Eine aktuelle Umfrage unter Beschäftigten im Mittelstand zeigt: Mentale Gesundheit ist mittlerweile keine Privatsache mehr.
Die psychische Belastung der Beschäftigten nimmt zu – das zumindest ist die Wahrnehmung jeder zweiten Führungskraft, die das Marktforschungsinstitut Innofact und die ias Stiftung nun befragt haben. In Unternehmen mit 200 Mitarbeitern und mehr sehen sogar über 50 Prozent der Führungskräfte eine Zunahme der psychischen Belastung innerhalb der Belegschaft. In Unternehmen mit weniger als 200 Mitarbeitern sind es nur rund 40 Prozent.
Was die Umfrage außerdem zeigt: Insbesondere weibliche Führungskräfe haben ein Radar für psychische Belastungen. Von ihnen nehmen knapp zwei von drei Befragten (58,5 Prozent) eine Zunahme der Belastungen wahr, bei männlichen Führungskräften sind es nur rund 40 Prozent. Dass die mentale Gesundheit innerhalb der Belegschaft schlechter wird, lässt sich laut Führungskräften insbesondere an hohen Fehlzeitquoten, Unzufriedenheiten in der Belegschaft und Konflikten in den Teams festmache. Aus Sicht der Befragten nehmen die Belastungen vor allem durch den Anstieg des Arbeitspensums (52,7 Prozent), zunehmenden Leistungsdruck (49,3 Prozent), Fachkräftemangel (45,9 Prozent) und ständige Veränderungsprozesse (39,7 Prozent) zu.
Selbstwahrnehmung eine andere
Was die Führungskräfte innerhalb ihrer Teams so klar benennen können, weisen sie gleichzeitig von sich selbst deutlich ab. Denn ihre Selbstwahrnehmung fällt deutlich positiver aus. 84,2 Prozent der Befragten halten ihre eigene mentale Gesundheit als mindestens stabil oder besser ein. Eine ebenso stabile mentale Gesundheit räumen gleichzeitig nur 30 Prozent der Führungskräfte auch ihren Teammitgliedern ein.
Für Dr. Alexandra Schulz-Wrusch, Sprecherin des Vorstands der ias Stiftung und Fachärztin für Arbeitsmedizin ist mentale Gesundheit ein zentraler Erfolgsfaktor – gerade für den Mittelstand. Und mit der jetzt veröffentlichten Umfrage sieht sie einen starken Zusammenhang zwischen der psychischen Gesundheit innerhalb der Belegschaft sowie der Produktivität des Unternehmens belegt. „Arbeitgeber haben zahlreiche Möglichkeiten, aktiv zu unterstützen – etwa durch Employee Assistance Programme, Stressmanagement-Angebote oder Schulungen zur mentalen Gesundheit für Mitarbeitende und Führungskräfte. Jede Investition in psychische Gesundheit stärkt sowohl die Menschen als auch das Unternehmen.”, sagt Schulz-Wrusch.
Mentale Gesundheit ist keine Privatsache (mehr)
Die Ergebnisse der Studie machen auch deutlich: Mentale Gesundheit wird längst nicht mehr als reine Privatsache gesehen. Nur 9,6 Prozent der befragten Führungskräfte sind der Auffassung, dass der Arbeitgeber sich nicht in Belange der mentalen Gesundheit einmischen soll. Eine klare Mehrheit von 89 Prozent erwartet, dass Arbeitgeber in bestimmten Fällen Unterstützung leisten. Davon sprechen sich 23,8 Prozent für eine aktive Rolle der Unternehmen aus, während rund 28 Prozent es bevorzugen, dass Unterstützung auf Initiative der Beschäftigten hin erfolgt. 37 Prozent sehen mentale Gesundheit zwar überwiegend als private Angelegenheit, halten jedoch eine Unterstützung durch den Arbeitgeber in Ausnahmefällen für sinnvoll.



