Mit Virtual Reality auf den Notfall vorbereitet

von | Okt. 8, 2024

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VR-basierte Simulationen sind ein vielversprechendes Instrument, um notfallmedizinische Kompentenzen von Assistenzärzten zu schulen, zeigt eine aktuelle Studie.

 

Eine Studie der Lehrklinik des Universitätsklinikums Würzburg hat nun zeigen können, dass Virtual Reality-basierte Simulationen (VR) dabei helfen können, Assistenzärzten die nötigen notfallmedizinischen Kompetenzen zu vermitteln – und zwar sowohl diagnostisch als auch therapeutisch.

„Der Umgang mit Notfallsituationen, die schnelle klinische Entscheidungen erfordern, stellt im Alltag eine besondere Herausforderung dar“, weiß Dr. Tobias Mühling, Leiter der Lehrklinik und gemeinsam mit Prof. Dr. Sarah König Letztautor der im International Journal of Emergency Medicine veröffentlichten Studie. Das hätten mehrere Studien bereits gezeigt: Bei der Arbeit mit Simulationspersonen oder im Notfall schneidet der medizinische Nachwuchs meist schlechter ab als bei Routineaufgaben. Genau diese „Schwächen“ lege die aktuelle Pilotstudie offen und liefere damit wertvolle Einblicke, wie die Praxis verbessert und was vielleicht sogar im vorausgegangen Studium optimiert werden könne.

Noch Luft nach oben

In der Simulation schnitten die Assistenzärzte mit bis zu sechs Monaten Berufserfahrung in der Diagnostik und bei allgemeinen stabilisierenden Maßnahmen recht gut ab. Verbesserungsbedarf zeigte sich jedoch bei krankheitsspezifischen, therapeutischen Maßnahmen wie der Entscheidung für eine nicht-invasive Beatmung (NIV) oder der Behandlung eines langsamen Herzrhythmus (Bradykardie) nach aktuellen medizinischen Leitlinien. Im Durchschnitt wurden 65,6 Prozent der erforderlichen Maßnahmen korrekt durchgeführt, ohne signifikante Unterschiede zwischen den verschiedenen Szenarien. Mühling betont, dass diese Ergebnisse nicht überraschen, da die jungen Ärztinnen und Ärzte gerade in die Weiterbildung eingetreten sind, nun unter engmaschiger Aufsicht durch Fachärzte arbeiten und die Behandlung spezifischer Erkrankungen erlernen.

Bewertet wurde die Leistung des Nachwuchses automatisch anhand einer szenariospezifischen Checkliste. Zusätzlich führten die Teilnehmer eine Selbsteinschätzung sowie einen Test zur klinischen Entscheidungsfähigkeit mit dem sogenannten Post-Encounter-Formular durch. In diesem erreichten sie eine durchschnittliche Punktzahl von 80,5 Prozent, was auf eine solide Fähigkeit zur Bewältigung diagnostischer Entscheidungen hinweist. Die Selbsteinschätzung der eigenen Fähigkeiten stimmte jedoch nicht immer mit den objektiven Leistungsergebnissen überein, was die Notwendigkeit objektiver Tests deutlich macht.

VR-Simulationen als wertvolle Ergänzung

Aus den Ergebnissen der Pilotstudie zieht Erstautorin Franca Keicher das Fazit, dass „die Teilnehmenden zwar gut auf Routinetätigkeiten vorbereitet sind, dem Management komplexer Fälle aber mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.“ Generell seien VR-Szenarien eine interessante neue Möglichkeit, sich ein umfassendes und praxisnahes Bild von den notfallmedizinischen Kompetenzen neuer medizinischer Fachkräfte sowohl im diagnostischen als auch im therapeutischen Bereich zu machen.

VR-Simulationen seien aber nicht nur ein Beurteilungsinstrument, sondern auch ein wertvolles Training als Ergänzung zur traditionellen medizinischen Ausbildung. „Die Technologie ermöglicht eine praxisnahe und gleichzeitig sichere Umgebung, in der junge Ärztinnen und Ärzte ihre Fähigkeiten verbessern können“, kommentiert Mühling. Und dank der Pilotstudie habe man nun klare Hinweise darauf, wo in der Lehre gezielt angesetzt werden könne, schließt die Leiterin des Lehrstuhls für Medizindidaktik und Ausbildungsforschung Prof. Dr. Sarah König ab.

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