Mobilitätstest als Videospiel

von | Dez. 3, 2024

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Ein an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickeltes, Videospiel-basiertes System kann Stürze mit einer Genauigkeit von über 80 Prozent vorhersagen.

Ein Team der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat ein intelligentes Videospiel entwickelt, das Sturzrisiken bei älteren Erwachsenen mit Diabetes präzise erkennen kann. Stürze gehören zu den häufigsten Ursachen für Verletzungen und Krankenhausaufenthalte. Besonders Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, da Nervenschäden, Gleichgewichtsstörungen und Muskelkraftverlust – typische Begleiterscheinungen der Erkrankung – ihre Mobilität beeinträchtigen. Die neuartige Methode kombiniert Videospiele mit sensorgestützten Einlegesohlen, die detaillierte Bewegungsmuster und Druckverteilungen erfassen. Die Studie zeigte, dass das Videospiel-basierte System Stürze mit einer Genauigkeit von über 80 Prozent vorhersagen kann – eine deutliche Verbesserung gegenüber traditionellen Mobilitätstests. Die Ergebnisse wurden im renommierten Fachjournal EClinicalMedicine veröffentlicht.

„Traditionelle Tests wie beispielsweise der sogenannte ‚Timed-up-and-go-Test‘ übersehen oft subtile Frühwarnzeichen, insbesondere bei Menschen mit Diabetes und Nervenschäden“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. med. Peter Mertens, Direktor der Universitätsklinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Diabetologie und Endokrinologie Magdeburg. „Unsere Methode ist nicht nur genauer, sondern wird von den Teilnehmenden auch als unterhaltsam und motivierend empfunden.“

Großes Präventionspotenzial

Das neue System bietet wertvolle Unterstützung für ältere Erwachsene, Angehörige und Pflegekräfte. Durch die präzise Erkennung des Sturzrisikos können vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden, beispielsweise die Beseitigung von Stolperfallen im Haushalt oder die Anpassung von Medikamentendosen, die das Gleichgewicht beeinträchtigen könnten.

An der Studie nahmen 152 ältere Erwachsene mit Diabetes teil, eine Gruppe mit einem besonders hohen Sturzrisiko aufgrund von Nervenschäden, Gleichgewichtsstörungen und eingeschränkter Muskelkraft. Während einer 15-minütigen Videospiel-Session, die sowohl im Sitzen als auch im Stehen durchgeführt werden konnte, testeten die Teilnehmer wichtige Fähigkeiten wie Reaktionszeit, Gleichgewicht und Muskelkontrolle.

Die sensorgestützten Einlegesohlen lieferten detaillierte Daten, die mithilfe künstlicher Intelligenz analysiert wurden, um das individuelle Sturzrisiko zu ermitteln. Die Genauigkeit des Systems lag bei 82,8 Prozent im Sitzmodus und 88,6 Prozent im Stehmodus – deutlich besser als die etwa 50-prozentige Treffsicherheit konventioneller Methoden.

Das Forschungsteam plant, die Technologie weiter zu optimieren und eine Zertifizierung voranzutreiben. Perspektivisch könnten die Videospiele in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder Reha-Zentren eingesetzt werden, um Stürze präventiv zu verhindern und die Lebensqualität älterer Menschen zu verbessern.

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