Neue Studie: MS-Patienten möglichst früh auf kognitive Defizite screenen

by | Feb 26, 2024

Anhoren

Teilen

 

Eine aktuelle Studie aus den Niederlanden bestätigt: Ein frühzeitiges Screening kognitiver Einschränkungen und eine angepasste Therapie sind für MS-Patienten entscheidend.

 

Forscher der Universität Amsterdam haben unter Leitung von Dr. Piet Bouman die Häufigkeit isolierter kognitiver Defizite sowie deren spezifische Merkmale in MRT-Bildern und ihren Langzeitverlauf bei MS-Patienten untersucht.

Denn diese kognitiven Defizite sind ein häufiges Problem bei MS-Patienten und können deren Alltagsleben und Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigen. Solche Veränderungen manifestieren sich oft als Verlangsamung des Denkens, Probleme mit Aufmerksamkeit und Konzentration sowie Schwierigkeiten bei der Ausführung von geistigen Aufgaben.

Bisherige Studien zur kognitiven Funktion bei MS verwenden oft umfassende neuropsychologische Testbatterien wie den BRB (Rao Brief Repeatable Battery of Neuropsychological Test). Allerdings können Defizite in einem bestimmten Bereich aufgrund der Heterogenität der Daten übersehen werden und im Gesamtergebnis durch gute Leistungen in anderen Bereichen ausgeglichen erscheinen. Dies erschwert die frühzeitige Identifizierung und individualisierte Behandlung von kognitiven Problemen. Daher ist es wichtig, auch isolierte kognitive Defizite frühzeitig zu erkennen, da sie Vorboten für zukünftige Einschränkungen sein können.

Arbeitsgedächtnis besonders häufig betroffen

Die niederländische Studie basierte auf Daten von 348 MS-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren, wobei 67 Prozent weiblich waren. Die Einschlusskriterien umfassten eine MS-Diagnose vor mindestens zehn Jahren, neuropsychologische Tests zu Beginn der Symptome und nach fünf Jahren sowie strukturelle MRT-Scans zum Zeitpunkt der Symptome.

Ein isoliertes kognitives Defizit wurde definiert als ein Z-Score von mindestens 1,5 Standardabweichungen unter dem Normwert in einem Bereich wie Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Langzeitgedächtnis, exekutive Funktionen/Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeit. Die Forscher fanden heraus, dass 31 Prozent der Teilnehmer isolierte kognitive Einschränkungen aufwiesen, während bei 43 Prozent mehrere Bereiche betroffen waren. Am häufigsten traten Defizite in den Bereichen exekutive Funktionen/Arbeitsgedächtnis (bei 37 Teilnehmern), Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (bei 25 Teilnehmern) sowie Langzeitgedächtnis und Aufmerksamkeit (jeweils bei 23 Teilnehmern). 

Vermindertes Volumen von Kortex und Hippocampus

Die MRT-Analysen ergaben, dass kortikale Atrophien und Veränderungen der fraktionellen Anisotropie besonders mit Einschränkungen in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit verbunden waren. Gedächtnisprobleme korrelierten mit einem verminderten Volumen von Kortex und Hippocampus. Es wurden jedoch keine entsprechenden MRT-Befunde für Defizite in den Bereichen exekutive Funktionen und Arbeitsgedächtnis gefunden.

MRT-Befunde und Verlauf

Im Verlauf der Studie zeigten 69 Prozent der Teilnehmer mit anfänglich isolierten Einschränkungen in der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit eine Verschlechterung ihrer kognitiven Funktionen. Bei anderen anfänglichen Defiziten bewegte sich die Zunahme der kognitiven Einschränkungen zwischen 18 und 31 Prozent.

Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung eines frühzeitigen Screenings und einer angemessenen Therapie für MS-Patienten mit kognitiven Defiziten, insbesondere wenn die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit betroffen ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Geburtenrückgang verstärkt sich

Sechs Prozent weniger Neugeborene als noch 2022 – die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen belegen, dass sich der Geburtenrückgang manifestiert.

Sechs Prozent weniger Neugeborene als noch 2022 – die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Zahlen belegen, dass sich der Geburtenrückgang manifestiert.

Boehringer Ingelheim mit Umsatzplus

Der deutsche Pharmakonzern Boehringer Ingelheim knüpft mit einem erneuten Umsatzplus im ersten Halbjahr nahtlos an das gute Geschäftsjahr 2023 an.

„Ein datenbasierter Ansatz optimiert die Beziehung zwischen Behandler und Patient“

Wenn man seit 20 Jahren Datenbanken aufbaut und die Digitalisierung aktiv vorantreibt, darf man wütend darüber werden, wenn andere weiterhin nur philosophieren, während man selbst einfach macht. Wie man Technologie und Daten zielführend nutzt, Mehrwert für Mediziner stiftet und eine hohe Akzeptanz bei Patienten erreicht, erklärt Dr. med. Arnfin Bergmann im Interview.