Neuauflage des Embryonenschutzgesetzes?

by | Oct 9, 2023

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Das Embryonenschutzgesetz sowie das Stammzellengesetz sollen geprüft und potenziell überarbeitet werden. Das gab Bundesforschungsministerin Stark-Watzinger auf einer Fachkonferenz in Berlin bekannt.  

Auf einer Fachkonferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, BMBF, mit dem Titel „Humane Embryonen in der medizinischen Forschung: Tabu? – Vertretbar? – Chance?“ am 9. und 10. Oktober hat sich Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger für eine Reform des Embryonenschutzgesetzes, ausgesprochen. Embryonenforschung sei wichtig, die deutschen Gesetze hierzu jedoch nicht mehr zeitgemäß.  

Tatsächlich ist das Embryonenschutzgesetz mittlerweile über 30 Jahre alt und auch die Forschung an und mit humanen embryonalen Stammzellen ist im Rahmen des deutlich jüngeren Stammzellengesetzes von 2017 nur unter strengen Voraussetzungen möglich. Damit werde vor allem die Forschung in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern stark eingeschränkt. Dies ist einer der Kritikpunkte an den strengen Regeln, was auch Stark-Watzinger nun zu einer Neubewertung veranlasst, wie sie auf der Konferenz sagte: „Wir dürfen das Feld nicht einfach anderen überlassen, sondern sollten diese wichtige Chance nutzen. Wir wollen daher eine lösungsorientierte Debatte unserer bewährten ethischen Leitplanken anstoßen.“  

Zuletzt war es Forschern aus England und Israel unabhängig voneinander gelungen, im Rahmen der Stammzellenforschung synthetische menschliche Embryonen zu erzeugen – ganz ohne Spermien oder Eizellen. Ziel ist es, die erste Phase der Embryonalentwicklung besser zu erforschen. Die synthetischen Embryonen seien dabei so etwas wie ein Modellsystem. Neu ist in diesem Zusammenhang auch, dass diese Embryonen länger als 14 Tage heranwachsen sollen – also länger als die bisher international akzeptierte Übereinkunft für die Entwicklung menschlicher Embryonen im Labor.  

Vom Deutschen Ethikrat gab es auf Nachfrage von Health Care Times keine Stellungnahme – obwohl die Vorsitzende Alena Buyx auf der Fachkonferenz als Podiumsgast geladen war. Man wisse von keinen Aktivitäten seitens des Bundesrates, das Embryonenschutzgesetz zu überarbeiten, hieß es aus der Presseabteilung mit einem freundlichen Verweis auf ältere Stellungnahmen.  

Sollte es dennoch zu einer Überarbeitung des Embryonenschutzgesetzes kommen, könnte davon nicht nur die Forschung, sondern auch die Reproduktionsmedizin profitieren. Denn bislang ist der elektive Single-Embryonen-Transfer in Deutschland verboten, der in vielen anderen Ländern angewandt wird. Dabei wird bei einer künstlichen Befruchtung eine größere Zahl von Embryonen hergestellt, aus denen derjenige ausgewählt und übertragen wird, der die größten Entwicklungschancen aufweist. Für die Frauen erhöht sich mit diesem Verfahren die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, während das Risiko von Mehrlingsschwangerschaften reduziert wird. Das Verbot in Deutschland zielt darauf ab, die Entstehung überschüssiger Embryonen zu vermeiden.  

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