Perplexity AI ist mittlerweile der dritte US-Anbieter, der sich an das auch rechtlich durchaus heikle Thema medizinische Ratschläge mittels KI wagt.
Gibt es nach Doktor-Google nun auch den KI-Arzt? Nein, heißt es von Perplexity AI bei der Vorstellung seiner neuen Gesundheitsanwendung Perplexity Health ganz deutlich. Diagnosen, Behandlung oder Prävention seien keine Dienste, die man anbietet, und Perplexity Health solle auch kein Ersatz für professionelle medizinische Beratung werden.
Dennoch könnten Patientinnen und Patienten bald schon mit einer „Vorabdiagnose“ in die Praxen kommen. Denn die neue Gesundheits-KI soll sehr wohl persönliche Gesundheitsdaten analysieren und medizinische Empfehlungen geben können. Die Daten holt sich die KI aus anderen Apps wie Fitness-Trackern, Smartwatches oder den Gesundheitsfunktionen auf dem Smartphone. Zudem sei die KI nach Angaben von Perplexity mit „Krankenhausakten“ trainiert worden, kann also auf Laborergebnisse sowie elektronische Gesundheitsdaten von 1,7 Millionen medizinischen Anbietern zurückgreifen.
Gesundheit im Blick
Nutzenden soll auf dieser Basis dann in einem persönlichen Dashboard eine Art Übersicht als visuelle Gesundheitsentwicklung geliefert werden. Werden dann konkrete Gesundheitsfragen gestellt, kann Perplexity Health sowohl auf die Trainingsdaten als Referenz als auch auf die persönlichen Gesundheitsdaten zurückgreifen und damit „personalisierte“ Antworten liefern.
Auch Microsoft und OpenAI haben in diesem Jahr bereits jeweils eine eigene Gesundheits-KI vorgestellt. Allerdings konnten US-Wissenschaftler bereits einen Monat später in einer Studie zeigen, dass die KI-Triage der OpenAI-Lösung ChatGPT Health bedenkliche Mängel aufweist. Zwar konnte die KI bei mittelschweren medizinischen Alltagsproblemen einigermaßen verlässliche Empfehlungen geben. Waren die Probleme jedoch völlig harmlos oder lebensgefährlich, sank die Leistung der KI deutlich ab. Ob die Microsoft-KI hier besser abschneidet, wird gerade ebenfalls untersucht. Ergebnisse sollen laut Microsoft bald veröffentlich werden.
Bei Perplexity setzt man auf Zugriff auf medizinische Fachzeitschriften sowie klinische Leitlinien für die KI, um Fehler zu vermeiden. Außerdem wurde ein Medizinergremium eingerichtet, das die Arbeit der KI überprüfen soll. Trotzdem ist das Erteilen medizinischer Ratschläge ein großer Schritt für eine Smartphone-App – auch, weil gerade in den USA die rechtlichen Konsequenzen bei Fehlern sehr hoch sein können.
Datenschutz bleibt Risiko
Und genau dort, in den USA, wird Perplexity Health vorerst nur den Pro- und Max-Usern zur Verfügung stehen. Ob und wann die Lösung auch hierzulande verfügbar sein wird, hängt vermutlich von den ersten Erfahrungen jenseits des Atlantiks ab.
In jedem Fall bleibt der Datenschutz ein Kritikpunkt. Daten sollen laut Perplexity zwar verschlüsselt bleiben und nicht zum weiteren Training der KI genutzt werden. Dass man Datenschutz in den USA jedoch deutlich laxer handhabt als in Europa und Deutschland, ist allerdings auch kein Geheimnis. Ebenso fraglich bleibt der Mehrwert, den Gesundheits-KIs den Nutzenden bieten. Gut möglich, dass die KI für mehr Bedenken, Fragezeichen und damit verbunden Stress sorgen und somit auch den Mehraufwand in Praxen und Kliniken erhöhen.



