Jahrzehntelang fehlten trotz weltweiter Forschungsanstrengungen die beweisenden Daten. Nun ist einem internationalen Konsortium gelungen, Atherosklerose den Autoimmunerkrankungen zuzuordnen.
Seit Jahrzehnten wird auf internationaler Ebene versucht, die Atherosklerose als Autoimmunerkrankung zu definieren. Bislang fehlten allerdings die beweisenden Daten. Einem internationalen Konsortium unter Leitung von Prof. Andreas Habenicht vom Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK) des LMU Klinikums und Prof. Changjun Yin an der Sun-Yat-Sen-Universität in Guangzhou China ist genau das jetzt gelungen. Ihre Erkenntnisse haben sie im Fachmagazin Nature Cardiovascular Research veröffentlicht.
Konkrete identifizierte das Team Autoantikörper, die nach dem Transfer in Mäuse die Atherosklerose deutlich erhöhen. Diese Autoantikörper richten sich gegen das körpereigene Protein Histon 2B und andere körpereigene Proteine.
Als die Forscher die Mäuse mit Histon 2B impften, wurde die Atherosklerose verstärkt. „Dies zeigt erstmals, dass die Atherosklerose kritische Kriterien einer Autoimmunerkrankung erfüllt“, erklärt Prof. Habenicht. Die experimentellen Daten in Mäusen konnten die Forscher in einer klinischen Studie von 495 Patienten bestätigen.
Habenicht kommentiert weiter: „Unsere Ergebnisse haben transformierenden Charakter, da sie die Atherosklerose erstmals als Autoimmunerkrankung definieren. Dies hat grundlegende und weitreichende Implikationen für die zukünftige Entwicklung von Diagnostika und neuen Immuntherapeutika. Die Ergebnisse eröffnen die spannende Möglichkeit präventiver Strategien, bevor die Erkrankung zu Herzinfarkt und Schlaganfällen führt. Unsere lange Reise auf dem Weg zu diesen herausfordernden Zielen wird fortgesetzt.“


