Auf Bundesebene wird die Gesundheitsreform zur Sparreform. Doch was wollen die Menschen im Land? Die TK hat in Sachsen-Anhalt kurz vor der Landtagswahl nachgefragt.
In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern stehen im September Landtagswahlen an, über die aus verschiedenen Gründen aktuell viel berichtet wird. Was aber vermutlich nur wenige auf dem Schirm haben: Sachsen-Anhalt ist das Land mit der ältesten Bevölkerung Deutschlands. Bis 2040 wird die Einwohnerzahl von heute etwa 2,12 Millionen auf nur noch 1,83 Millionen Menschen sinken. Die Aufrechterhaltung einer verlässlichen Gesundheitsversorgung hat in dem Bundesland daher eine ganz eigene Brisanz – und das sehen auch die Menschen dort so. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Sie wurde im Februar anlässlich der bevorstehenden Landtagswahl erhoben und die Ergebnisse zeigen: Mit 96 Prozent ist Gesundheitspolitik das Wahlentscheidende Thema, das als „sehr wichtig/wichtig“ eingestuft wird, noch vor Bildungspolitik (94 Prozent) sowie Arbeits- und Wirtschaftspolitik (90 Prozent).
Für die TK-Landesvertreterin in Sachsen-Anhalt Steffi Suchant sind diese Ergebnisse ein klares Signal: „Eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung muss auf landespolitischer Ebene den Stellenwert erhalten, den die große Mehrheit der Bevölkerung ihr beimisst.”
Reformbereitschaft vorhanden
Was vor allem die Bundespolitik freuen dürfte: Zwar sieht die Mehrheit (68 Prozent) der Menschen in Sachsen-Anhalt das Gesundheitssystem aktuell grundsätzlich positiv, 27 Prozent wünschen sich dennoch grundlegende Veränderungen. Vor allem eine nachhaltige Finanzierung ist für 97 Prozent schlichtweg DAS zentrale Anliegen. Grundsätzlich wird die Finanzierung des Gesundheitswesens zwar auf Bundesebene geregelt, Suchant sieht dennoch Stellschrauben, an denen auch die Landespolitik drehen könnte, etwa die Krankenhausplanung, Krankenhausinvestitionen sowie deren Vernetzung mit dem ambulanten Bereich.
Damit könnte die Landespolitik auch jene Punkte adressieren, die für die Bürgerinnen und Bürger hohe Relevanz haben. So wünschen sich 86 Prozent der Befragten schnelleren Zugang zu Ärztinnen und Ärzten, etwa über digitale Terminplattformen. Auch eine konsequente Ausrichtung der Krankenhausstrukturen im Sinne der Behandlungsqualität ist für 84 Prozent der Menschen wichtig.
Während Gesundheitspolitik bisher also eher ein Ressort war, für das bisher kaum eine Politikerin oder ein Politiker wirklich Schlange stand, kann man – das suggerieren die Umfrageergebnisse – heute damit Landtagswahlen gewinnen. Ob eine der Parteien diesen Hinweis aufgreift und ob die Aussagen der Umfrage tatsächlich stimmen, zeigt sich dann im September in Magdeburg.
Behandlungsqualität schlägt kurze Wege
Auch mit Blick auf planbare Klinikaufenthalte sind die Sachsen-Anhaltiner kompromissbereit. 86 Prozent gaben an, dass ihnen die Erfahrung der Klinik wichtiger ist als eine kurze Anreise. Die Befragung zeigt zudem, dass strukturelle Neuerungen im Krankenhausbereich – wie sie im Zuge der aktuellen Krankenhausreform geplant sind – von der Mehrheit der Menschen in Sachsen-Anhalt unterstützt werden. So bewerten 79 Prozent der Befragten das Vorhaben, komplexere Behandlungen künftig in hierfür spezialisierten Häusern zu bündeln als “sehr gut” oder “eher gut”. Lediglich 21 Prozent stehen solchen Reformplänen kritisch gegenüber.



