Neue Zielstrukturen für Medikamente gegen Osteoarthritis identifiziert

von | Apr. 10, 2025

Anhoren

Teilen

 

Einer internationalen Forschungsgruppe ist es gelungen, neue Zielstrukturen zur Bekämpfung der weltweit häufigsten Ursache für chronische Schmerzen zu finden.

 

Hunderte neue Zielstrukturen für Medikamente und Möglichkeiten, bestehende Therapie umzufunktionieren – die Erkenntnisse, die eine internationale Forschungsgruppe unter Leitung von Helmholtz Munich zur Behandlung von Osteoarthritis – auch Arthrose genannt – nun gewinnen konnte, sind beachtlich. Denn Arthrose ist weltweit die häufigste Ursache für Behinderungen und chronische Schmerzen und betrifft schätzungsweise 595 Millionen Menschen. Prognosen zufolge wird diese Zahl bis zum Jahr 2050 auf eine Milliarde ansteigen. Trotz dieser erheblichen Auswirkungen existieren derzeit keine krankheitsmodifizierenden Behandlungen.

Zu diesem nun erzielten Durchbruch führte die bislang größte genomweite Assoziationsstudie (GWAS) zur Osteoarthritis. Dafür hat das Team über 900 genetische Assoziationen indentifiziert, darunter mehr als 500 bislang unbekannte. Vor allem aber erweitern diese neuen Erkenntnisse das bisherige Verständnis der genetischen Grundlage der Krankheit.

Daten verknüpfen

Die Forscher konnten insgesamt 700 Gene bestimmen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit an Osteoarthritis beteiligt sind, indem sie diverse biomedizinische Datensätze miteinander verknüpften. Bemerkenswert ist, dass zehn Prozent dieser Gene für Proteine kodieren, auf die bereits zugelassene Medikamente ausgerichtet sind. Dies eröffnet Möglichkeiten, bereits bestehende Medikamente umzufunktionieren und die Entwicklung neuer Therapien zu beschleunigen.

„Da zehn Prozent unserer genetischen Ziele bereits mit zugelassenen Medikamenten in Verbindung stehen, sind wir einen entscheidenden Schritt näher, die Entwicklung wirksamer Behandlungen für Osteoarthritis voranzutreiben“, erklärt Studienleiterin Prof. Eleftheria Zeggini, Direktorin des Instituts für Translationale Genomik bei Helmholtz Munich und Professorin für Translationale Genomik an der Technischen Universität München.

Bald personalisierte Behandlungen für Osteoarthritis?

Neben der Identifizierung genetischer Ziele mit therapeutischem Potenzial liefert die Studie auch wertvolle Erkenntnisse, die zur Personalisierung von Behandlungsstrategien beitragen könnten. „Genetische Varianten, die das Osteoarthritis-Risiko beeinflussen, sind weit verbreitet“, erklärt Co-Erstautor Dr. Konstantinos Hatzikotoulas. „Das neu gewonnene Wissen darüber kann helfen, die Auswahl der Personen für klinische Studien und Ansätze der personalisierten Medizin zu optimieren.“

Zusätzlich zu den genetischen Erkenntnissen identifizierten die Forscher acht zentrale biologische Prozesse, die für die Entwicklung von Osteoarthritis entscheidend sind, darunter der zirkadiane Rhythmus („innere Uhr“) und die Funktion von Gliazellen. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Eingriffe in diese Prozesse das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder sogar aufzuhalten könnten“, fügt Hatzikotoulas hinzu.

„Die größte GWAS-Studie zu Osteoarthritis erweitert nicht nur unser Verständnis der Krankheit erheblich, sondern legt auch den Grundstein für die Entwicklung effektiverer und personalisierter Therapien, die die Behandlung von Osteoarthritis verändern könnten“, schließt Prof. Zeggini ab.

Das könnte Sie auch interessieren