Das Kabinett beschließt eine Erhöhung des Pflegebeitrags. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie glaubt, die Politik muss vor allem die Pflegebedürftigkeit verhindern.
In puncto Kosten kennt das Gesundheitswesen gerade nur einen Trend: aufwärts. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Töpfe der Kranken- und Pflegeversicherung und so wundert es nicht, dass die Bundesregierung heute die Erhöhung des Pflegebeitrag für 2025 beschlossen hat. Konkret sollen Kinderlosen ab dem 1. Januar 4,2 Prozent, Menschen mit Kind 3,4 Prozent zahlen, was einer Erhöhung von 0,2 Prozentpunkte entspricht. Bundesgesundheitsminister Lauterbach hatte die Anhebung bereits vergangene Woche angekündigt. Nun muss auch hier noch der Bundesrat zustimmen.
In dem die Bürger erst einmal mehr zahlen, will man in Berlin die Zeit bis zu einer umfassenden Pflegereform überbrücken. Denn ginge es weiter so wie bisher, wäre ein jährlicher Anstieg der Versichertenbeiträge unvermeidbar. Dass aber wie angekündigt noch diesen Herbst eine Pflegereform kommt, ist nach dem Bruch der Ampelkoalition mehr als fragwürdig.
Prävention statt Beitragshöhungen
Während man sich in Berlin noch über Dringlichkeit und Priorität der vielen, nun erst mal auf Halde liegenden Reformen streitet, kommt die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) mit einem ganz verrückten Vorschlag um die Ecke: Pflegebedürftigkeit im Alter vermeiden.
Ein Ansatzpunkt sind für den Präsidenten der DGG, Prof. Markus Gosch, auf Hochaltrige zugeschnittene Reha-Plätze, die es aktuell in Deutschland nicht ausreichend gäbe. Entsprechend müssten Patienten nach einem Krankenhausaufenthalt selbst mit guter Rehabilitationsprognose in Pflegeeinrichtungen verlegt werden, wo natürlich entsprechende Reha-Kapazitäten nicht vorgesehen sind. Das alle würde zwangsläufig zu höheren Versicherungsbeiträgen führen, glaubt Gosch: „Aus diesem Kreislauf müssen wir ausbrechen.“
Demografischer Wandel fordern nachhaltige Lösungen
Auch Akutkliniken werden durch die längere Verweildauer von Patienten zusätzlich belastet. „Eine optimale medizinische Versorgung im Akutbereich muss durch entsprechende rehabilitative Maßnahmen im Anschluss begleitet werden. Ansonsten droht unweigerlich eine weitere Erhöhung der Pflegebedürftigkeit und damit Überlastung der Kliniken“, sagt Gosch. Gerade mit Blick auf die immer älter werdende Gesellschaft in Deutschland müsse an nachhaltigen Lösungen gearbeitet werden. Denn aktuell seien die Tagessätze in der geriatrischen Rehabilitation zu gering, weshalb das Angebot an geriatrischen Rehabilitationskliniken deutlich abgenommen habe.
Außerdem macht Gosch Werbung für eine umfassende Weiterbildungsoffensive im Fach Geriatrie, die es sowohl für die Versorgung in den Akutkliniken als auch im ambulanten Bereich brauche. Hier könne man sich an der geriatrischen Facharztausbildung orientieren, die es in anderen europäischen Ländern bereits gebe. „In der Infektiologie – um ein Beispiel zu nennen – gibt es das alles schon, auch einen Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie“, so Gosch. „Da müssen wir dringend hinkommen. Geriatrie kann Pflegebedürftigkeit verhindern. Und nur so kann es gelingen, einer stetigen Erhöhung der Pflegeversicherung entgegenzuwirken.“



