die Praxis
Um die Erkenntnisse aus dem Labor in die Praxis zu überführen, hat Lickert ein Start-up gegründet. Das Unternehmen arbeitet an der Entwicklung von Medikamenten, die gezielt Inceptor blockieren und dadurch die Betazellen schützen oder regenerieren sollen. Dafür sind zunächst präklinische Studien nötig, in denen die Sicherheit und Wirksamkeit der neuen Therapieansätze getestet werden. „Unser Ziel ist es, den Weg für klinische Studien freizumachen und damit einen Beitrag zur Behandlung, ja hoffentlich sogar zur Heilung von Diabetes zu leisten“, beschreibt Lickert die langfristige Vision.



