Mehr Geld und mehr Studenten für Uniklinik Oldenburg?

by | Apr 19, 2024

Quelle Universität Oldenburg/Martin Remmers

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In Oldenburg fühlt man sich schon länger als das fünfte Rad am Wagen im Verbund der niedersächsischen Universitätskliniken. Nun will man die Bürger mobilisieren. Denn „Ärzte fallen nicht vom Himmel“.

 

Es geht wie immer ums Geld – und damit das fließt, hat die Universitätsmedizin Oldenburg (UMO) nun eine Unterschriftenaktion gestartet. Weil „Ärzte nicht vom Himmel fallen“ und man dem „drohenden Ärztemangel in der Region entgegenwirken will“, sollen künftig mindestens 200 statt 120 junge und motivierte Menschen in Oldenburg Medizin studieren. So hat es das Land Niedersachsen, konkret Wissenschaftsminister Falko Mohrs bis 2027 zugesagt. „Voraussetzung dafür ist aber, dass die niedersächsische Landesregierung unseren Standort endlich wie versprochen auskömmlich finanziert“, erklärt Prof. Dr. Ralph Bruder, Präsident der Universität Oldenburg.

Bereits im März hatte der Marburger Bund kritisiert, dass das Bundesland in Bezug auf seine drei Universitätsklinken mit „zweierlei Maß messe“. Hans Martin Wollenberg, erster Vorsitzender des Marburger Bunds Niedersachsen erinnerte die Landespolitik damals, dass Niedersachsen drei Standorte der Universitätsmedizin hat: „Neben Hannover und Göttingen hat sich Oldenburg in über einem Jahrzehnt als dritter Medizinhochschulstandort etabliert und ist als Grundpfeiler für die ärztliche Versorgung im Nordwesten nicht mehr wegzudenken.“

Investitionen dringend benötigt

In Oldenburg betont man, dass Medizinstudium und fachärztliche Ausbildung insgesamt rund zwölf Jahre dauern würden, weshalb die Landesregierung die entsprechenden Mittel jetzt zu Verfügung stellen und in den Haushalt für das kommende Jahr einplanen müsse. „Damit würde sie ihren 2022 im Koalitionsvertrag festgelegten Planungen endlich Taten folgen lassen“, unterstreicht Prof. Dr. Hans Gerd Nothwang, Dekan der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften. 

Konkret geht es darum, die jährlichen Landesmittel für die Universität – wie bereits 2019 mit der damaligen Landesregierung vereinbart – stufenweise von aktuell 36,3 auf 51 Millionen Euro zu erhöhen und die Kooperationskrankenhäuser für ihren Mehraufwand mit rund zehn Millionen Euro jährlich zu unterstützen. Die Zahl der ursprünglich 40 Studierenden sei mittlerweile auf 120 gestiegen und mit ihr die Zahl der Professuren und Mitarbeitenden der Fakultät. Die vorgesehenen 200 Studienplätze wurden bislang jedoch nicht finanziert. Zudem benötigt die UMO eigene Gebäude. Das Planungsinstitut für Hochschulentwicklung hat ein Flächendefizit von rund 20.000 Quadratmetern bei einer Ausbaustufe von 200 Medizinstudierenden pro Jahrgang festgestellt. Der erste Bauabschnitt für ein Forschungsgebäude am Pophankenweg soll zwar noch in diesem Jahr beginnen, aber die Kosten für dessen zweiten Bauabschnitt in Höhe von rund 84 Millionen Euro sind bisher nicht im Haushalt berücksichtigt. Ebenso dringend benötigt die UMO ein Lehrgebäude. Für die Baukosten in Höhe von 83 Millionen Euro fehlt bis heute eine Finanzierungszusage.

Unterschriften gehen an Ministerpräsident Weil

Ob die Unterschriftenaktion den Druck auf die niedersächsische Landesregierung erhöhen wird, bleibt abzuwarten. In jedem Fall beteiligen sich die Kooperationskrankenhäuser sowie mehr als 200 Praxen des Lehrpraxennetzwerks. Auch der Niedersächsische Landfrauenverband Weser-Ems unterstützt die Aktion und ruft seine Mitglieder auf, sich an der Aktion zu beteiligen. Ebenso können Unterschriften digital eingereicht werden. Die Sammlung soll dann im Juni in Hannover an Ministerpräsident Stephan Weil übergeben werden – pünktlich zur bevorstehenden Haushaltsklausurtagung.

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