Mehr Gewicht = höhere Risikobereitschaft

by | Jul 10, 2024

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Übergewicht geht oft mit einem veränderten Risikoverhalten einher. Eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung zeigt nun: Sinkt der BMI, normalisiert sich auch die Risikobereitschaft wieder.

  

Stark adipöse Menschen sind impulsiv und zeigen eine erhöhte Risikobereitschaft. Forscher des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) haben nun untersucht, ob ein massiver Gewichtsverlust zu einer Verbesserung des metabolischen und psychologischen Zustands führt und ob dadurch die Entscheidungsfindung verbessert wird. Die Ergebnisse wurden im Journal Clinical Nutrition veröffentlicht.

Bei Menschen mit Adipositas ist der Glukosestoffwechsel beeinträchtigt, der unter anderem auch die Stimmung beeinflusst. Ob sich die Stimmung mit einem kontrollierten Stoffwechsel umgekehrt wieder normalisieren lässt, haben Beatrix Kweloh, Doktorandin am DIfE, und ihr Team in einer Interventionsstudie untersucht. Dafür rekrutierten sie 62 Probanden zwischen 18 und 75 Jahren mit schwerer Adipositas (BMI > 35 kg/m2) und verordneten ihnen eine intensive zehnwöchige Diät mit einer täglichen Energiezufuhr von 800 Kilokalorien. Zu Beginn und am Ende der Intervention wurden Gewicht und Körperfett der Teilnehmenden gemessen, die Stimmung mithilfe eines Fragebogens erfasst und die Risikobereitschaft durch einen computergestützten Test ermittelt.

Langzeitzuckerwerts HbA1c entscheidend

Mit der Diät haben sich sowohl der BMI als auch der HbA1c-Wert als Marker für den Glukosestoffwechsel signifikant reduziert – und die Stimmung deutlich verbessert, was mit einer positiven Verhaltensänderung in Bezug auf das Risiko einherging. Demnach scheint das Risikoverhalten bei Fettleibigkeit in hohem Maße vom BMI abhängig zu sein. „Unsere Ergebnisse haben zudem gezeigt, dass der metabolische Faktor HbA1c nach dem Gewichtsverlust zum führenden Vorhersageparameter für die Risikobereitschaft wird“, sagt Erstautorin Keweloh. „Wir haben gezeigt, dass sich ein Gewichtsverlust positiv auf den Glukosestoffwechsel und auf die Stimmung auswirkt und insbesondere die Funktion des Glukosestoffwechsels als Steuerungssignal wiederhergestellt werden konnte.“

Weitere Forschung nötig

Die Studie macht deutlich, dass es hinsichtlich der Risikobereitschaft komplexe Wechselwirkungen zwischen Gewichtsverlust, metabolischen und psychologischen Faktoren gibt. Der BMI scheint dabei eine zentrale Rolle zu spielen. Da eine verringerte Risikobereitschaft mit einem gesünderen Lebensstil verbunden ist, stellt sie eine wichtige Voraussetzung für den Gewichtsverlust und die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts dar. Dementsprechend sollten Interventionsstrategien zur Unterstützung des Gewichtsmanagements sowohl metabolische als auch psychologische Faktoren berücksichtigen, um Rückfälle in ungesunde Verhaltensweisen zu verhindern und metabolisch gesteuerte Entscheidungen zu fördern.

„Die vorliegende Studie gehört zu den ersten ihrer Art, weil sie sowohl metabolische als auch psychologische Faktoren bei übergewichtigen Menschen berücksichtigt“, fasst Prof. Soyoung Q Park, Leiterin der Abteilung Neurowissenschaft der Entscheidung und Ernährung am DIfE zusammen. „Sie stellt somit einen wichtigen Beitrag zur Forschung auf diesem Gebiet dar. Andererseits zeigt sie, dass wir erst am Anfang stehen und weiterforschen müssen, um genau zu verstehen, wie sich Energiehaushalt und Psyche auf unsere Entscheidungen auswirken.“

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Gemüsekohl für die Gesundheit

Forscher des Leibniz-Instituts für Gemüse- und Zierpflanzenbau haben jene Kohlsorten identifiziert, die besonders wertvolle Pflanzenstoffe für den Menschen beinhalten. Wie die sich auf die Gesundheit auswirken, wird nun in einer Interventionsstudie untersucht.

Grün und vielfältig sollte sie sein, unsere Ernährung. Und einem Gemüse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu: Gemüsekohl. Am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) gibt es mit dem Projekt SharpGreens sogar ein eigenes Forschungsprojekt, das jetzt in die zweite Phase startet. Die wissenschaftliche Fragestellung: Wie beeinflusst eine vielfältige Ernährung reich an Gemüsekohl die Gesundheit? Die humane Interventionsstudie wird gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Freiburg umgesetzt. Erforscht werden sollen vor allem die Auswirkungen auf die Immunfunktionen und das Darmmikrobiom.
Der Interventionsstudie ist eine intensive erste Projektphase vorangegangen, für die am IGZ in den vergangenen 30 Jahre eine umfassende Analytikplattform für sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Abbauprodukte entwickelt wurde. Im Fall des Gemüsekohls geht es um die sogenannten Glucosinolate, die beim Verzehr enzymatisch zu gesundheitsfördernden Abbauprodukten, den Isothiocyanaten, umgewandelt werden können. Diese Substanzen haben entzündungshemmende, antikanzerogene und antimikrobielle Eigenschaften. Bisher wurden mehr als 100 verschiedene Glucosinolate in Pflanzen identifiziert, wobei die Wirksamkeit ihrer Abbauprodukte stark variieren kann.
Über 300 Kohlsorten kultiviert
Im Rahmen des Projekts SharpGreens kultivierte das Team von Projektleiterin Dr. Katja Witzel im letzten Jahr 300 Genbank- und 17 kommerzielle Kohlsorten am IGZ und analysierte die Glucosinolat-Gehalte und Abbauprodukte. Dabei wurden 24 Kohlsorten mit verbesserten Glucosinolat-Gehalten und gewünschten -Abbauprofilen identifiziert. Diese stammen aus verschiedenen Regionen, darunter Kohlrabi aus der ehemaligen DDR, Blumenkohl-Sorten aus Italien, Weißkohl aus Japan und Spanien, Grünkohl aus Schweden und bulgarischer Rotkohl. Zur weiteren Aufklärung des enzymatischen Glucosinolat-Abbaus wurde das Proteom aller Kohlsorten am IGZ analysiert und ergänzend dazu eine genomweite Assoziationsstudie vom Projektpartner Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) durchgeführt.
In der nun gestarteten zweiten Projektphase werden die ausgewählten Kohlsorten in der Interventionsstudie am Universitätsklinikum Freiburg unter der Leitung von Prof. Dr. Evelyn Lamy eingesetzt. Es wird untersucht, ob der Verzehr einer vielfältigeren Gemüsekohl-Diät die Gesundheit beeinflusst und ob diese Effekte auf den hohen Gehalt an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen oder die Pflanzenvielfalt zurückzuführen sind. Die Probanden erhalten dafür in einem randomisierten Crossover-Versuch vier verschiedene Gemüsekohl-Diäten, die aus gefriergetrockneten Kohlpflanzen am IGZ hergestellt werden und definierte Mengen an bioaktiven Substanzen enthalten. Außerdem wird der Einfluss der Vielfalt an Gemüsekohl in der Ernährung auf die Zusammensetzung des Darmmikrobioms untersucht.
Bewusstsein für Vielfalt fördern
Die Forschungsergebnisse sollen anschließend über verschiedene Formate wie Kochevents, Feldführungen und Ausstellungen an die Öffentlichkeit kommuniziert werden. Ziel ist es, das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt in der Landwirtschafft sowie eine vielfältige pflanzenbasierte Ernährung zu fördern. Unterstützt werden die Forscher dabei von proWissen Potsdam e.V. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert SharpGreens im Rahmen der Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt (FEdA) und der Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit (BiodivGesundheit2) mit 1,1 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Jahren.

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