Nervenregeneration bei Querschnittlähmung?

von | Dez. 19, 2024

Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg

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Antikörper können die Rehabilitation von Menschen mit akuter traumatischer Querschnittlähmung verbessern. Das haben Forscher an 13 Kliniken in Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Spanien untersucht.

 

Die Vorabstudienergebnisse wurden gerade in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology veröffentlicht und sind vielversprechend. 13 Kliniken in Deutschland, der Schweiz, Tschechien und Spanien konnten zeigen, dass Antikörper die Rehabilitation von Menschen mit akuter traumatischer Querschnittlähmung verbessern können. Es ist das erste Mal überhaupt, das eine gut abgrenzbare Patientengruppe identifiziert werden konnte, die einen klinisch relevanten Behandlungseffekt zeigte. Eine Folgestudie soll bereits jetzt im Dezember starten.

Konkret haben die Wissenschaftler in den Antikörper NG 101 (Anti-Nogo-A) untersucht, der das körpereigene Protein Nogo-A blockiert und damit neutralisiert. Dieses Protein hemmt oder verhindert bei einer akuten Verletzung die Regeneration von geschädigten Nervenfasern im Rückenmark, wie in mehreren internationalen Studien im Tiermodell gezeigt werden konnte. Genau hier sollen die Antikörper ansetzen und eben diesen hemmenden Effekt bremsen, damit sich das Rückenmark erholen kann.

Im Fokus: Hand-Arm-Musekeln

An der klinischen Studie nahmen insgesamt 126 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren teil, die an einer akuten kompletten bis inkompletten Querschnittlähmung durch eine Rückenmarksverletzung im Halsbereich litten. 78 Personen wurden mit dem Antikörper behandelt, der direkt in den Spinalkanal injiziert wurde; die übrigen 48 Personen erhielten ein Placebo, das auf die gleiche Weise verabreicht wurde. Ein vollständiger Behandlungszyklus bestand aus sechs Injektionen parallel zur normalen stationären Behandlung. Die Studie war randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert. Außerdem wurden die Patienten nach dem Zufallsprinzip einer Gruppe zugeteilt.

Untersucht wurde, ob sich nach der Behandlung die motorischen Funktionen an den Hand-Arm-Muskeln erholten. Diese Muskelgruppen sind für Patienten mit Tetraplegie, also einer hohen Querschnittlähmung, die zusätzlich auch die Arm- und Handfunktionen betrifft, von größter Bedeutung im Alltag. Nach sechs Monaten wurde die Wirkung zwischen den mit Antikörpern behandelten und den unbehandelten (Placebo-)Patienten verglichen.

Erfolge bei inkompletter Querschnitlähmung

Bei Patienten mit einer kompletten Querschnittlähmung zeigten sich keine Verbesserungen der motorischen Funktion. In der Patientengruppe mit inkompletter Querschnittlähmung führte die Behandlung mit Antikörpern hingen zu signifikanten Verbesserungen – sowohl in der willkürlichen Ansteuerung der gelähmten Muskeln als auch in der Selbständigkeit der Patienten im Alltag. Darüber hinaus zeigte sich, dass der Antikörper allgemein gut verträglich ist und bisher keine damit verbundenen Nebenwirkungen aufgetreten sind. Damit zeigt die langjährige, unter Federführung der Universitätsklink Balgrist betriebene Forschung zu Antikörpern in der Rehabilitation ermutigende Erfolge.

Weitere Studien müssen nun diese erstmals erreichten positiven klinischen Befunde bei Patienten mit akuter inkompletter Querschnittlähmung bestätigen. Eine Folgestudie mit einem weiterentwickelten Antikörper ist bereits für Dezember 2024 angekündigt. Hierfür werden Patientenuntergruppen ausgewählt, bei denen aufgrund der bisherigen Ergebnisse das Potenzial für eine signifikante klinische Verbesserung besteht.

Europäische Zusammenarbeit

Initiiert und organisiert wurde die multinationale Studie von der Universität Zürich, Prof. Mar-tin Schwab, und von der Zürcher Universitätsklinik Balgrist, Prof. Armin Curt, in enger Zu-sammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, Prof. Norbert Weidner, der feder-führend die Lancet-Publikation betreut hat. Ermöglicht und durchgeführt wurde sie in einem europäischen klinischen Netzwerk (www.emsci.org), dem zahlreiche spezialisierte Zentren zur Behandlung von Patienten mit Querschnittlähmung in Deutschland, der Schweiz, in Spanien und Tschechien angehören. Auch die Follow-Up-Studie wird in diesem Netzwerk stattfinden.

Die Herstellung des Prüfantikörpers wurde im Rahmen des CeNeReg Projekts durch die Zusammenarbeit mit der Regenerative Medicine Technologie Plattform des Wyss Zurich Translational Centers ermöglicht. Das EU-Förderprogramm Horizon 2020, das Schweizer Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, die Schweizer Paraplegiker-Stiftung, die private Forschungsstiftung Wings for Life, das Projekt CeNeReg des Wyss-Zentrums der Universität Zürich und der ETH Zürich sowie die Stiftung International Re-search in Paraplegia finanzieren die Studie.

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