Federated Secure Computing heißt das europäische Forschungsprojekt, das nun einen neuen Ansatz für den sicheren und anonymen Datenaustausch zwischen verschiedenen Institutionen vorstellt.
Patientendaten über Staatsgrenzen hinweg austauschen, das ist das Ziel des vom Stifterverband geförderten europäischen Forschungsprojekts Federated Secure Computing. In einer neuen Pilotstudie haben die Forscher nun einen Ansatz vorgestellt und getestet, der die technischen und rechtlichen Herausforderungen im anspruchsvollen Rahmen der klinischen Forschung an Krebspatienten unter Einhaltung der strengen europäischen Vorschriften zum Schutz der Privatsphäre und des Datenschutzes meistert. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Fachmagazin npj Digital Medicine veröffentlicht.
Hendrik Ballhausen, Initiator von Federated Secure Computing an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), erklärt, wie mehrere Partner einen sicheren Rechnerverbund bilden: „Keine Partei hat Zugriff auf die Daten der anderen. In einem Ende-zu-Ende-verschlüsselten Netzwerk können dennoch gemeinsam Berechnungen ausgeführt werden. Das Netzwerk ist dabei so konstruiert, dass mathematisch beweisbar nur das Ergebnis der gemeinsamen Berechnung bekannt wird, niemals aber die Daten der einzelnen Patientinnen und Patienten.“
Mit europäischen Patientendaten erprobt
Als Datensatz dienten die Gesundheitsdaten von Patienten des LMU Klinikums und dem Policlinico Universitario Fondazione Agostino Gemelli in Rom. Konkret kommt das Verfahren Patienten mit Tumoren der Nebenniere zugute, die sich einer Strahlentherapie unterziehen müssen. „Durch die gemeinsame Auswertung verstehen wir die Risikofaktoren besser und können eine zielgerichtete, nebenwirkungsarme Therapie entwickeln, die das Überleben und die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten steigert“ fasst Prof. Dr. Stefanie Corradini, stellvertretende Klinikdirektorin der Strahlentherapie des LMU Klinikums, zusammen.
„Unsere Klinika bieten modernste Magnetresonanz-geführte Strahlentherapie an“ ergänzt Luca Boldrini, Arzt am Advanced Radiation Therapy Center „Gemelli ART“. „Wir beginnen gerade erst, Daten auzuwerten. Dadurch, dass wir unsere Kräfte bei dieser innovativen und noch nicht verbreiteten Strahlentherapie-Technologie bündeln, tragen unsere beiden Einrichtungen Daten doppelt so schnell zusammen, wie es ohne den Kooperationsvertrag möglich wäre.“
Secure Computing aus Finnland
Das Team hat dafür eine Architektur um Sharemind MPC gebaut, eine industrielle Lösung für Secure Computing der estnischen Firma Cybernetica. „Secure Multiparty Compting kann den Schutz der Privatsphäre und Interoperabilität im Healthcare Sektor sehr verbessern“, sagt der dortige Chief Scientific Officer Dan Bogdanov. „Wenn Sie starke Ende-zu-Ende Sicherheit benötigen und Richtlinien und Compliance beweisbar einhalten müssen, dann liefert Kryptographie dafür das geeignete Werkzeug.“
Die enge Zusammenarbeit mit Data Use and Access Committees und den behördlichen Datenschutzbeauftragten war ein wichtiger Bestandteil des Projekts. Es wurde durch eine Fachkanzlei anwaltlich begleitet und durch einen Kooperationsvertrag der drei Partnereinrichtungen, Ethikvoten und schriftliche Zustimmung der Patienten abgesichert. In Zukunft wollen und müssen wir Gesundheitsdaten besser und einfacher für die Forschung nutzen, ist man am LMU Klinikum überzeugt und die jetzt veröffentlichten Erkenntnisse seien ein wichtiger Schritt.



