Die australische Telehealth-Plattform Eucalyptus Health hat in einer weltweit ersten, von Experten begutachteten Studien die Fehlerquoten von Nurse Practioner und Allgemeinmedizinern verglichen.
Es ist die weltweit erste, von Experten begutachtete Studie, die die Fehlerquoten von Nurse Practioner und Allgemeinmediziner in einem telemedizinischen Setting untersucht. Dafür hat die australische Telehealth-Plattform Eucalyptus Health über einen Zeitraum zwischen Oktober 2023 und Märze 2024 8.359 Audits von Telehealth-Konsultationen durchgeführt. Etwa drei Viertel der Audits stammen von Nurse Practionern, was damit zusammenhängt, dass in dem Untersuchungszeitraum mehr Pflegeexperten auf der Plattform angefangen haben als Mediziner, erklärt Dr. Matt Vickers, klinischer Leiter von Eucalyptus und Mitverfasser der Studie. Diese Anfangszeit werde grundsätzlich immer geprüft.
Trotz dieser Verzerrung zeigen die Ergebnisse: Die Fehlerquote in der Kohorte der Nurse Practioner lag bei etwa 14 Prozent, während Allgemeinmediziner in etwa 21 Prozent der Fälle Fehler machten.
Fehler nicht gleich Fehler
Ein detaillierter Blick auf die Fehler zeigt, dass es sich bei weniger als ein Prozent der Konsultationen der Mediziner und Pflegeexperten um sogenannte „Nie-Ereignisse“ handelt. Das sind Fälle, bei denen das Risiko einer dauerhaften Schädigung der Patienten etwa durch falsche Medikation bestand. 1,6 Prozent der Konsultationen der Nurse Practioner und 1,4 Prozent der Konsultationen von Hausärzten wiesen zudem Fehler auf, die als hochriskant eingestuft wurden – also schwere Schäden bis dauerhafte Folgen nach sich zogen.
Ganz aussagekräftig sind die Ergebnisse dennoch nicht. Denn die Studie deutet zwar darauf hin, dass Pflegeexperten bei einer Reihe von Erkrankungen in digitalen Umgebungen mit vergleichbarer Sicherheit wie Allgemeinmediziner Medikamente verschreiben können. Vickers räumt allerdings ein, dass Nurse Practioner immer noch vergleichsweise wenige Patientenberatungen durchführen: „Derzeit werden etwa 25 bis 40 Prozent der Konsultationen von Nurse Practitioners durchgeführt. Das ist allerdings variabel, da wir eine Reihe von Aushilfs- und Teilzeitkräften haben.“
Basiswerte fehlen
Offen ist ferner auch die Frage, ob Fehlerquoten um 1,5 Prozent hoch sind oder nicht. Die Studienautoren befinden die Quote zwar als „ein wenig hoch“, letztendlich fehlen aber Referenzwerte, mit denen man sie vergleichen könnte. In Australien wie auch in anderen Ländern fehlt Literatur zur Fehlerquote bei der Verschreibung in der Primärversorgung.
Dennoch ist man bei Eucalyptus mit den Ergebnissen zufrieden. „Ziel der Studie war es, die Fehlerquote bei der Verschreibung in einem telemedizinischen Versorgungsmodell mit einer gemischten Belegschaft aufzuzeigen, die innerhalb der gleichen klinischen Protokolle und Richtlinien arbeitet und von unserer Technologieplattform unterstützt wird“, sagte Vickers. „Wie erwartet hat die Studie gezeigt, dass Verschreibungsfehler auf unseren Plattformen generell selten sind und dass die Kliniker unabhängig von ihrem Hintergrund eine sichere Versorgung bieten.“ Für Eucalyptus unterstreicht das, dass Nurse Practioner mit einer angemessenen klinischen Governance ein integraler Bestandteil der Primärversorgung sein können.



