Mit Hightech-Diagnostik direkt ins Pflegeheim

von | Juni 4, 2026

Von außen ein ganz gewöhnlicher LKW, aber innen steckt die Hightech-Diagnostik: Die Mobile Geriatrie Unit MGU. Quelle: Iris Maurer / Universität des Saarlandes

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Im Saarland versorgt im Rahmen eines Pilotprojektes ab September ein LKW voller Hightech-Diagnostik Menschen in Pflegeheimen, um ihnen Klinikaufenthalte zu ersparen.

 

Es ist ein Dilemma, das ein Pilotprojekt im Saarland nun lösen will: Menschen in Pflegeheimen sind oft dement oder in ihrer Mobilität eingeschränkt und benötigen gleichzeitig eine engmaschige medizinische Betreuung. Das Ergebnis sind zum Teil mehrtägige Klinikaufenthalte nur für Diagnostik. Der Transport und die ungewohnte Umgebung belasten diese risikogefährdete Patientengruppe allerdings sehr. Um diesen Menschen Klinikaufenthalte zu ersparen und auch die Krankenhäuser zu entlasten, soll sich nun ein LKW voller Hightech-Diagnostik auf den Weg in die Heime machen. Für dieses bundesweit einmalige Modellprojekt haben die Universität des Saarlandes, das Universitätsklinikum und mehrere Partner über acht Millionen Euro Fördergelder vom Gemeinsamen Bundesausschuss bewilligt bekommen.

Das neue Fahrzeug wurde nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Entwickelt hat das Konzept für die mobile Diagnostik Klaus Faßbender, langjähriger Medizinprofessor an der Universität des Saarlandes. Den Gemeinsamen Bundesausschuss hat er bereits vor vier Jahren überzeugt: Das höchste Gremium der Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen beauftragte den Medizinprofessor damit, im Rahmen eines innovativen medizinischen Versorgungsmodells ein passendes Fahrzeug mit technischer Diagnostik zu entwickeln und es an saarländischen Pflegeheimen testweise einzusetzen.

Die gesamte Klaviatur der Diagnostik 

Das Ergebnis ist die nun einsatzbereite „Mobile Geriatrie Unit“, kurz MGU, die mit einem Computertomographen, einem Röntgen- und Ultraschallgerät, einem EEG- und EKG-Gerät sowie einem Labor ausgestattet, was dem Standard einer klinischen Notaufnahme entspricht. Der LKW umfasst einen barrierefrei zugänglichen Behandlungsraum und eine hochwertige Ausstattung für die digitale Vernetzung und telemedizinische Kommunikation.

Anspruchsvoll ist auch die energetische Versorgung, für die ein besonders leistungsfähiges Batteriesystem entwickelt wurde, das den ganztägigen Betrieb aller diagnostischen Geräte garantiert und die telemedizinische Vernetzung erst möglich macht. Die Batterien werden jeweils über Nacht aufgeladen, um die mobile geriatrische Einheit tagsüber voll einsatzbereit zu halten. An der technischen Entwicklung und Umsetzung war die Homburger Firma „A6 JUNG“ maßgeblich beteiligt, die Expertise für Spezialanfertigungen im Fahrzeugbau hat.

Diagnostik meets Telemedizin

Die MGU wird bei ihren Untersuchungseinsätzen von Fachärzten sowie von medizinisch-technischen Radiologie- und Rettungsassistenten begleitet. Die in dem Spezialfahrzeug erhobenen Daten werden über eine geschützte mobile Übertragung direkt an Spezialisten für Radiologie, Innere Medizin und Geriatrie sowie Neurologie und Orthopädie übermittelt.

„Diese Experten werten die Befunde aus und stellen sie zeitnah den überweisenden Hausärzten und den Pflegeteams in den Heimen zur Verfügung, damit diese ihre Patienten in vertrauter Umgebung weiter versorgen können. Auf diese Weise werden die Haus- und Fachärzte vor Ort gestärkt und die Krankenhäuser entlastet. Auch die Beiträge der Versicherten werden wirtschaftlicher eingesetzt“, erklärt Prof. Klaus Faßbender.

Modellphase beginnt im September

Die Einsätze des neuen Hightech-Lasters an saarländischen Pflegeheimen werden wissenschaftlich begleitet, um den medizinischen und ökonomischen Nutzen als Basis für eine zukünftige Übernahme in die Regelversorgung zu evaluieren. Unterstützt wird das Modellprojekt mit dem Namen „DIKOM – Diagnostik und Konsil im Pflegeheim mittels Mobiler Geriatrie Unit“ durch die Saarländische Pflegegesellschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, alle im Saarland tätigen Kranken- und Pflegekassen, die saarländischen Diagnostikexperten von Xcare, des Caritasklinikums Lebach sowie verschiedener Institute des Universitätsklinikums.

Projektträger ist die Universität des Saarlandes. Der gesamte innovative Versorgungsprozess wird vom Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (ISO) sowie dem Berliner Institut für angewandte Versorgungsforschung (inav) wissenschaftlich begleitet. Insgesamt haben Prof. Faßbender und sein Team für die Projektlaufzeit von insgesamt drei Jahren zwölf Konsortial- und 33 Kooperationspartner zur Mitwirkung gewonnen. In der im September startenden aktiven Modellphase erhalten zunächst rund 4.000 Heimbewohner aus etwa 50 Pflegeheimen eine „mobile Diagnostik“ in ihrer vertrauten Umgebung.

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